Wer Zauberlieder singen will'

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Johann Georg Jacobi: Wer Zauberlieder singen will' Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Wer Zauberlieder singen will',
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Um auf dem Meer die Wogen still,
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In Goldgebirgen schwarze Drachen
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Der zahmen Taube gleich zu machen;
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Wer Zauberlieder singen will,
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Den kalten Jenner zum April
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Sich umzuschaffen, und Violen
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Aus tiefem Eis hervorzuhohlen –
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Der muß bey krausem Talismann,
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Beym Wirrwarr fein geschlungner Fäden,
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In Mitternächten dann und wann
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Mit Geistern aus der Hölle reden.
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Und ach! wer Lieder singen will,
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Den Aufruhr in der Seele still,
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Des Neides finstern Blick zum Lachen,
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Und schweren Kummer leicht zu machen –
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Den wird gewiß für solche Kunst
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Sein eigen Herz, der Menschen Gunst
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Mit tausendfacher Freude lohnen;
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Oft aber wird, aus Höllen-Dunst
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Gezeugt, mit seinen Legionen
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Von ungestalten Qual-Dämonen,
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Der Hypochonder bey ihm wohnen.
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Um Leyer und um Lorber-Kranz
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Beginnen sie den Fratzen-Tanz;
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Sie wedeln mit dem Ottern-Schwanz,
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Und öffnen weit die Eulen-Schnäbel:
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Da hilft uns kämpfende Vernunft,
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Zu steuern dieser frechen Zunft,
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So wenig als der beste Säbel
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Dem Helden tief im Schatten-Reich;
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Sie mehren sich auf jeden Streich;
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Man haut sie matt, und spaltet Nebel.

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Das einzige, was Sicherheit
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Gewähren kann, was von dem Grimme
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Des Hypochonders uns befreyt,
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Ist eines Mädchens holde Stimme,
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Ist eines Freundes Angesicht. –
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Wenn jenes süße Worte spricht,
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Wenn dieser treu die Hand uns reichet,
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Dann kräht der Hahn zum Morgenlicht,
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Und jedes Nachtgespenst entweichet.

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O Freund! ob meine Lieder gleich
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Mich nicht den Meistern zugesellten,
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So läßt mich dennoch, trüb und bleich,
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Ein Kobolt den Gesang entgelten;
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Ich aber leid' es ohne Schelten,
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Und klage nicht den Himmel an.
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Wo lebt der nervenfeste Mann,
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Deß harte Faust den Hammer führen,
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Zugleich die Saiten zärtlich rühren,
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Und Gram in Wonne schmelzen kann?
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Ich klage nicht den Himmel an;
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Denn was mich plötzlich oft erschüttert,
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Wenn Berg und Kluft den Hagel wittert,
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Und Schwermuth in die Wälder sinkt,
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Ist eben das, was mich durchzittert,
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Wenn mir im Thau die Rose blinkt;
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Denn eben diese Phantasie,
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Die manchen Tag, ich weiß nicht wie,
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Gleich scheuen Rossen, da sich bäumt,
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Wo von Gefahren keinem träumt,
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Ermannt die Seele wiederum.
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Wenn, ohne Blatt und Vogel, stumm
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Der Lusthain ist, die Eichen ächzen,
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Am starren Fluß die Raben krächzen;
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Wenn hinter blank gefrorner Au
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Gestorbne Büsche, dunkel grau,
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Im Feuerroth des Abends glänzen,
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Und hohe Pappeln, zwischen Eis,
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Den Fuß beschneyt, den Wipfel weiß,
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Mit Epheu sich den Stamm bekränzen;
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Dann sehen Tausende die Flur
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In allgemeiner Trauer nur.
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Doch mir verschleyert die Natur,
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Beständig mild und groß und kühn,
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Nicht ihren Schmuck; der Tanne Grün,
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Auf Silberschnee der Sonne Gluth,
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Gibt meinem Herzen Kraft und Muth,
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Ihr Mutter-Antlitz mit Vertrauen
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Und vollem Jubel anzuschauen.

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So, Freund, so mach' ich jederzeit
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Die Richtung mir von Glück und Leid,
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Und bin zufrieden mit der Summe;
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Bins heute noch, da beym Gebrumme
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Des Schornsteins, mir zum Weh und Ach,
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Der Reuter auf des Nachbars Dach
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Vom dunkeln regenhaften West
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Den Pferde-Kopf sich drehen läßt,
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Und hinter ihm mein Dämon reitet,
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Der blut'gen Krieg auf mich und Pest
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Im Windgeheule niederleitet.

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Du aber laß ihm heute nicht
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Den kecken Spaß an mir gelingen;
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Und weil's an Mädchen hier gebricht,
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Die spottend ihn zu Ruhe zwingen,
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So weise mir dein Angesicht,
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Dein Biederauge, sonder Harm:
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Da wollen wir dem ganzen Schwarm
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Von Zwergen, Fledermäusen, Drachen,
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Und allen Sorgen Beine machen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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