Freund! In jenen bangen Tagen

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Johann Georg Jacobi: Freund! In jenen bangen Tagen Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Freund! In jenen bangen Tagen,
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Als so tief die Menschheit fiel,
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Ehrt ich deine frommen Klagen,
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Rührte nicht mein Saitenspiel;
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Aber, hohen Muthes voll,
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Schlag' ich lauter nun die Leyer,
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Weil kein Höllen-Ungeheuer
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Unser Glück uns rauben soll.

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Bleibt doch Gottes Sonne stehen,
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Wo sie unsre Väter sahn,
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Wird der Mond doch glänzend gehen,
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Wie vor Alters, seine Bahn;
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Auch der Sternlein goldnes Chor,
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Wenn die Büsche friedlich thauen,
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Redet mit uns im Vertrauen,
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Hebt den Geist zu sich empor.

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Laß der Zwietracht Fackel wüthen
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Bis zur letzten Gräuelthat!
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Wandelt nicht im Kranz von Blüthen
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Gottes Segen um die Saat?
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Kann des Aufruhrs Feldgeschrey
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Wider uns den West empören
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Das Geräusch der Bäche stöhren
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Und den Waldgesang im May?

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Was da lispelt, singt und rauschet,
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Kündigt dem geweihten Mann,
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Der auf jedes Blättchen lauschet,
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Freude nur und Eintracht an;
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Freude säuselt durch das Feld,
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Wenn vorbey die Stürme zogen,
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Und der Friede seinen Bogen
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In die Wetterwolke stellt.

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Aus des Pöbels tollen Händen,
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Die am selbst gestürzten Herd
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Vaterland und Freyheit schänden,
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Winde Fürsten-Macht das Schwert;
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Und der stolze Königssohn
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Spreche da, wo seine Blitze
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Trafen, vom Tyrannen- Sitze
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Feig gewordnen Völkern Hohn!

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Keiner Lerche Lied verstummer
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Vor dem Wink der Majestät;
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Honig sucht die Bien' und summet
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Fort auf ihrem Blumenbeet;
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Holder Freyheit Lobgesang
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Schallt von allen Hügeln nieder,
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Tönt in Männer-Herzen wieder
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Bey der Sklaven Ketten-Klang.

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Sollt' herauf aus ihren Nächten
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Auch die ganze Hölle ziehn,
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Und das Häuflein der Gerechten
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Mit geschmähter Tugend fliehn;
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Trübte sich des Tages Licht,
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Wo der Unschuld Hütten sanken,
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Wo Altar und Tempel wanken:
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Dennoch siegt das Laster nicht.

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Tugend, weggescheucht in Höhlen,
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Schafft noch himmlischen Genuß,
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Macht das Bündniß schöner Seelen
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Enger, treuer ihren Kuß;
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Und die bleiben sich verwandt;
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Oder dort in lichter Ferne
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Trennet Bosheit einst die Sterne,
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Lös't sie des Orion Band.

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Mag des Frevels wilde Rotte
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Jedes Heiligthum entweihn!
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Berge jauchzen unserm Gotte,
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Weihrauch duftet ihm der Hain;
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Gottes Morgenwinde wehn
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Ueber seines Tempels Trümmer;
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In der Abendsonne Schimmer
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Läßt er uns sein Antlitz sehn.

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Nur getrost! dem Reinen fließet
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Immer rein die Quell' im Thal,
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Und mit Bruderliebe grüßet
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Ihn der Edlen kleine Zahl.
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Manche beßre Seele reicht
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Uns, zum freundlichen Geleite,
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Still die Hand; an ihrer Seite
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Wird des Lebens Mühe leicht.

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Ruft uns, früher oder später,
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Ein befreundter Engel ab;
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Unsern Kindern dann der Väter
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Guten Glauben bis ins Grab;
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Milder Lüfte kühlen Hauch,
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Wenn sie Last und Hitze drücken,
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Und, den Pilgerstab zu schmücken,
88
Hier und dort ein Blümchen auch!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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