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Denn Madchen, die so roth und weiß
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Wie Lilien und Rosen blühen,
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Sind ohne Furcht und Sitten, nichts.
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Schön waren diese Töchter beyde:
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Die Feinheit ihres Angesichts
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Gab ihrer Mutter Trost im schweren Wittwenkleide;
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Doch ihres Busens Liebling war
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Die lieblichlächelnde Dorine;
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Ihr zarter Wuchs, ihr dunkles Haar
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Und ihre geistbelebte Miene
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Und feuerreiches Augenpaar,
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Zwang jeden Menschen, der sie sahe,
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Zur staunenden Bewunderung;
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Und da dies schon anitzt geschahe,
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Da noch ihr Auge viel zu jung
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Zum Herzbestricken war; was wäre nicht geschehen,
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Wenn sie mit reifgewordner Macht
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Den Jüngling siegend angesehen,
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Und ihrer äußern Reize Pracht
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Mit innren Reizungen vermehret?
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Die Mutter sahe schon voraus
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Von einem Eydam sich verehret,
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Der ihre Tochter in ein goldgeschmücktes Haus,
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Palästen ähnlich, führen würde.
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Die zwote Tochter, Aphrosis,
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War etwas minder schön, doch fromm war sie gewiß.
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Sie machte stets die große Bürde
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Der schmerzlichsten Bekümmerniß
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In ihrer Mutter Herzen leichter;
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Wenn ihre beyde Wangen feuchter
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Von Thränen waren, als vom Fall
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Des Abendthau's die Sonnenblume,
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Dann sang die Tochter süß, gleich einer Nachtigall,
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Ein heilig Lied zum Götterlob und Ruhme,
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Und küßete der Mutter Thränen vom Gesicht,
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Das gute Kind! Sie wußt es nicht,
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Ihr Vater gieng vor sieben Jahren
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An einen schilfbewachsnen Fluß,
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Und tödtete mit einem Bogenschuß
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Zween Wasservögel, die dem Flußgott heilig waren;
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Und stieg itzt in ein kleines Boot,
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Um seine Beute sich zu hohlen,
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Und fand im Wasser seinen Todt,
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Nachdem er Weib und Kind den Göttern anbefohlen,
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Als ihm die schnelle Fluth empfieng;
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Die Fischer kamen ihm, ach! allzuspät zu Hülfe,
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Starr brachten sie ihn aus den Schilfe,
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Der armen Gattinn, und seit diesem Tage gieng
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Dies bange Weib mit jeder Abendsonne
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Zum Ufer, wo sein Grabmal war.
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Hier, sprach sie: hier liegt meine Wonne,
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Und gab ihr aufgelöstes Haar
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Den Lüften Preis, und füllete die Lüfte
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Mit ihrem klagenden Geschrey.
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Sie brachte frische Blumendüfte
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Zum Todtenopfer, wenn der May
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Die Fluren und den Garten krönte,
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Goß Milch und Wein aufs Grab und söhnte
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Den Flußgott jährlich aus mit eines Böckchens Blut.
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Einst blieb sie ungewöhnlich lange;
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Der Sturmwind heulete; da war den Kindern bange;
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Sie sahen mit verzagtem Muth
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Durchs Fenster, legten sich heraus mit halben Leibe
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Und stürzeten zugleich herab:
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O! Wehe dem betrübten Weibe!
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Sie kam, und dieser Anblick gab
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Ihr Stiche, die das Herze treffen müssen;
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Denn, ach! Dorine lag zerschmettert und entstellt,
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Gleich einem Apfel, der vom Wipfel abgerissen,
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Von Ast zu Ast, stark auf den Boden fällt;
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Sie warf sich über ihre Leiche, mit Verlangen
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Zu sterben, und sie frug nach Aphronisen nicht.
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Ein Wunderwerk war mit dem Kinde vorgegangen;
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Im Fallen hatte sie der Sturmwind aufgefangen,
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Und unbeschädiget, mit heiterm Angesicht,
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Drey Häuser weit davon, so sanft herabgelassen,
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So leicht, als wärs ein Myrtenblatt.
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Sie kam, die Mutter zu umfassen,
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Die leichenblaß und sterbensmatt
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Auf hartem Pflaster lag und in Dorinens Blute.
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Und seht, den Augenblick erschien im Flügelhute
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Der Götterbothe, der Merkur,
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Und sagte zur Verzweiflungsvollen:
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Sey ruhig, klage nicht. Die Götter wollen
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Der Menschen Bestes nur.
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Er sprach es und verschwand, und Aphrosine sahe
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Im späten Alter sich gelabt,
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Von Aphronis, an der das Wunderwerk geschahe.
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Die Götter hatten sie mit Tugenden begabt,
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Und überdies mit glänzendem Verstande:
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Dadurch ward sie berühmt in ihrem Vaterlande;
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Und jedermann rief ihrer Mutter zu:
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Heil dir, du frohe Mutter, du.