Dort, wo die Nacht, auf hundertjährgen Eichen

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Anna Louisa Karsch: Dort, wo die Nacht, auf hundertjährgen Eichen Titel entspricht 1. Vers(1762)

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Dort, wo die Nacht, auf hundertjährgen Eichen,
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In einem heilgen Dunkel thront,
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Klagt melancholisch über ihre Leichen
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Die Taube, die den Wald bewohnt.
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Nach Futter war sie ausgeflogen,
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Indeß der Sturm herauf die Wolke trug,
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Und mit Eißkugeln, die ein halbes Pfund gewogen
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Den Baum beschoß, und ihre Jungen schlug!

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Dort giengen wir, und Gram, wie ihn die Taube
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Dem dunkeln Hayn auf dürren Aesten girrt
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Gram einer Braut, die in noch grüner Laube,
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Mit ihrem Herzen bey den Todten irrt,
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Gieng Freund! in dir! – – Durch jene Krümmen
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Der dickbelaubten Bäume hörtest du
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In ihren Blättern tausend sanft gerauschte Stimmen,
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Und jede Stimme rief dir traurig zu!

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Hier ging er einst an deinem Arm, und fester
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Noch an dein Herz geschlungen! ach! hier gieng
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Dein Freund, der zärter noch, als eine Schwester
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Mit seinem Geist an deinem Geiste hieng!
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Hier fühltest du mit ihm zugleich das Schöne
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Der Schöpfung; o, hier standet ihr,
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Wie zwo vom besten Vater gleich gebohrne Söhne
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Und spracht von Gott. Hier, sagst du, war es; hier!

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Ach! jede Wunde weinend auszuwaschen;
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Bey ihm zu knien, bey der Todes Angst
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Durch Seufzer seinen Geist noch aufzuhaschen
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Dies ist der Trost, nach welchem du verlangst.
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O welch ein Schmerz! o welche Freundes-Thränen!
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Ganz finstrer Kummer war dein Angesicht.
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So stumm sitzt, sich an seiner Urne lehnen
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Die Freundschaft deren Auge Klagen

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Freund, keine Seufzer bringen dir ihn wieder!
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Und spieltest du des harten Schicksals Ohr
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Des Orpheus allerflehentlichste Lieder
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Auf einer Steinbezwingbaren Leyer vor!
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Doch, riefst du zu den heiligen Gebeinen
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Ihn nicht zurück den hingeflognen Geist!
39
Die Zeit, o Freund, muß dich zu trösten weinen;
40
Die Ewigkeit mißgönnt' ihr deinen Kleist!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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