Mich sehen willst Du, Lalage

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Johann Georg Jacobi: Mich sehen willst Du, Lalage Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Mich sehen willst Du, Lalage,
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Des Phöbus hoch begeisterte!
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Mich kleinen Sänger kleiner Lieder?
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Weil Dein Gliphästion mich liebt
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Und, als den jüngsten seiner Brüder,
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Zum Preise für die kleinen Lieder
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Mir unverdiente Kränze giebt?
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Ach! zu bezauberndem Gesang
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Ist Feuer nicht in meinem Busen;
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Nur die gefälligste der Musen
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Hört dieser Flöte leichten Klang,
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Der nie zu Götterohren drang.
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Wenn Könige die Welt bekriegen,
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Dann forsch' ich nicht nach ihren Siegen;
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Dann, ungestört in meiner Ruh,
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Seh' ich den holden Knaben zu,
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Die, ohne Länder zu verwüsten,
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Sich mit dem Silberbogen rüsten,
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Und ihnen stimm' ich Lieder an.
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Hier zeichnen sie; die schlauen Götter,
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Auf Rosen- und auf Myrthenblätter
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Zu ihren Schlachten sich den Plan;
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Dort hör' ich aus verschwiegnen Büschen
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Die unsichtbaren Pfeile zischen:
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Getroffen sinkt die Schäferin
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Auf den beblümten Rasen hin.
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Die Suada, die das Ungeheuer
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Mit Recht und Menschlichkeit versöhnt,
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Die, süß wie Deine goldne Leyer,
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Von angenehmen Lippen tönt,
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O hätt' ein Gott sie mir verliehen!
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Dann lebten, weit um mich herum,
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Nur Bürger aus Elysium,
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Und jede Bosheit müßte fliehen.
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Ein überredender Merkur,
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Wollt' ich die sanftre Weisheit lehren,
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Gezeugt im Schooße der Natur,
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Gebildet in der Freundschaft Chören?
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Mir aber gab der Himmel nur
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Ein Herz voll zärtlicher Gefühle,
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Dem auch die allerkleinsten Spiele
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Der jungen Freunde heilig sind,
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Das nie Gesang und Jubel störet,
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Der Tugend leisre Stimme höret,
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Und gute Seelen leicht gewinnt.
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Nur sie kann dieses Herz beglücken:
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Dein Schäfer widerstand ihm nicht;
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Er kennt im Freundes-Angesicht
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Die reine Wonne, das Entzücken,
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Das, ohne Wort, aus treuen Blicken
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Oft mächtiger als ein Gedicht,
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Und süßer als die Suada, spricht.

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Dich, Lalage, Dich sah' ich schon
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Im Tempel, den Gliphästion
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Der Tugend und den Musen weihte;
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Wo, voller Ehrfurcht, diese Hand,
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Die nie den Thoren Weisheit streute,
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Mit Lorbern den Altar umwand.
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Als ich bewundernd vor Dir stand,
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Da blicktest Du auf mich hernieder;
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Dein Blick war Feuer, Dein Gewand
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War ganz Natur, wie Deine Lieder.
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Ich sah' in Dir die Sängerin,
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Die, wenn sie über Saaten hin
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Die schwarze Wetterwolke breitet,
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Den Donner mit Gesang begleitet;
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Ich sah die frohe
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Die unter Rosen lächelte;
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Und nun, mit aufgelösten Haaren,
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Im Auge tödtende Gefahren,
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Ein Weib; ihr Busen war durchwühlt
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Von Flammen, die kein Zephyr kühlt,
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Und die nur eine Sappho fühlt!

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So zeigte Dich dein Bildniß mir:
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Vielleicht, wenn sich das Jahr verjünget,
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Und mit Dir Philomele singet,
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Seh' ich die Freundin auch in Dir.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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