Schön ist im fürstlichen Garten die Frucht

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Anna Louisa Karsch: Schön ist im fürstlichen Garten die Frucht Titel entspricht 1. Vers(1771)

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Schön ist im fürstlichen Garten die Frucht
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Des Pfirsichbaumes, den die goldne Morgensonne
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Mit honigflößendem Blicke besucht –
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Doch dreymal schöner ist des Fürsten Augenwonne,
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Die, für ihn geschaffen, der kommende Herbst
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Gleich einer späten Rose brachte.
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O Nachwelt, die du einst ihr Bild in Marmar erbst,
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Dieß Grazienangesicht machte
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Sie nicht allein anbetenswerth;
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Nein Göttergüte, die zuweilen
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Von dem Olympus in Sterbliche fährt,
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Eh sie ans Tagelicht eilen,
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Und alle Tugenden, mit welchen die Götter vordem
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Des Telemachs Mutter geschmücket,
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Die machten sie so himmlisch angenehm,
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Und alle Seelen entzücket.
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Wohin ihr liebliches Auge sich wandt',
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Voll süßer geistiger Strahlen,
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Ward jeder Busen entbrannt:
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Kein Rubens wüßte dieß Auge zu mahlen,
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So reizend, so voll sanfter Majestät. –
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Ihr längst nach uns gebohrnen Töchter seht
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Das eigentlichste Bildniß der holden
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In Enkelinnen noch durch jedes Seculum,
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Und hörts, sie machte Leopolden
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Sein Dessau zum Elysium.
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Er ward von ihr geliebt, als ein arkadischer Hirte,
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Er flocht ihr Blumen in ihr lockigt Haar,
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Und sie wand einen Kranz von Myrte,
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Die jugendgrün und knospigt war,
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Um sein friedselig Haupt, und sagte:
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Wohl mir, daß du, mein lieber Fürst,
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Nie nach dem Kranze ringen wirst,
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Um welchen Hektor einst sein muntres Leben wagte,
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So bitter sich auch über ihn
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Andromache, sein armes Weib beklagte. –
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Nein, du wirst nie mit der Bellona ziehn,
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Mars wird dich nie von meinem Arme trennen.
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Dein Unterthan wird stets im Freudenton
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Dich segnen, und dich Vater nennen;
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Und Friedrich, unser Sohn
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Wächst unter deinen Augen auf, und lernet
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Die große Kunst, durch welche der Regent
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Von seinem Volk den Ueberdruß entfernet,
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Indem es gegen ihn von Kinderliebe brennt,
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Und sich von ihm geliebt erkennt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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