Sie ist verlohren! Ach! ein böser Geist entführte

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Anna Louisa Karsch: Sie ist verlohren! Ach! ein böser Geist entführte Titel entspricht 1. Vers(1761)

1
Sie ist verlohren! Ach! ein böser Geist entführte
2
Die goldne Feder mir – du göttlicher Apoll!
3
Wo klagender Gesang dich je zum Mitleid rührte,
4
So sage mir, wo ich sie wieder finden soll.
5
Nicht in den Flügeln weisser Schwäne,
6
In schwarzen Raben nicht. Kein Vogel in dem Reich
7
Des Flügelvolks hat Federn, die ihr gleich
8
An Pracht und Dauer sind. O! höre meine Thräne,
9
Die in der Seele niederfällt!
10
Laß einen Traum Orakelsprüche sagen,
11
Laß dich noch einmahl in der Welt
12
Von mir als wie zu Delphos fragen!

13
Freund! also klagte, redend mit Apollen,
14
Die Muse heimlich meinen Gram.
15
Im trüben Auge, aus der vollen
16
Argwöhnisch denkenden umwölkten Seele, kam
17
Kein heitrer Blick auf eine Reihe,
18
Die um mich saß. O! wann selbst Thyrsis, meine Wahl,
19
Mein Wunsch, und mein Gesang, wann er selbst dazumahl
20
Gekommen wär mit dir, wenn du und er mir neue
21
Versicherung der Freundschaft vorgesagt;
22
So hätte doch mein Auge noch geklagt.

23
Ich saß im Gram versenkt; und wann ich nun erwachte,
24
So rief ich in dem Thon der Wuth:
25
Amint, hat das entwandte Gut,
26
Versteckt hats seine Hand, daß er mich klagend machte!
27
O du! der grossen Venus Kind,
28
Du Amor! strafe den Amint;
29
Nimm deinen Köcher, flieg' und spiele
30
Vor seinem Angesicht mit Pfeilen, und wenn er
31
Wie Mars nach einem greift und scherzet: Ach wie schwer!
32
So sprich: Behalt ihn nur und fühle!

33
Dies sagt ich zu Cytherens Sohn;
34
Und seine Mutter, meine Freundin, blickte
35
Befehl auf ihren Knaben schon;
36
Ich sahe, daß sie ihn verschickte.

37
Doch bald kam er zurück, sah traurig, sprach zu ihr:
38
Man muß sich vor dem Jüngling scheuen;
39
Er giebt nicht acht aufs Spiel, merckt nicht auf Tändeleyen,
40
Auch nimmt er keinen Pfeil von mir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.