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O Ferdinand, bey dessen Namen
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Der Britte schwört, der Deutsche sich verbeugt,
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Der Gallier die Schrecken noch bezeugt,
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Die über ihn im Treffen kamen,
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Als um dich her die Donner Jupiters gekracht –
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Du bists, dem nie die schwere lange Weile
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Verdrüßliche Minuten macht.
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Du hast vielleicht mit Schnitzung neuer Pfeile,
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Mit Schärfung deines Schwerdts den Wintertag verbracht;
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Und einen Theil der trüben Nacht
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Beym Schauplatz dich erhohlt, wo neulich, tief im Schleyer
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Die Braut Emilie verhüllt,
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Als wie vor einem Ungeheuer,
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Von Furcht und Schrecken ganz erfüllt,
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An ihrer Mutter Busen stürzte,
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Und strenger Sittsamkeit getreu
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Den strengren Vater bat, daß er ihr Leben kürzte.
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Mit einer frommen Tyranney
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Wußt er den schönsten Busen zu durchstechen.
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Dein Beyfall und dein Urtheilsprechen
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War Ehre für den Mann, der uns die Heldinn schuf,
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Und Ehre für das Weib, von der sie ward gespielet.
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Groß ist des Dramadichters Ruf,
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Und groß die feine Kunst, die nur ein Kenner fühlet.
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Auch ich empfand die mütterliche Wuth
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Der Klaudia letzthin drey Tage nacheinander:
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Der Thetis Auge war in keiner stärkren Glut,
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Als einst Achilles am Skamander
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In einer schrecklichen Gefahr
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Verfolgt von Wellen, und fast umgeschleudert war,
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Und sie, mein Sohn! mein Sohn! geschrieen.
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Auch konnte Klytämnestra nicht
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Durch jeden Zug im zornentbrannten Angesicht
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Mehr sagen, um ihr Kind dem Kalchas zu entziehen,
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Als unsre feinste Spielerinn:
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Ihr Blick, ihr Ton, ihr Armausbreiten
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Riß mich und alle Seelen hin;
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Und ich versetzte mich in jene graue Zeiten
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Des Sophokles und Aeschylus,
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Und rief den Seelen zu, die dazumal gelebet:
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Seht eure Dichter, eure Spieler aufgelebet,
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Und weint noch einen Thränenguß,
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Und fühlt noch einmal, daß ihr lebet.
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Ich sprachs, und weinte noch aus voller Augenquell,
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Als Klaudia den Marinell
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Nicht mehr mit ihrem Donner bebend machte.
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O dieser Marinell wie fein, wie wundersam,
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Er Aug und Ohr zur Staunung brachte,
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So bald er auf den Schauplatz kam;
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Mit welcher Wahrheit und mit welcher Kunst er spielte,
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Darzu ist jeder Ausdruck viel zu klein,
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Dieß könnte Leßing nur allein
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So nacherzählen, so beschreiben, wie ichs fühlte:
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Denn bis zum Abscheu ward die List
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Des schlauen Hofmanns vorgestellet,
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Der nur aus Eigennutz ein Freund des Fürsten ist,
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Und seine schwache Tugend fället,
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Indem er Streich auf Streich ihr anzubringen weiß,
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Und wenn er sie aus seiner Brust getrieben,
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Mit unermüdet bösem Fleiß
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Die Laster schminkt, damit sein Herr sie möchte lieben,
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Und ihnen süße Namen giebt.
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Ich wandte mich von diesem Lüstlingsknechte
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Zur Gräfinn, welche bis zum Unsinn heiß verliebt
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Das ganze männliche Geschlechte
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Verwünschte, und mit Gift und Stahl
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Gerüstet kam, den Prinzen noch einmal
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Zu sehn, und ihn und sich zu morden.
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Hohn, Rachsucht, Liebesneid, und Liebesraserey
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Sprach wechselsweise, sprach aus ihrem Blick und Munde,
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Ich glaubte, daß Medea gegenwärtig sey,
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Als nun Orsina in dem neuen Freundschaftbunde
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Dem alten Graf der Rache Werkzeug lieh,
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Medea lächelte, wie sie,
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So bitter, und mit solchen Trieben,
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Und doch muß ich die arme Gräfinn lieben,
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Die so verlassen, so verachtet sich befand.
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Ich zürnte, daß der Graf den Zorn in sich versteckte,
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Dem Prinzen ohne Widerstand
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Sein Kind zu lassen schien, und ihm nicht kühn entdeckte:
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Prinz, ich weiß alles, weiß daß dieser Marinell
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Die Mörder Apians gerüstet;
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Ich weiß, daß dich nach diesem reinen Quell,
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Nach meiner Tochter hier, gelüstet.
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Ich fluche dir mein Ach und Weh,
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Und ehe sie den fremden Händen
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Wird anvertraut, soll sie, gleich der Virginie,
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Von meiner Hand durchbohrt, ihr junges Leben enden.
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Der Prinz war weich, war kein vorsetzlicher Tyrann,
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Die Schaam, die bittre Reue hätten
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Ihn schnell ergriffen, und der alte böse Mann
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Der konnte leicht das süße Mädchen retten.
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Der furchtbegoßne Fürst gestand
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Sein schwaches Herz und seines Dieners Tücke,
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Ward wider ihn von Grimm entbrannt,
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Und hieß, mit einem Fluch im Blicke,
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Ihn ewig aus den Augen gehn;
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Und gab den Göttern dieser Erde,
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Die lange Zeit nach ihm entstehn,
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Zur Lehre, daß ein Fürst leicht zum Tyrannen werde,
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Wenn ihn ein Busenfreund regiert,
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Der sieben Teufel in dem Herzen
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Und einen Schmeichler in den Honigmunde führt.
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Ich sprachs umsonst, und sah mit Schmerzen
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Der schöngebrochnen Rose Fall,
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Und seufzte laut, und überall
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Ward nachgeseufzt, denn alle Seelen fanden
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Den Marinell verwünschungswerth.
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Da gieng ich fort, und dachte Ferdinanden
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Der gern mein Lied im sanften Tone hört,
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Nur keine Schmeichler, keine Marinelle,
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Die ganz ohnfehlbar als ein Kind
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Unmittelbar ein Geistchen aus der Hölle
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Erhielten, und durch ihn verteufelt sind.
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Nein, dacht ich, nein, die Gwelfen alle schützen
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Ihr großes Herze vor dem Gift
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Der Schmeicheley, und insgesammt besitzen
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Sie der Minerva Schild auf den kein Wurfpfeil trift –
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Auf den sie sich mit ihrer Tugend stützen.