Ja, Freund! in Deinem Sans Souci

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Johann Georg Jacobi: Ja, Freund! in Deinem Sans Souci Titel entspricht 1. Vers(1777)

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Ja, Freund! in Deinem Sans Souci,
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Wo, bey der Musen Harmonie,
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Die finstere Philosophie,
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An Lied und Scherz und Kuß gewöhnet,
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Mit Huldgöttinnen sich versöhnet,
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Wo neben Dir Dein Amor sitzt,
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Und spielend einen Plato schnitzt
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Da lassen Dich erhabne Freuden
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Kein fürstlich Sans Souci beneiden;
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Da ruft den ungetäuschten Blick
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Von der Paläste stolzen Mauern
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Die Weisheit freundschaftlich zurück,
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Und lehrt Dich, Könige bedauern.
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Sie scherzen nicht mit uns im Hain,
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Sie ladet nicht der Rasen ein;
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Kaum sehen sie das Veilchen blühen,
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Die Sonne hinter Bergen glühen,
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Den Hügel, den Aurora malt,
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Und wie der Mond auf Teiche stralt.
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Kein Vogel singt für sie Gesänge;
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Die kleine Philomele schweigt,
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Wenn sich in rauschendem Gepränge
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Der Herr von ihren Wäldern zeigt.
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Mit unterbrochnen Tönen steigt
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Die Lerche, wo der Frohsinn weicht,
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Und bang, mit leisem Murmeln schleicht
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Der ungegrüßte Bach vorüber.
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Der Echo sagt erschrocken nach,
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Was ein Monarch im Purpur sprach,
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Und hört des Hirten Stimme lieber.

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Uns, bester Gleim, uns liebt das Thal;
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Dort, wo wir seine Rosen pflücken,
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Und den gefüllten Becher schmücken,
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Verachten wir Lucullus Mahl.
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Es trank aus goldenem Pokale
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Nur selten die Zufriedenheit;
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Nur selten wohnt im Marmorsaale
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Das Glück der wahren Zärtlichkeit.
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Ihr Fürsten! sah man, unter Küssen,
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Von euern Wangen Thränen fließen?
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Für uns als Götter aufgestellt,
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Vom Diadem das Haupt umwunden,
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Was hilft euch eine ganze Welt,
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In der ihr keinen Freund gefunden?

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Nur dann, wenn am verlaßnen Herd
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Die Unschuld ihre Hände ringet,
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Bis zum Palast die Stimme dringet,
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Euch Väter nennt und Schutz begehrt:
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Dann seyd ihr uns des Neides werth.
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Doch nein! von unzählbaren Schätzen
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Den Raub der Bosheit zu ersetzen,
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Ist das ein himmlisches Ergötzen,
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Ist das der Tugend höchster Ruhm?
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Was wir, o Freund! der Armuth geben
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Von unserm kleinen Eigenthum,
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Muß über Fürsten uns erheben!

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Wenn einst die goldnen Wände beben,
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Der Styx in banger Nähe schreckt,
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Und dicke Nacht den Thron bedeckt:
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Dann sieht, in wilden Phantasien,
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Auf seinem Lager noch der Held
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Ein grauses, leichenvolles Feld;
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Sieht überwundne Feinde knien,
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Und Angstgeschrey, das Gnade! ruft,
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Ertönet laut um seine Gruft.

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Und wir? Bekränzt kommt er hernieder
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Von Grazien, der letzte Tag;
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Umarmet singen wir ihm Lieder,
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Ein zärtlich Mädchen singt sie nach.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Georg Jacobi
(17401814)

* 02.09.1740 in Düsseldorf, † 04.01.1814 in Freiburg im Breisgau

männlich, geb. Jacobi

deutscher Dichter und Publizist

(Aus: Wikidata.org)

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