Rose, komm! der Frühling schwindet

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Johann Georg Jacobi: Rose, komm! der Frühling schwindet Titel entspricht 1. Vers(1777)

1
Rose, komm! der Frühling schwindet;
2
Veilchen haben dich verkündet,
3
Mayenblumen starben hin:
4
Oeffne dich beym Lust-Getöne
5
Dieser Fluren; komm, o schöne,
6
Holde Blumen-Königinn!

7
Als du kamst im ersten Lenze,
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Hingen tausendfache Kränze
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Schon um Anger, Berg und Thal;
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Ufer lockten, Wälder blühten,
11
Pomeranzen-Haine glühten
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Weit umher im Sonnenstrahl.

13
Hoben ihre Cedern-Wipfel
14
Duftend in den Morgenschein;
15
Doch auf dehmuthsvollem Throne
16
Solltest du der Schöpfung Krone,
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Der Geschaffnen Wonne seyn.

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Und du gingst mit leisem Beben
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Aus der zarten Knosp' ins Leben;
20
Erd' und Himmel neigten sich;
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Und es huldigten die Wiesen;
22
Nachtigallen-Chöre priesen,
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Alle Nymphen liebten dich.

24
Goldne Schmetterlinge schlugen
25
Froh die Flügel; Winde trugen,
26
Wo die Luft in Jubel war,
27
Deinen Balsam; Herzen pochten
28
Dir entgegen; Mädchen flochten
29
Unter Perlen dich ins Haar.

30
Die von Weiber-Armuth sangen,
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Mahlten sie mit Rosen-Wangen;
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Jede Seele, gut und mild,
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Arglos, unschuldvoll, bescheiden,
34
War in ihren höchsten Freuden
35
Dein getreues Ebenbild.

36
Und der Schönheit und der Jugend
37
Wächterinnen, Schaam und Tugend,
38
Zu den Knospen hingebückt,
39
Hüllten unter deinem Nahmen
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Ihr Geheimniß; Bräute kamen
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Nicht umsonst mit dir geschmückt.

42
Da begann der rohe Zecher,
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Den von dir umblümten Becher
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Keuschen Grazien zu weihn.
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Allen Helden, allen Göttern
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Ging das Volk mit deinen Blättern
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Weg und Tempel zu bestreun.

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Mit verjüngtem Herzen schlichen
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Greise zu den Wohlgerüchen
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Deines vollen Kelchs herbey;
51
Lehrten segnend ihre Söhne:
52
Daß hienieden alles Schöne,
53
Selbst die Rose sterblich sey.

54
An des Freundes heil'gem Grabe
55
Wurdest du zur letzten Gabe
56
Seinem Schatten dargebracht;
57
Solltest ihm den Pfad umschlingen,
58
Thränen ihm und Küsse bringen
59
In die leere Todes-Nacht.

60
Fromme singen an zu loben,
61
Sahn gen Himmel, ließen droben,
62
Zwischen Palmen ewig grün,
63
In des Paradieses Hallen,
64
Wo die reinen Geister wallen,
65
Dich zum Sieges-Kranze blühn.

66
Rose, komm! In stiller Feyer,
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Unter jungfräulichem Schleyer,
68
Warfen Lilien auf dich;
69
Und für deine Schönheit offen,
70
Steht mein Herz in süßem Hoffen,
71
Liebes-Hauch umsäuselt mich.

72
O wie friedlich, o wie lauter
73
Diese Liebe! Wirst mich, trauter
74
Als der Morgensterne Pracht,
75
Von der Weisheit unterrichten,
76
Die so stolz der Berge Fichten,
77
Dich so klein und schön gemacht,

78
Daß in deinem holden Wesen
79
Wir der Seelen Unschuld lesen,
80
Uns die Brust von Ahndung schlägt;
81
Daß der Geist der niedern Blume
82
Unsern Geist zum Heiligthume
83
Schöner Gottes-Engel trägt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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