Seyd mir beklagt, ihr, in das Garn verlockte!

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Anna Louisa Karsch: Seyd mir beklagt, ihr, in das Garn verlockte! Titel entspricht 1. Vers(1761)

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Seyd mir beklagt, ihr, in das Garn verlockte!
2
Euch hat aus hoher Luft gehört
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Der fromme Fühlende; euch hörte der Verstockte
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Der keinen Gott erkennt und ehrt.

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Ihr sangt dem Landmann kleine Frülings Bothen!
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Ihr sangt der Bäurin Hoffnung zu;
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Er grif den Pflug, und sie, versprach bald von der todten
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Eiskalten Erde Graß der Kuh!

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Wenn in der Stadt zu satt gewordne Schläfer,
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Sechs Stunden nach der Sonnen Blick,
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Noch schliefen; dann vernahm euch lange schon der Schäfer
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Und sang wie ihr von Freud und Glück.

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Im hohen Grase weideten die Rinder
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Der Hirte blieb am Eichbaum stehn,
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Euch horchend, und das Thal sah eine Welt voll Kinder
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Nach eurem Liede tanzend gehn.

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Mirtill den jungen Schäfer nahm Galtere,
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Die schönste, bey der Hand und sprach:
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Die Lerchen singen süß, Geliebter komm und höre
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Ihr Lied, und singe lieblich nach!

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Er, dem des ersten Menschen zweyten Sohnes
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Des Abels fromme Muse ward,
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Nahm seine Leyer, sang! die Höhe seines Thones
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Glich eurer Lobgesänge Art.

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Dann rollten von Galterens schönen Wange
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Sechs Thränen, blinkend, wie der Thau
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Am Frühlings Morgen fiel! indem ihr mit Gesange
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Gegrüßt die Blumen auf der Au!

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Euch hörten lachend, Hand an Hand geschlossen
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Die Schnitter eilend in das Feld!
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Und, im Getümmel, ganz mit Krieger Schweiß beflossen
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Vernahm euch Sänger noch der Held!

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Oft senktet ihr die grauen Flügel nieder,
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Kamt in die Furchen; also trieb
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Mich Nahrungs-Kummer oft, daß ich, zu kleine Lieder
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Matt sang und an Unedle schrieb.

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Ihr sangt nicht mehr, so bald der fette Weitzen
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Geerndtet war; ihr Sänger schwiegt
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Und müßig liesset ihr euch zu dem Netze reizen
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Darin ihr nun gefangen liegt.

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Seyd mir ein Beyspiel! vor dem Müßiggange
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Soll sich in mir die Seele scheun,
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Kein Tag soll untergehn, daß ich nicht mit Gesange
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Mich meines Schöpfers will erfreun!

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Mir giebt er von des Landes Mark zu essen;
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Mir wird das Leben honigsüß:
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Sollt aber ich zu satt, den treuen Gott vergessen,
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Der nie vergaß und nie verließ?

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Ihm will ich singen hohe Lobgesänge!
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Selbst meine Thränen sind sein Lied;
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O! mein Entzücken weint oft heimlich eine Menge
52
Wenn ihn mein Herz in Freunden sieht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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