Ja, sie sind schön, die bunten Blumenstücke!

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Anna Louisa Karsch: Ja, sie sind schön, die bunten Blumenstücke! Titel entspricht 1. Vers(1762)

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Ja, sie sind schön, die bunten Blumenstücke!
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Betrügerisch für unsre Blicke,
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Wird meine Hand verführt, daß sie nach einer langt,
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Die wie die schönste Blum in deinem Garten prangt!
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Doch schöner sind für mich die Stücke der Geschichte:
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Da stirbt auf Alexanders Angesichte
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Der Ehrgeiz, den der Held in seiner Brust verbarg;
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Da sieht sein Auge starr, gleich halb verloschnen Kohlen,
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Die um ihn stehen, an; Er, der der Welt befohlen,
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Stirbt, und erobert einen Sarg.

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Sein Arzt kniet neben ihm, und fühlt mit seiner Rechten
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Das Herz des Kriegers, dem der Tod schon Stösse giebt,
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Die Linke fühlt den Puls, und Alexanders Knechten
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Verkündiget der Blick des Arztes zu betrübt
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Des Weltbezwingers letzte Stunde;
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Laut klagt ihr Herz in ihrem Munde,
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Und Gram auf ihre Stirn gewolket, breitet sich;
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Das ganze Haus, bis auf die Hunde,
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Steht angstvoll, heulet jämmerlich!

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Zu des Erobrers Haupt, auf einem Tische, liegen
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Sein Helm, sein Panzer, und sein Schild,
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Bemahlt mit Furien; sein Schwerdt, gewohnt zu siegen,
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Nutzt ihm nicht mehr, er muß dem Tod itzt unterliegen;
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Wie bin ich, seufzet er, der Nichtigkeit ihr Bild?
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Ein Gott, und einer von des Todes Unterthanen?
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Und stirbt, beströmt mit Thränen von Roxanen.
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O du, mein Vater,
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Mehr, als ein Stück mit Pracht des Frühlings ausgeziert?

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Und, o! sieh jenes noch! da lieget auf dem Schoosse
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Der Schönen, die er liebt; ein Held!
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Sein lockigt Haar, das weich auf seine Schultern fällt,
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Ist schön; doch grössern Reiz enthält
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Sein blaues Auge, das die grosse
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Und feuervolle Seele zeigt,
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Die zärtlich und betrübt itzt in das Auge steigt!

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Aus Seufzern soll er Worte sammeln,
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Um seinen Abschied herzustammeln;
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Wehmüthig reichet er sein Bildniß schön gemahlt,
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Der Angebetheten, die, wie Aurora strahlt;
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Allein, an statt das Bild zu nehmen,
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Greift sie nach Rosen, die ein Liebes-Gott ihr reicht;
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Die Stolze! Vater ja, sie sollte sich nur schämen!
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Ein Held liegt da vor ihr, von Zärtlichkeit erweicht,
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Und sie allein ist Stein, und kann ihm wiederstreben,
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Und sie allein wird nicht erweicht?

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Ach Vater zürne doch! sie spottet! ja! vielleicht
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Will sie dem armen Held, dem sie das Herz erweicht,
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Die Rose zur Erquickung geben!

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Zu ihrer Rechten stürzt ein Wasserfall, und schilt
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Laut murmelnd, daß sie so die Zärtlichkeit vergilt,
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Ihm gegenüber stehn zwey Krieger, und es scheinet,
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Als ob ihr Herz mitleidig weinet;
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Voll ritterlicher Treu begleiteten sie ihn
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Auf seiner Heldenbahn, nun soll er weiter ziehn;
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Welch einen Schmerz fühlt er! ach! Sie soll er verlassen?
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Die Grausame! sie bleibet kalt?
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O welch ein böses Weib! ich muß, ich muß sie hassen,
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Und wäre sie, wie Venus, von Gestalt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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