Freund, der Du am Kamine

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Johann Georg Jacobi: Freund, der Du am Kamine Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Freund, der Du am Kamine,
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Zu Dir, mit Chloens Miene,
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Im leichten Hermeline
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Die Weisheit kommen siehst;
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Und um Dich her durch Lieder
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Für sie des Amors Brüder
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Zu kleinen Weisen ziehst!
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Bestrafe doch die Thoren,
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Die, nicht für sie geboren,
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Die sanfte Huldgöttin,
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Im schulgelehrten Tone,
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Zur mürrischen Matrone,
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Zur strengen Richterin
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Unschuld'ger Freude machen;
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Doch nein! sie nur belachen,
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Und singen wollen wir.

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O Freund! es sagten mir
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Die mit den Charitinnen
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Vertrauten Pierinnen,
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Was wahre Weisheit sey,
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Von trockner Schulgesetze
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Verworrenem Geschwätze,
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Von leeren Formeln frey.
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Sie gleichet Deiner Leyer,
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Ist lauter Harmonie,
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Glüht oft von edelm Feuer,
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Oft aber scherzet sie.
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Sie weiß in kleinen Bildern
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Uns lächelnd das zu schildern,
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Was hundert Thoren quält;
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Sie lehrt uns, wenn wir klagen,
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Daß selbst den trüben Tagen
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Nicht alle Freude fehlt.

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Soll ich Dir wieder sagen,
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Wie auf dem alten Wagen
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Von Stürmen hergetragen,
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Sie mir den Winter zeigt?
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An seinen Stab gebeugt,
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Lappländisch wild behangen
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Mit Häuten mancher Art,
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Steht er; um seine Wangen
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Starrt ein gefrorner Bart.
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Wie scheußlich! dennoch hüpfen
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Die Scherze ganz vertraut
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Um ihn herum, und schlüpfen
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In eine Bärenhaut.
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Da liegen sie, und schielen,
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Wenn Hirt und Schäferin
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Am Herde traulich spielen,
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Muthwillig lächelnd hin;
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Gesammelt werden Pfänder;
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Das flatternde Gewand
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Der Mädchen, Haar und Bänder
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Verrathen bald die Hand
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Der allzu dreisten Knaben,
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Die nicht ein jedes Pfand
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Um Einen Kuß nur gaben.

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Schon sind die Felder weiß,
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Und ein Palast von Eis
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Beherbergt die Najaden;
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Sie trösten sich, und laden,
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Um dennoch froh zu seyn,
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Zu bunten Maskeraden
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Den alten Flußgott ein.
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Des Faunus Kinder schleichen
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Vergebens durch den Wald,
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Dort sind die festen Eichen
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Der Dryas Aufenthalt!
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Die losen Spötter machen
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Ein Mädchen sich von Schnee,
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Umtanzen es, und lachen,
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Und schreyen: Evoe!
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Die älteren Satyren
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Sieht der gefrorne Rhein
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Den wohlverwahrten Wein
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In ihre Höhle führen.
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Da jauchzet Vater Pan;
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Da trotzen sie den Winden;
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Bey vollen Bechern zünden
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Sie leere Fässer an;
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Indeß auf goldnem Schlitten
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Der Psyche kleiner Mann,
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Mit Pelzen angethan,
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Voll Schalkheit zu den Hütten
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Verlaßner Nymphchen eilt,
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Wo, wenn der Nordwind heult,
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Und sie den Amor bitten,
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Er gern in langer Nacht
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Ihr ödes Haus bewacht.

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Sieh' doch, in holder Tracht,
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Vom Winter angelacht,
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Der Cypris Kammermädchen!
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In ihrem Hain gestört,
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Besuchen sie das Städtchen,
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Wo Gleim die Liebe lehrt,
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Und oft den jungen Schönen,
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Die Amor zu ihm winkt,
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In seelenvollen Tönen
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Von seinem Freunde singt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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