Die Muse, die zu blut'gen Leichen

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Johann Georg Jacobi: Die Muse, die zu blut'gen Leichen Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Die Muse, die zu blut'gen Leichen
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Den Geist des Sophokles geführt;
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Um ihre Stirn das Laub von Eichen,
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Von Cedern, die der Blitz gerührt;
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Sie zeigte Dir den nahen Ruhm
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Mit ewig dauerhaften Kränzen;
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Du gingst, in Deinen ersten Lenzen,
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Mit ihr vertraut ins Heiligthum:
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Da wälzten Donnerwolken sich;
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Du sahst den Dolch, der Bosheit Rächer,
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Du sahst den giftgefüllten Becher,
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Und Ketten rasselten um Dich;
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Du sahst die bebende Natur,
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Voll Laster und voll Ungeheuer:
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Mit nie gefühltem Schauder fuhr
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In Dich ein allgewaltig Feuer,
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Das, von dem Himmel angefacht,
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Zur Göttin eine Clairon macht.
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Nun aber sank der finstre Schleyer,
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Und Dir erschien Melpomene,
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Gleich einer hohen Grazie,
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Mit jungem Lorberreis geschmückt;
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Kaum hatte sie Dich angeblickt,
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So lerntest Du die schönen Thränen,
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Den süßen Ton, das leise Sehnen
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Der Liebe, die voll Unschuld fleht;
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Und jene stille Majestät,
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Womit am Throne der Tyrannen,
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Die das Verdienst in Kerker bannen,
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Die unbesiegte Tugend steht.

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Schon leitet Dich, mit stolzen Schritten,
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Unsterblichkeit an ihrer Hand.
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O wenn einst Oldfield
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Ihr Grabmaal bey Monarchen fand,
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Und unser kaltes Vaterland,
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Das im Palast ein Ordensband,
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Mehr, als den großen Geist in Hütten,
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Mehr, als erhabne Werke, schätzt,
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Nicht Säulen Dir von Marmor setzt;
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So denk: es lebet noch Dein Name,
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Wenn um die bald vergeßne Dame,
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Die Dir ein gnädig Lächeln giebt,
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Kein später Enkel sich betrübt.

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Ihr, die der Musen Chor geliebt,
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Ihr ruht in schönen Lorberhainen,
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Wo Götter euren Tod beweinen,
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Und heilig, wie ein Tempel, ist
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Das stille Grab, das euch umschließt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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