Lalage, die kleine Spröde

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Johann Georg Jacobi: Lalage, die kleine Spröde Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Lalage, die kleine Spröde,
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Floh den jungen Lycidas;
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Bittrer Spott war ihre Rede,
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Und die Blicke lauter Haß.

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In das Thal, zu jener Quelle
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Lockte sie Dianens Schein;
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Fernher murmelte die Welle,
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Leise lispelte der Hain.

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Sanfter wurden ihre Triebe,
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Friede ward ihr Herz und Ruh,
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Denn ein kleines Wort von Liebe
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Rief ihr jedes Büschchen zu.

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Liebe sprach die junge Rose,
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Sprach der Quelle grüner Rand –
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Als das Mädchen auf dem Moose
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Schlafend einen Knaben fand.

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Von dem Monde halb bestralet,
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Halb in Schatten eingehüllt,
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Lag er im Gebüsch. Es malet
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Nur Albano dieses Bild.

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Seine Miene sagt im Traume,
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Was die Liebe wachend denkt.
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An dem nächsten Myrthenbaume
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Ist ein Köcher aufgehängt.

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Ihm zur Seite glänzt ein Bogen;
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Näher geht das Mädchen hin,
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Und allmählig ihm gewogen
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Wird die gute Schäferin.

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Siehst Du nicht auf jenem Hügel,
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Lalage! die ganze Schaar?
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Allerliebste kleine Flügel
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Haben sie, und goldnes Haar.

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Schnell bewegen sie die Schwingen;
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An der Quelle sind sie schon,
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Tanzen um das Kind, und singen
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Lieder von Anakreon.

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Aufgewecket durch die Lieder,
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Sieht der kleine Gott umher;
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Mischt sich unter seine Brüder,
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Und der Hirtin lächelt er.

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Tausend neue Blümchen sprießen,
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Wo sie tanzen, aus dem Klee;
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Mitten in den Reihen schließen
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Sie die schöne Lalage.

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Langsam steigt ihr Busen; leise
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Wünschet sie, und weiß nicht was.
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Seht doch, neben ihr im Kreise
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Steht der junge Lycidas.

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Ihm entfliehen will die Spröde,
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Ihn verachten soll ihr Blick;
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Doch der Jüngling, nicht mehr blöde,
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Hält die Schäferin zurück.

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Fliehen kann sie nicht; es haben
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Ihren Bogen, aufgespannt,
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Rings um sie die Götterknaben
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In der rächerischen Hand.

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Küssen muß sie nun den Hirten,
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Und ein wollustvolles Ach!
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Unter sanftbewegten Myrthen
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Seufzet Philomele nach.

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Im Triumphe weggeflogen
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Sind die Götter, ohne Streit.
63
Mächtiger als Amors Bogen
64
Ist ein Kuß der Zärtlichkeit.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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