Freund, vom nächtlichen Mahl deines und meines geliebten

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Anna Louisa Karsch: Freund, vom nächtlichen Mahl deines und meines geliebten Titel entspricht 1. Vers(1761)

1
Freund, vom nächtlichen Mahl deines und meines geliebten
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Sulzers gekommen, verbiet ich der Ruh,
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Daß sie mich eher nicht reizt, bis ich Gedanken geschrieben;
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Tausende flattern dir zu!

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Wie von Herzen der Braut einzelne Sorgen entfliehen
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Zu dem Geliebten ins ferne Gezelt,
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Ob sie der Krieger noch denkt? also sorg ich, ob immer
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Mein Gesang dir gefällt.

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Achtzehnmahl flohe die Nacht vor dem kommenden Tage;
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Aber noch schattigt, mit Dunkel noch voll;
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Wie die Wolke, so schwer ist die Seele der Sapho
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Wenn sie schwingen sich soll.

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Du von Phöbus Altar nahmst mit Händen der Freundschaft
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Flammende Brände. Den heiligen Raub
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Billigt selber der Gott; doch, dem Feuer gefolget,
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Ist er ferner mir taub.

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Ist im Tempel bey dir, der, am rieselnden Bache,
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Unter den Bäumen von Musen bewohnt,
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Die Orcane nicht fühlt; selbst die Kinder der Franzen
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Haben alles geschont;

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Sonst ein gieriges Volk, das in Gottes Gebäuden
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Priester geschimpfet, Altäre bestürmt
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Aber heilige Furcht grif die Herzen der Krieger;
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Dichter werden beschirmt.

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Freund, sie stöhren dich nicht, bleib und spiele die Laute!
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Scipio machte mit siegender Hand
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Ihren Hannibal angst, der die Wunde des linken
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Armes tödlich empfand.

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Jetzt verbindet er sie, horcht nur bangem Erwarten
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Donnernde Worte die Ludewig schilt,
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Doch nun kennet der Hof endlich, daß er mit Grimme
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Alle Götter erfüllt,

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Flucht dem blutigen Zank, giebt den murrenden Völkern
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Ihres Verlangens entfernetes Ziel!
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Dennoch stehen um Friedrich, wie gebürgige Wetter,
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Seiner Feinde noch viel.

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Ihn erblickt' ich im Traum, wie die Stirne des Phöbus
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Wenn er vom Wagen des Tages herab
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Sieht in blumichtes Thal, also sah' ich die Stirne,
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Welche Strahlen sie gab!

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Vor ihr flohen dahin die Phantomen der Zagheit
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Aus den Kriegern die unter ihm stehn!
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Das unbärtige Volk, wie die jüngsten Spartaner,
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Tapfermüthig und schön

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Ists, und fürchtet den Tod nicht in hohlem Getöse
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Feindlicher Schilde, sie rufen die Schlacht
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Und ein festlicher Eyd für den grössesten König
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Hat sie eisern gemacht!

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Stimm die Saiten o Freund! hohe Sieges-Gesänge
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Heischet das Jauchzen; mir thönet ins Ohr
51
Freude niemals gehört, muthig will ich sie singen
52
Doch, du! singe mir vor!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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