Du kleines Lager, wo vergnügt

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Johann Georg Jacobi: Du kleines Lager, wo vergnügt Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Du kleines Lager, wo vergnügt
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Die Schönheit mit der Unschuld liegt!
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Beglücktes Heiligthum der Liebe,
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Bey dem, gewöhnt an frechen Raub,
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Ein roher Satyr schüchtern bliebe!
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Dir will ich noch das letzte Laub
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Der längst gestorbnen Rose streuen;
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Dich soll ein Dichter nicht entweihen,
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Der gerne mit dem Amor spielt,
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Und doch den Werth der Weisheit fühlt.

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Geheimer Schauder! Stille Lust!
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Bemächtigt euch des Jünglings Brust.
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Du Schlummerstätte meiner Schönen!
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O zeige mir Belindens Bild;
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Hier siehst du jeden Reiz enthüllt;
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Hier sagt sie dir mit halben Tönen
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Vielleicht, was ihren Wünschen fehlt,
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Was sie noch selber sich verhehlt.

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Dein Vorhang rauscht, und Träume schlüpfen
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Durch ihn: ein allerliebstes Heer!
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Schön, wie der Venus Kinder, hüpfen
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Sie um das fromme Mädchen her.
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Belinde zürnt: auf ihren Wangen
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Ist Keuschheit, Jugend, und Verlangen.

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Wenn sie nun zärtlicher erwacht;
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Wenn sie, nach ungenoßnen Freuden,
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Der Morgensonn' entgegen lacht,
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Und in verrätherische Tracht
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Behende Grazien sie kleiden:
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Dann, o dann muß ich dich beneiden!

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Doch ungestüme Wünsche nicht
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Soll dieser kleine Tempel hören;
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Nur Seufzer darf ich mir gewähren,
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Bescheiden, wie ein Amor spricht
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In einem Wäldchen mit Cytheren.

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Ihr, die, von wilder Gluth entbrannt,
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Der Gott der Liebe nie gekannt,
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Zerreißet mit verwegner Hand
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Der Schönheit heiliges Gewand,
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Das Huldgöttinnen ihr gewebet,
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Indeß ein sanfter Hirt erbebet,
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Wenn er Belindens Lager sieht,
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Voll Ehrfurcht ihre Zelle flieht;
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Und auf verschwiegnen grünen Heiden,
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Wo Götter mit dem Mädchen weiden,
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Auf Blumen es verfolgt und küßt,
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Und ohne Reu beglückter ist,
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Als ihr im Taumel eurer Freuden.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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