Ein fröhlicher Sylphe

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Johann Georg Jacobi: Ein fröhlicher Sylphe Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Ein fröhlicher Sylphe,
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Der, wenn die Lerche sich hebt,
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Mit ihr in blauen Luften schwebt;
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Des Frühlings treuer Gehülfe,
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Der ihm das Füllhorn reicht,
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Und über zarte Knospen schleicht,
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Den Knospen Wohlgerüche giebt,
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Und jede Blume des Grases liebt;
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Ein Gott voll Unschuld, wie die Blüthe
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Der Linden im Thal,
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Und voll bescheidner Güte,
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Wie nächtlicher Thau, bey Mondesstrahl;
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Der sah im letzten May, von seinem Rasenbette;
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Wo neben ihm ein Sylphenmädchen schlief,
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Dich Freuden athmende Lenette!
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Wie Geister sehen, sah er tief
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In deine liebliche Seele,
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So lieblich, wie die grüne Höhle,
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In deren Innersten ein Kind, das nie gewacht,
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Das keine böse That gedacht,
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Ein kaum gebohrner Amor lacht.
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Der fröhliche Sylphe,
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Der Gott voll Unschuld, wünschte sich, dein,
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Und nicht des Frühlings Gehülfe,
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Nicht seiner Sylphide Liebling zu seyn.
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Er eilte durch den Hain,
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Mit frischen Kränzen schön behangen,
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Und küßte dich.
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Jedoch auf deinen sterblichen Wangen
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Verloren seine Küsse sich
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In einen Rosenduft, in eines Windes Wehen.
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Nun stand der Gott, vom Lenz' allein gesehen,
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Und weinte bitterlich;
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Denn alle Küsse verloren sich.
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Allein, wo seine Thränen fielen,
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Da sproß ein Veilchen empor,
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Und eine von seinen Gespielen,
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Aus der Nymphen Chor,
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Lispelt ihm ins Ohr:
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Deine Küsse fühlen
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Kann das Erdenmädchen nie;
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Aber, du Glücklicher, sieh
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Deinen Thränen dieses Veilchen entblühn!
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Liebe will es auferziehn,
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Und es lebt noch, wenn die Farben
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Jedes Blumenbeets erstarben;
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Dann, des Herbstes auch sich freuend, irrt
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Deine Schöne hier, wo rauhe Winde schwärmen,
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Bricht das Veilchen, und es wird
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Sich an ihrem Busen wärmen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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