Zweifel und Ruhe

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Nikolaus Lenau: Zweifel und Ruhe (1841)

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Der Mensch auf halbem Weg entschlief
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Im Schatten eines alten Baumes,
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In Banden eines süßen Traumes,
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Schlief manche Wanderstunde, tief.
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Das Laub des Baumes rauschte mild
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Und bat den Schlaf: o bleibe lang!
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Zum Traume sprach der Vögel Sang:
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O male fort dein buntes Bild;
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Daß uns der Schläfer nicht erwache,
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Er weile unter diesem Dache!

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Da kam der Zweifel, ihn zu wecken;
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Er klopft ihm auf die Schulter sacht
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Und spricht: steh auf, bevor es Nacht,
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Zum Ziele sind noch weite Strecken.
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Ich bin dein Freund, ein rauher zwar,
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Doch treu, und warne vor Gefahr.

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Er führt ihn fort durch stille Heiden,
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Wo Lust und Zier des Lebens scheiden,
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Natur blüht abseit seinem Herzen,
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Ihn fassen unversöhnte Schmerzen.
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Wie sonst vom stillen Heideland
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Der Wandrer Vögel scheucht empor,
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So rauscht ihm an des Zweifels Hand
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Von Fragen auf ein wilder Chor,
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Die schreiend fort zur Ferne dringen,
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Doch Antwort nicht zurück ihm bringen.
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Dann wird es öder, stiller immer,
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Dämmrung versagt den letzten Schimmer;
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Der Wandrer schreitet trüb und sacht
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Mit seinem Führer durch die Nacht.

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Doch wenn ihm auf dem Gang nicht graut,
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Und wenn er kräftig horcht und schaut
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In seines Herzens tiefsten Grund,
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So wird ihm hier der Himmel kund.
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Da unten strömt der ewge Quell,
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Da klingt es hold, da strahlt es hell,
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Er schaut den Brunnen und das Meer
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Und fragt nicht mehr: wohin? woher?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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