Dir drei Indianer

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Nikolaus Lenau: Dir drei Indianer (1834)

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Mächtig zürnt der Himmel im Gewitter,
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Schmettert manche Rieseneich in Splitter,
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Übertönt des Niagara Stimme,
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Und mit seiner Blitze Flammenruten
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Peitscht er schneller die beschäumten Fluten,
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Daß sie stürzen mit empörtem Grimme.

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Indianer stehn am lauten Strande,
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Lauschen nach dem wilden Wogenbrande,
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Nach des Waldes bangem Sterbgestöhne;
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Greis der eine, mit ergrautem Haare,
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Aufrecht überragend seine Jahre,
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Die zwei andern seine starken Söhne.

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Seine Söhne jetzt der Greis betrachtet,
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Und sein Blick sich dunkler jetzt umnachtet
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Als die Wolken, die den Himmel schwärzen,
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Und sein Aug versendet wildre Blitze
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Als das Wetter durch die Wolkenritze,
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Und er spricht aus tiefempörtem Herzen:

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»fluch den Weißen! ihren letzten Spuren!
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Jeder Welle Fluch, worauf sie fuhren,
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Die einst Bettler unsern Strand erklettert!
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Fluch dem Windhauch, dienstbar ihrem Schiffe!
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Hundert Flüche jedem Felsenriffe,
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Das sie nicht hat in den Grund geschmettert!

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Täglich übers Meer in wilder Eile
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Fliegen ihre Schiffe, giftge Pfeile,
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Treffen unsre Küste mit Verderben.
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Nichts hat uns die Räuberbrut gelassen,
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Als im Herzen tödlich bittres Hassen:
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Kommt, ihr Kinder, kommt, wir wollen sterben!«

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Also sprach der Alte, und sie schneiden
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Ihren Nachen von den Uferweiden,
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Drauf sie nach des Stromes Mitte ringen;
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Und nun werfen sie weithin die Ruder,
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Armverschlungen Vater, Sohn und Bruder
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Stimmen an, ihr Sterbelied zu singen.

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Laut ununterbrochne Donner krachen,
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Blitze flattern um den Todesnachen,
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Ihn umtaumeln Möwen sturmesmunter;
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Und die Männer kommen festentschlossen
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Singend schon dem Falle zugeschossen,
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Stürzen jetzt den Katarakt hinunter.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Nikolaus Lenau
(18021850)

* 13.08.1802 in Lenauheim, † 22.08.1850 in Oberdöbling

männlich, geb. Lenau

österreichischer Schriftsteller (1802-1850)

(Aus: Wikidata.org)

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