Horch, Elise! da rollen Gesänge

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Johann Georg Jacobi: Horch, Elise! da rollen Gesänge Titel entspricht 1. Vers(1777)

1
Horch, Elise! da rollen Gesänge
2
Goldner Harfen her;
3
Ueber hohe Felsengänge
4
Rollen sie, wie der Donner, schwer.

5
Barden singen von der Welten
6
Vater, der als Richter kömmt;
7
Singen, wie vor seinem Schelten
8
Meere fliehen, und der Strom sich hemmt;

9
Singen vom allmächtigen Erstaunen,
10
Das die Sonne faßt in ihrer Bahn,
11
Und von Gräbern, aufgethan
12
Bey dem Rufe der Posaunen;

13
Von der Erden Untergang,
14
Welche sich in Feuerflammen wälzen,
15
Und von Sternen, welche schmelzen,
16
Bey der Todesengel Gesang.

17
Deine Seele bebt, Elise!
18
Wie das fromme Lämmchen bebt,
19
Wenn sich über seiner Wiese
20
Schnell ein hohler Sturm erhebt?

21
Zittre nicht! Ein Gott will richten,
22
Richten will er jede That;
23
Aber kann er diese Welt zernichten,
24
Diesen Boden den Elise betrat?

25
Schaffende Liebe winket einst der Erde,
26
Daß ein neuer Frühling werde;
27
Zeichnet neuen Sonnen ihre Bahn;
28
Und ein besserer Tag bricht an.

29
Friede zieht in jede Höhle;
30
Still und lieblich soll der Hain,
31
Und so schön, wie deine Seele,
32
Soll die ganze Schöpfung seyn.

33
Ueberall Frühlingsluft:
34
Ueberall ein ruhiges Wehen.
35
Blumen werden auferstehen
36
Dann um deine Gruft;

37
Blumen, welche deinem Schatten
38
Mädchenhände gestreuet hatten
39
Hin auf jene Gefilde der Ruh;
40
Blumen, längst gestorben, wie du.

41
Wie sie blühend auferstehen,
42
So erwachen, bey dem Wehen
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Einer stilleren Luft,
44
Nachtigallen rings um deine Gruft.

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Neben ihr hatten sie gesungen
46
Durch die Gefilde der Ruh,
47
Neben ihr in Abenddämmerungen:
48
Und sie starben längst, wie du.

49
Komm, Elise! Gerüche wallen
50
Von verjüngten Bäumen herab:
51
O, beym Gruße der Nachtigallen,
52
Oeffnet sich dein Grab.

53
Komm, Elise! Schon umringen,
54
Wie Gespielen einer Braut,
55
Selige Geister dich, und singen
56
Deines Lebens stille Thaten laut.

57
Und du gehst an ihrer Seite
58
Nun mit sanfter Majestät,
59
Wie die Tugend, im Geleite
60
Neugebohrner Engel, geht.

61
Einen Zweig von deinem Kranze
62
Bietest du mir lächelnd an;
63
Und ein Strahl von deinem Glanze
64
Fällt auf meine Leyer dann.

65
Welch ein Strahl! Dem Paradiese
66
Nenn ich dich; und bin verklärt,
67
Bin ein Engel, und, Elise!
68
Deiner Liebe werth.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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