O Gott! der du allmächtig bist! – –

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Anna Louisa Karsch: O Gott! der du allmächtig bist! – – Titel entspricht 1. Vers(1761)

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O Gott! der du allmächtig bist! – –
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An deiner unerschöpften Güte,
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Die meines Daseyns Ursach ist,
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Ergötzen sich mein Herz und mein Gemüte;
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Ich denke sie,
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Denn Herr! noch nie,
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Wenn ich in Noth gesessen,
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Ward ich von ihr vergessen.

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Sie reicht so weit die Himmel gehn,
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Ist breiter als zehntausend Erden.
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Sie hieß Erzengel vor sich stehn
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Sie sprach; und Thier und Menschen musten werden!
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Das Sternen Heer,
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Das tiefe Meer,
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Sind Werke seiner Hände;
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Sie aber ist ohn Ende.

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Mein Gott! von dieser Güte sagt
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Mir deiner Creaturen Menge;
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Der Vogel nennt sie, wenn es tagt,
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Sie sorgt für ihn, er singt ihr Lobgesänge.
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Der Donner schillt,
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Der Löwe brüllt,
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Als deiner Stärke Zeugen;
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Und beyde müssen schweigen!

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Der Löwe muß, wenn du es willst,
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Mit blöden Lämmern freundlich spielen,
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Und wenn du dich in Wolken hüllst
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So muß dein Blitz die heisse Luft nur kühlen!
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Des Donners Wuth,
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Des Meeres Fluth,
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Den Sturmwind und die Stille
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Schickt deiner Allmacht Wille!

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Du schickst den Hunger in ein Land,
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Und strafst die sündigen Geschöpfe
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Mit Ueberschwemmung und mit Brand:
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Dein Krieg zermalmt die Menschen wie die Töpfe.
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Sie schreyn zu dir:
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Herr! siehe, wir
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Sind elend, und zerschlagen;
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Dann wendest du die Plagen:

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Und deine Güte blickt herab
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Auf öde Felder voller Leichen;
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Sie schließt das unerfüllte Grab
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Und giebt die Ruh verheerten Königreichen.
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Das trunkne Schwert
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Noch blutig, fährt
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Zurück in seine Scheide,
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Und Klagen werden Freude!

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Du, unser Gott! noch wie zuvor,
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Zur Zeit der Kinder Jacobs, gütig:
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Zu dir schreyt unser Herz empor!
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Noch brüllt der Krieg, und mehr als Löwenmüthig
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Von Waffen schwer,
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Ziehn sie daher
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Die Feinde, die uns dräuen;
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Und du kannst sie zerstreuen!

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In deine Vorsicht eingehüllt
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Herr! werden wir dennoch erhalten.
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Wenn über uns der Donner brüllt,
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Wann unter uns die Erde will zerspalten;
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Wann diese Welt,
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Dein Bau, zerfällt,
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Bleibst du im lezten Wetter
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Mein Fels und mein Erretter!

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Laß deine Allmacht nur ein Wort
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Herunter reden; sprich: es hebe
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Der Krieg sich hin an seinen Ort;
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So thut ers, wie im Ocean die Ebbe.
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Auf dein Gebot
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Fliehn Zank und Tod:
71
Der ewige Rebelle
72
Empfängt sie in der Hölle.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Anna Louisa Karsch
(17221791)

* 01.12.1722 in Skąpe, † 12.10.1791 in Berlin

weiblich, geb. Karsch

deutsche Dichterin

(Aus: Wikidata.org)

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