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O Tod, wie bitter bist du dem,
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Der reich war, der sich hier ein ewigs Leben dachte,
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Und alle Stunden angenehm
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Durch neuerfundne Freuden machte!
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Du kommst: sein Flittergold und seine Federbüsche,
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Die ihm das Glück, die ihm der Ruhm verschwendrisch gab,
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Das alles reissest du mit starkem Arm ihm ab.
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Und läg am Sterbebett auf einem Marmortische
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Der Zepter über eine Welt,
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Und wäre bey die Arzeneyen,
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Das Diadem von theurem Stein gestellt:
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Doch würde nichts den Menschen mehr erfreuen,
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Der itzt in deine Hände fällt.
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Doch, Menschenfeind, der alles so vergällt,
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Dich zu beschämen, will ich die Geschichte sagen,
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Die nicht vor hundert Jahren sich,
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Nein, erst vor kurzer Zeit, wahrhaftig zugetragen.
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Rosaria war schön, reich, vornehm, jugendlich
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Und erst vermählt seit hundert Tagen
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An einen Mann, der sie geliebt,
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Mehr, als sein Herz, das ihrem Staube,
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Nun traurige Besuche giebt!
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Krank ward sie und ihr Reiz ward plötzlich der Gewalt
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Des Fiebers und der Nichtigkeit zum Raube.
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Sie lag. Nicht eine Spur der blühenden Gestalt
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Blieb übrig auf den blassen Wangen:
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So hängt an Bäumen, die im jungen Frühling prangen,
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Ein von dem Frost getödtet Blat,
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Das ausser seiner Form nichts mehr behalten hat!
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Rosaria mit mattem Blicke
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Sah in das ofne Grab, sah in die Welt zurücke:
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O alle Freuden waren ihr entflohn!
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Nichts mehr für sie! Ihr Auge wandte
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Sich heilig zur Religion,
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Die himmlisch lächelnd sich zu ihrer Seele wandte
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Mit Gütern, die vorher ihr Herz nie recht erkannte;
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Und kämpfen mußte sie noch schwer.
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Sie suchte lange Trost und lange blieb sie leer,
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Fiel in Entzückung, lag tief schlummernd viele Stunden,
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Schlug sanft die Augen auf, ward Tag im Angesicht
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Und rief mit Freudigkeit: ich habe nun gefunden!
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Was fand sie denn, o Tod? – Die Ruhe, welche nicht
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Der ganzen Welt Versprechung kann gewähren
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Dem Sterbenden, der alles eitel nennt,
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Nicht mehr der Erde Götzen kennt
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Und Ruhe sucht und Ruhe liegt begehren.
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Dann frägt der stärkste Geist, der kühnste Atheist:
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Ob Reichthum, Lust und Ehre folgen werden?
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Und alle sagen: nein, und alles bleibt auf Erden,
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Und allen spottet fromm der Christ.
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Dir aber, der du ihm nicht rauh, nicht schrecklich bist,
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Reicht er die Hand, wie auf dem Meere
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Ein Schwimmender sie reicht dem, der sein Retter wäre.