An die Alpen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nikolaus Lenau: An die Alpen (1840)

1
Alpen! Alpen! unvergeßlich seid
2
Meinem Herzen ihr in allen Tagen;
3
Bergend vor der Welt ein herbes Leid,
4
Hab ich es zu euch hinaufgetragen.

5
Für das Unglück steht ein Gnadenbild
6
Zwischen Felsen heimlich eingeschlossen,
7
Eine Kluft ists, einsam, tief und wild,
8
Durch den Abgrund ist ein Quell gestoßen.

9
Wie die Brust Marias schwertdurchbohrt
10
Ist zu schaun in christlicher Kapelle,
11
So Natur, der heilgen Mutter dort
12
Schien das Herz durchschnitten von dem Quelle

13
Grauer Felsen ewig starrer Blick
14
Hangt hinab zur tiefgerißnen Wunde,
15
Und der Mensch mit seinem Mißgeschick
16
Lauscht dem Strom, der immer klagt im Grunde.

17
Tausendstimmig braust ein dunkler Schmerz
18
In des Stroms zerbrochenen Akkorden,
19
Und aufhorchend ist des Menschen Herz
20
Seiner eignen Klage still geworden.

21
Wird des Unglücks heilger Sinn geahnt,
22
Hat der Kummer seinen Groll verloren;
23
Rauschend hat michs an der Kluft gemahnt:
24
Schmerz und Liebe hat die Welt geboren.

25
Schmerz und Liebe ist des Menschen Teil,
26
Der dem Weltgeschick nicht feig entwichen;
27
Zieht er aus dem Busen sich den Pfeil,
28
Ist er für die Welt und Gott verblichen.

29
Heimweh jagt des Abgrunds wilden Schaum;
30
Läßt Natur die Erd in Freuden prangen,
31
Schildert sie der Zukunft schönen Traum;
32
All ihr Herz ist Sehnen und Verlangen.

33
Heimweh ist es, wenn die Liebe naht,
34
Ist der Grund des nie gestillten Fragens,
35
Heimweh jede große Menschentat,
36
Und die Wunder himmlischen Entsagens. –

37
Alpen, o wie stärkte mich die Rast,
38
Lagernd auf dem weichen Grün der Wiesen,
39
Kräuterdüfte fächelten den Gast,
40
Eisgeharnischt ragten eure Riesen.

41
Lerche sang ihr lustverwirrtes Lied,
42
Schweigend strich der Adler durchs Gesteine,
43
Und die Gipfel, als die Sonne schied,
44
Schwelgten stumm im letzten Purpurscheine.

45
Eine Herde irrt' am Wiesenhang,
46
Kühe weidend pflückten ihre Beute,
47
Und die Glock an ihrem Halse klang
48
Für die Kräuter sanftes Sterbgeläute.

49
Kaum vernehmbar kam der müde Schall
50
Jener Kluft herüber mit den Winden;
51
Wo so hoher Frieden überall,
52
Ließ die Ruh in Gott sich vorempfinden. –

53
Frischen Mut zu jedem Kampf und Leid
54
Hab ich talwärts von der Höh getragen;
55
Alpen! Alpen! unvergeßlich seid
56
Meinem Herzen ihr in allen Tagen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.