Da, wo des Busches Wiederhall

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Johann Georg Jacobi: Da, wo des Busches Wiederhall Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Da, wo des Busches Wiederhall
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Am reinsten war, da saß auf ihrer Eiche,
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Verborgen, eine Nachtigall;
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Und Knaben plätscherten nicht weit davon im Teiche.
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Sie saß, und sang in Fried' und Ruh;
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Die Vögel hörten ihr auf allen Aesten zu.

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Ach! aber weg vom Bade schlich
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Ein Knabe zu dem Baum, und scharrte
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Den Boden auf, und stellte sich
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Am nahen Schlehdorn auf die Warte.
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Die Nachtigall ist treu und gut,
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Man kann sie leichtlich überraschen;
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Sie glaubte jetzt, ein Würmchen zu erhaschen,
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Und flog herab mit unbesorgtem Muth,
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Als, wie ein Blitz, des Knaben Hut
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Die arme Sängerinn bedeckte,
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Und sie durch ihr Geschrey den Busch zu Klagen weckte.

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Das größte Mitleid trug
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Mit ihr ein Stieglitz, alt und klug,
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Von jener Art, die nimmer unterlassen,
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Ihr Tröstungs-Wort als Predigt abzufassen.

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Der sagte: Liebe Nachtigall!
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Von Herzen dauert mich dein unverhoffter Fall.
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Die Welt ist schlimm; es gibt der losen
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Gesellen jetzund überall.
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Daß aber auch ihr Virtuosen
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In eurem Thun und Dichten jederzeit
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So neu, so albern seyd,
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Als wüchsen euch die Flügel eben!
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Auf eines Kindes Wink sich also Preis zu geben,
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Für Meistersänger, welche Schmach!

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Die winselnde Gefangne sprach:
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O Freundinn! soll ich nicht dem Menschen mich vertrauen?
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Ich nehm' in Gärten, Feldern, Auen
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Ihm nichts, bin keinem je zur Last;
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Dem Müden sing ich gern bey seiner Abend-Rast,
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Und hoffte Schutz und Lohn von ihm, der solche Gruben
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Mir gräbt im unverdächt'gen Hain.

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Du konntest, fiel der Stieglitz ein,
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Von Männern des gewärtig seyn;
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Doch, liebe Nachtigall, von Buben,
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Von Lotterbuben, nein!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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