Der du des Glückes Eigensinn ertragen

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Anna Louisa Karsch: Der du des Glückes Eigensinn ertragen Titel entspricht 1. Vers(1762)

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Der du des Glückes Eigensinn ertragen,
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Und itzt in seiner Freundes-Schooß
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Auf samtnem Sessel wirst getragen,
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O Labes, Patriot! verwandle deine Klagen
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In Saitenspiel, und laß nicht mehr Gedanken fragen:
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Warum dein Peter fiel? der strahlenreich und groß
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Der hohen Sonne glich, die Gottes Erde wärmen,
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Und seine Majestät den Menschen zeigen muß!
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Ihn wecken Seufzer nicht, auch nicht ein Thränenguß
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Geströmt auf heilige Gebeine;
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Sein Engel, sonst umcränzt mit Morgensternes Licht,
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Verhüllet itzt sein Angesicht
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Und wirft sich nieder, daß er weine,
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Und würde, wär es ihm erlaubt,
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Den Schöpfer aller Wesen fragen:
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»warum der hohen Ceder Haupt
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Von schnellem Blitze ward zerschlagen?
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Warum der Todes Engel schlug
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Den Herrscher über Nationen,
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Der in erhabner Brust so viel Entwürfe trug,
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Die Tugend, das Verdienst, die Künste zu belohnen?
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Und den, den schon sein Fleiß erhub.
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Noch glänzender empor zu heben?«
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Er ist nicht mehr! der Staub begrub
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Den, der ein Königreich, ein Land zurückzugeben,
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Mehr Seeligkeit, mehr Lust genannt,
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Als wenn er von dem Kayser-Sitze
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Des diamantnen Zepters Spitze
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Zu fremder Bothen Stirn gewandt!
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Er ist nicht mehr. Ihn segnet Preussen
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Noch in der Ewigkeit; ihm thönet Lobgedicht,
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Wenn Friedrichs Seufzer von ihm spricht;
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Und Engel horchen zu, und heissen
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Ihn göttlich, wie sein Freund ihn nennt!
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Er ward der Erde nicht gegönnt;
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Wir sind zu klein, zu dunkelsichtig
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Den Rathschluß einzusehn, der alle Dinge richtig,
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Schon eh er sie gemacht, bestimmt,
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Und Cronen geben kann, so wie er Cronen nimmt.

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Gott ist nicht über uns ergrimmt!
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Ruf deinen Geist mit schnellem Fluge
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Zurück von Peters Todtenkruge,
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Und blick' als Vaterlandes-Freund,
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Auf jenen grossen Siegesbogen,
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Durch welchen Friederich in seine Stadt gezogen!

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Von hohen Hügeln sah' der Feind
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Mit starrem Auge zu, die Schaam auf blasser Wange,
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Und seine Krieger, die sich lange
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Herab gewehrt vom hohen Wall,
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Stehn waffenlos, und taub von starkem Jubelschall
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Der Bürger und des Siegesheeres;
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Und Friedrichs grosse Feindin stößt
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Aus ihrer Brust herauf ein schweres
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Und bittres Ach; So hat, da Griechenland erlöst
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Durch seine Helden ward, der Perser fortgestossen
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Bleyschwere Seufzer aus der Brust;
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So klopfte seiner unbewußt,
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Das Herz erschrocken in dem grossen
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Pompejus, als sein Heer entwich,
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Und er von dicker Staubes Wolke
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Davon belehrt zurück in ödes Lager schlich.

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Furcht fühlt die Herrscherin von mehr als einem Volke.
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Der Adler hat sein Felsen-Nest
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Mit starken Flügeln überbreitet;
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Und Heinrich, der für uns am Erzgebürge streitet,
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Bleibt muthig, wachet, und verläßt
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Der Berge Spitzen nicht, bis vor dem Leoparden
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Entfliehet jedes wilde Thier.
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Dann singen seinen Sieg des Vaterlandes Barden,
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Und goldne Tage leben wir!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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