Hier auf diesem Aschen-Kruge

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Anna Louisa Karsch: Hier auf diesem Aschen-Kruge Titel entspricht 1. Vers(1762)

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Hier auf diesem Aschen-Kruge,
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Weint die Freundschaft ihren Schmerz
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Und mit diamantnem Pfluge,
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Zieht der Kummer Furchen in mein Herz.
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Finsterniß und Stille,
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Unter eurer Hülle,
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Lad' ich Erd und Himmel zum Gehör
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Klagen will ich – ach mein Liebling,
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Ist nicht mehr.

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Hingeblutet ward sein Leben
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Mein Gedanke rief dem Tode zu:
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Laß dir kleinre Opfer geben!
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Würger, noch nicht satt gemacht bist du,
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Von den Myriaden,
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Die im Blute baden?
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O Verheerer, wenns dein Hunger heißt,
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Nimm mich selber, nur verschone,
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Meinen Kleist!

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Erde die sein Blut getrunken,
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Wie beneid ich diesen Tropfen dir!
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Und du Thal wo er gesunken
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Schauervoll und heilig bist du mir!
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Ach an dieser Stäte,
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Werd auf mein Gebete,
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Eine Quelle, der des Wandrers Dank
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Seegen lächelt, wenn er schmachtend,
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Aus dir trank.

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Also traurig, wie den Bräuten
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Die der Schlachten Schicksal hart betraf,
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Ist mir alles; mich erfreuten
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Sonst die Lorbeern um des Helden Schlaf;
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Aber jetzo stehen,
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Selber die Trophäen,
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Im Gemählde, mir zum Schrecken da,
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Und der Ruhm auf den mein Liebster
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Sterbend sah!

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Wilder Krieg dich muß ich hassen,
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Mehr als Mütter, die du ganz beraubt;
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Jede Lust hat mich verlassen
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Und die Trauer wölkt sich um mein Haupt,
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Wenn ich Freuden lüge,
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Und die Welt betrüge
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In dem Munde, der zu lachen scheint,
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Ach da fühlt mein blutend Herze,
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Daß es weint.

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Zwar des Frühlings Foderungen
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Mich zu freuen, die verwerf' ich nicht,
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Weil von dem, der ihn gesungen,
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Jedes Blat und jede Blume spricht;
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Doch in dieser Freude,
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Nur geborgtem Kleide
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Gehet der ernährte Gram versteckt,
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Den der Lenz zu neuen Klagen
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Lockend weckt.

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Ach in jenen goldnen Jahren,
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Blieben Glück und Freude mir getreu,
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Die in deinem Umgang waren,
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Und kein Tag ging ohne dich vorbey!
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Du! der meinem Leben,
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Grössern Werth gegeben;
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Niemahls liebten zweene Brüder sich,
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So, als wir vereinte Wesen,
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Du und ich!

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O du hast gelebt mein Süsser!
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Und ich blieb um dich zu weinen hier;
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Keinen Trost hoff ich gewisser
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Als Befehle, die der Himmel mir
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In des Todes Händen
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Eilet zuzusenden.
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Meine Ungeduld erwartet sie,
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Dann sind unsre Seelen wieder
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Harmonie!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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