Der Schiffsjunge

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Nikolaus Lenau: Der Schiffsjunge (1833)

1
Das wilde, schäumende Roß,
2
Gejagt von der Sporen scharfem Stoß,
3
Auf krumm gewundener Reiterbahn
4
Mit seitwärts geneigtem Leibe stürmt:
5
So fliegt, wie die Flut sich senkt und türmt,
6
Das Schiff die Wellen hinab, hinan,
7
Vom mächtigen Seitenwinde gefaßt,
8
Mit tief bordüber geneigtem Mast.

9
Es braust das Meer, es kracht und stöhnt
10
Des beladnen Fahrzeugs schwere Wucht
11
Auf seiner rastlos eiligen Flucht;
12
Der Matrosen freudiges Hurra! tönt.
13
Der Steuermann am Ruder steht,
14
Das Rad mit gewaltigen Armen dreht,
15
Stets blickend scharf aufs zitternde Schwanken
16
Der Bussole mit mancherlei frohen Gedanken:
17
Er überzählt sein Geldchen im stillen;
18
Schon hört er am Strande die Fiedel klingen,
19
Wo blühende, lustige Dirnen springen,
20
Die gerne dem Seemann sind zu Willen.
21
Vergnügt, die Heimat wiederzusehn,
22
Am Verdeck frisch auf und nieder geht
23
Waghaltenden Schritts der Kapitän
24
Und lächelnd empor in die Segel späht,
25
Die voll ihm schwellen zur Augenlabe
26
Von des Windes köstlicher, flüchtiger Habe.

27
Dort klettert ein Junge gar flink und heiter
28
Die Sprossen hinauf der schwankenden Leiter;
29
Schon hat er erreicht in munterer Hast
30
Die höchsten Segel am stolzen Mast;
31
Den Lüftefänger, den Wolkenraser,
32
Den Mondespflücker, den Sternengraser;
33
Da bricht das morsche Tau entzwei,
34
Woran er geschwebt, – ein banger Schrei –
35
Er stürzt hinunter ins Meer,
36
Und über ihn stürzen die Wellen her.

37
Umsonst, Matrosen, ist euer Bemühn,
38
Den Jüngling zu retten, er ist dahin!
39
Wie hungernde Bestien stürzen die Wellen
40
Dem Opfer entgegen, sie schnauben und bellen;
41
Schon hat ihn die eine wütend verschlungen,
42
Und über sie kommen die andern gesprungen,
43
Die um die Gierige neidisch schwärmen
44
Mit schäumendem Rachen und wildem Lärmen.

45
Die Sonne wiederum zu Himmel steigt,
46
Da ruhn die Winde, jede Welle schweigt,
47
Und traurig steht der feiernde Matrose,
48
Nachdenkend seinem wandelbaren Lose.
49
Klar blickt der alte Mörder Ozean
50
Dem Himmel zu, als hätt er nichts getan.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.