Die heilige Garten-Schule der lehrenden Blumen

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Johann Justus Ebeling: Die heilige Garten-Schule der lehrenden Blumen (1747)

1
Jhr Menschen! die ihr euch entfernet,
2
Von aller eitlen Lust der Welt,
3
Und mit Vergnügen emsig lernet,
4
Was das Naturbuch in sich hält;
5
Die ihr mit forschenden Bemühen,
6
Nach der geschäftgen Bienen Art,
7
Den Honig sucht daraus zu ziehen,
8
Worin derselbe liegt verwahrt:
9
Kommt her ihr könnt in Feld und Auen.
10
An Blumen holde Lehrer schauen.

11
Die Gärten die ihr jezt erblikket,
12
Sind eine Schule der Natur,
13
Darin in Bildern abgedrükket,
14
Der Gottheit unsichtbare Spur.
15
Hier könnt ihr von dem höchsten Wesen,
16
Von seiner Vollenkommenheit,
17
Die Ehrfurchts-volle Warheit lesen:
18
Dies lehrt euch zu des Schöpfers Ruhme,
19
Der Anblik einer jeden Blume.

20
Fragt nur: woher sie sind entsprossen,
21
Da sie zusammen Wunderschön
22
Woher der Farben Schmuk geflossen,
23
Der auf der Blätter Sammt zu sehn:
24
Wer hat in den so kleinen Saamen,
25
So viele Blätter eingefaßt,
26
Und sie als wie in glatte Rahmen,
27
In zarte Zwiebeln eingepaßt:
28
So werden sie euch sämmtlich weisen,
29
Den

30
Fragt: wer sie in gepreßten Falten
31
Der Häutgens, ordentlich gelegt;
32
Wer sie zur Winters-Zeit erhalten
33
Wenn sie die kalte Erde hegt:
34
Wer sie, wenn Schnee und Eis verlohren,
35
Der Frühling alles fruchtbar macht:
36
Und sie der Erden Schoos gebohren,
37
Geschmükt mit solcher bunten Pracht:
38
Sie werden euch in Glanz und Strahlen,
39
Den Schöpfer für die Augen mahlen.

40
Jhr Thoren! die ihr albern klügelt,
41
Fast alles, doch den
42
Der sich in allen abgespiegelt,
43
Wohin ihr eure Augen dreht:
44
O! möchtet ihr die Blümchens fragen,
45
Die könten eure Lehrer seyn;
46
Die würden euch zur Schande sagen:
47
Wir stimmen darin überein,
48
Auf unsern Blättern ist zu lesen:

49
Ein Werk das zeugt von seinen Meister,
50
Die Zeichnung, Bildung und Figur,
51
An einen Kunstwerk kluger Geister
52
Entdekt uns ihres Wizzes Spur.
53
Die wie Apelles, künstlich mahlen,
54
Der Farben Mischung recht verstehn,
55
Die lassen ihres Wizzes Strahlen,
56
In jeden Bild und Zügen sehn;
57
Die Werke die sie nur gebildet,
58
Die haben sie auch abgeschildet.

59
Der Meister dessen weiser Finger,
60
Die Bilder der Natur gemahlt,
61
Ist in der Kunst auch nicht geringer
62
Woraus sein Bild recht deutlich strahlt:
63
Er zeigt uns an den Kostbarkeiten,
64
Die jeder an der Blum erblikt
65
Das Urbild der Vollkommenheiten,
66
Das sein unendlich Wesen schmükt;
67
In ihrer Bildung, Form und Zügen,
68
Sehn wir des Schöpfers Grösse liegen.

69
O! welch ein wunderbahr Gespinste,
70
Ist nicht ein zartes Blumen Blat,
71
Das so viel wollgewirkte Künste,
72
Als dünne Fädgens an sich hat.
73
Man nehme nur die feinsten Stoffen,
74
Die eine kluge Hand gestrikt;
75
Wie weit sind solche übertroffen
76
Wenn man auf eine Blume blikt?
77
Man kan dieselben unterscheiden,
78
Als grobes Tuch und zarte Seiden.

79
O! welche schöne Schildereien,
80
Damit die Blumen ausgeziert,
81
Dagegen alle Mahlereien
82
Mit groben Pinseln nur geschmiert.
83
Die Farben sind so sanft vermenget,
84
Woraus die Schönheit selbsten blüht:
85
So wunderbarlich durchgesprenget
86
Als wenn ein flüßig Gold drauf glüht;
87
Als wenn von allen Edelsteinen,
88
Die Strahlen sich darin vereinen.

89
Jhr schönen Kinder, unsre Freude,
90
Die ihr in Gold und Silber blizt,
91
In Scharlach, Purpur, gelber Seide,
92
Wie auf smaragdnen Thronen sizt;
93
Die ihr in weissen Attlas prahlet
94
In Violet, in Himmelblau
95
Mit tausend andere Farben strahlet,
96
Wer hat euch euren Wunderbau
97
Mit solchen Farben ausgefchmükket,
98
Wer hat eur Kleid so ausgestikket?

99
Sie lehren all mit einem Munde,
100
Daß sie der
101
Sie weisen uns zum schwarzen Grunde,
102
Als ihrer Mutter Schoos zurük,
103
Und fragen: Ob wir glauben können,
104
Da so viel himmlisches sie ziert
105
Daß man sie müsse Kinder nennen
106
Die von sich selbst die Erd gebiehrt:
107
Und ob der Saft den sie gesogen,
108
Mit solcher Pracht sie angezogen?

109
Wie vielerlei braucht eine Pflanze,
110
Eh sie zu ihrer Form gelangt;
111
Eh sie mit ihrer Blüthen Kranze
112
Nach ihrer Art und Bildung prangt:
113
Es muß des Schöpfers reicher Seegen,
114
Die Erde dazu erst formirn,
115
Von aussen Wärme, Luft und Regen,
116
Durch sie in zarte Keimen führn,
117
Und durch ein Allmachts-volles Walten,
118
Die Ordnung ihrer Art erhalten.

119
Der Schöpfer hat im ersten Tagen,
120
Der Schöpfung alles ausgedacht:
121
Und da die Erde Frucht getragen,
122
Sah er das alles gut gemacht:
123
Die Blumen heben aus der Erde
124
Jhr eingehülltes Haupt hervor
125
Und auf ein einzig Wort: Es werde
126
Stund da das grosse Blumen Chor,
127
Die in den Schmuk und bunten Kränzen,
128
Als Zeugen seiner Allmacht glänzen.

129
Die Weisheit die die Welt regieret,
130
Legt sich in zarter Blumen Bau,
131
Der unsre Sinnen, Herze rühret
132
Durch ihre Einrichtung zum Schau.
133
Ein unbegreiflich grosses Wissen,
134
Zeigt sich an ihren Mannigfalt,
135
An ihren wollgeorndten Rissen,
136
An netter Bildung und Gestalt,
137
An ihren steten Aenderungen,
138
An ihren Farben, Pracht, Mischungen.

139
Welch eine ungezählte Menge,
140
Welch mannigfaltge Blumen Art,
141
Hat GOtt zum schimmernden Gepränge,
142
In unsern Lustrevier verpaart,
143
Wie viele sind auf Feldern, Auen,
144
Wie viele sind in grünen Wald,
145
Als Wunder der Natur zu schauen;
146
Wie viele die den Aufenthalt,
147
Auf den erhabnen Bergen finden,
148
Wie viele in den tieffen Gründen?

149
Wie viele sind in Morgenlande
150
Wie viele in der Mittags-Welt,
151
Da sich aus dem erhizten Sande
152
Ein feurig Blumen Heer darstellt;
153
Wie viele die in fremder Erden,
154
Die unser Auge nie gesehn,
155
Zur Seltenheit gebohren werden,
156
Und ihres Schöpfers Ruhm erhöhn,
157
Die auch den unbekehrten Wilden,
158
Des Höchsten weise Macht abbilden.

159
Die ihr der Weisen Macht Verehrer,
160
Aus Andacht
161
Fragt nur die holden Gärten-Lehrer,
162
Als eurer Schaubühn eigne Frucht:
163
Die zeigen euch in ihren Bildern,
164
So viele Mannigfaltigkeit:
165
Daß der sie also können schildern,
166
Ein HErr von Vollenkommenheit;
167
Die geben uns sein weises Wesen,
168
In einen Abdruk klar zu lesen.

169
O! welche Kunst! ist hier verbunden,
170
Die alles schön zusammen fügt;
171
Wie weislich ist das ausgefunden,
172
Daß alles nach der Ordnung liegt,
173
Als wenn nach den bestimmten Grössen,
174
Nach Zirkel, Maasstab, nach der Schnur,
175
Ein jedes Theilgen abgemessen,
176
An diesen Bildern der Natur.
177
Wer kan die Einrichtung ansehen,
178
Ohn

179
Wie wunderbahr sind die Figuren,
180
Die man nicht ohn Erstaunen sieht,
181
So vielfach, als die Kreaturen,
182
Daran die Weisheit sich bemüht.
183
Wer kan dieselben überzehlen,
184
Die eine ewge weise Macht,
185
Durch alles würkendes Befehlen,
186
Auf einem Beet herfürgebracht,
187
Die all aus einen Boden spriessen,
188
Nach ihrer Art doch wachsen müssen.

189
Wir sehen hier in schönster Ründe,
190
Der einen förmliche Gestalt,
191
Als wenn darum ein Zirkel stünde,
192
Wornach die wachsende Gewalt,
193
In dem Entwikkeln sich gerichtet.
194
Da spriessen lauter Herzen aus
195
Hie sind die Blätter glatt geschichtet;
196
Da Zungenförmig, rollend, kraus;
197
Dort hängen weisse Silberglokken,
198
Hie seh ich, deucht mir, gelbe Lokken.

199
Da sehe ich gemahlte Köcher,
200
Dort die gespizten Pfriemen gleich;
201
Hie sind gewachsne Silber-Becher
202
Die innerlich an Golde reich:
203
Da hängen Diamantne Ringe
204
Hie Kronen, Kerzen, und was mehr
205
Vor wollgestalte Wunder-Dinge,
206
Der Schöpfer sich zu seiner Ehr,
207
Als Bilder der Natur geschnizzet,
208
Woraus der Weisheits-Schimmer blizzet.

209
Wie geht das zu, erfahrne Weise!
210
Sagt mir, des Saamens Einrichtung,
211
Beschreibt das künstliche Gehäuse,
212
Und die verborgne Wikkelung
213
Des Keimgens, der aus Zwiebeln gehet,
214
Und seinen Nahrungssaft geniest,
215
Sich regend in die Höhe drehet,
216
Und solche Wunder-Formen spriest?
217
Jhr schweigt und last die Blumen lehren:
218
Was unerforschlich doch zu ehren.

219
Wir sehen in den warmen Lenzen,
220
Und in der schwülen Somerzeit,
221
So viele bunte Tokken glänzen,
222
In angebohrner Herrlichkeit;
223
So bald sie nur in grünen Wiegen,
224
Die auf der Mutter Schooße stehn,
225
Als neugebohrne Kinder liegen,
226
Kan man sie schon in Schmukke sehn,
227
In solchen Schmuk der schön zu nennen,
228
Von den die Kunst und Farben kennen.

229
Jhr prangt mit unschäzbaren Schäzzen,
230
Als keine Fürsten Tochter kan,
231
Und wer sich will in Lust ergözzen,
232
Der seh nur euren Hofstat an,
233
Jhr Blumen! die kein Sammt noch Seide,
234
Nein, ein viel schöners Kunstwerk ziert,
235
Weil jedes Stük an euren Kleide,
236
Zugleich das Aug und Herze rührt,
237
Und immer, wenn wir es betrachten,
238
Zugleich bewegt euch hoch zu achten.

239
Jhr Weber rühmet eure Künste,
240
Rühmt den der sie mit Wiz erdacht;
241
Beseht der Blumen Kunstgespinste,
242
Das hat die Weisheit selbst gemacht.
243
Jhr Schildrer! die ihr recht verstehet,
244
Wie man die Farben mischen muß,
245
Den Schatten mahlt, das Licht erhöhet,
246
Die Farben trennt in ihren Fluß
247
Und wiederum vereint, verbindet,
248
Seht, was ihr hier vor Farben findet.

249
Hier sehet ihr ein Gold das blühet,
250
Und das dabei im Schimmer strahlt;
251
Da Silber-Farbe welche glühet,
252
Von Sonnen-Firnis übermahlt:
253
Dort blizzen funkelnde Cristallen,
254
Darzwischen wie in Glut und Brand,
255
So wundersame Strahlen fallen
256
Wie aus geschlifnen Diamant,
257
Daß man von ferne solte meinen,
258
Die Blumen wärn von Edelsteinen.

259
Hier prangt ein Purpur dunkler Röthe,
260
Mit grünen Strichen durchgeflammt;
261
Da eine blaue Kunsttapete,
262
Die wie ein durchgewirkter Sammt.
263
Dort deucht mir seh ich weisse Seide
264
Mit Himmel-blauen Glanz gemischt;
265
Da merk ich an den Liljen-Kleide,
266
Ein Gold das nur daran gewischt;
267
Hie findet sich von andern Sorten,
268
Ein Heer mit schön gestikten Borten.

269
Und diese Wunderschöne Floren,
270
So mannigfaltig durchgesprengt;
271
Die werden aus der Erd gebohren,
272
Welch Wunder! wenn man dies bedenkt.
273
Ein schwarzer Grund giest seine Säfte,
274
In die entsprosnen Stengel ein;
275
Und der Natur verborgne Kräfte,
276
Gebähren einen solchen Schein:
277
So kan aus schwarzen Feuchtigkeiten,
278
Der Schöpfer allen Schmuk bereiten.

279
O! ewge Weisheit, deine Strahlen,
280
Die werden badurch offenbahr:
281
Dein Finger muß die Blumen mahlen
282
Das ist aus allen Zügen klar.
283
Die Farben zeigen ihren Meister,
284
Die Schönheit dich als Künstler an,
285
Die auch der Pinsel kluger Geister,
286
Zwar schildern, nimmer treffen kan:
287
Und darum blüht zu deinen Ruhme,
288
In ihren Schmukke jede Blume.

289
Jhr angenehmen Schildereien,
290
Gemahlte Bilder der Natur,
291
Jhr wachset um uns zu erfreuen,
292
O! zeiget uns der
293
Die euch mit solcher Pracht geschmükket
294
Woraus die holde Anmut lacht;
295
Jhr lehrt schon wenn man euch erblikket
296
Daß euch die Liebe blos gemacht,
297
Uns Menschen durch euch bunte Tokken,
298
Zur Gegenliebe anzulokken.

299
Die Vater-Güte schenkt uns Rosen,
300
Und Liljen, Nelken mancher Art;
301
Die Augen dadurch liebzukosen,
302
Weil sie hie Glanz und Schmuk verpaart.
303
Sie giebt so mannigfaltge Menge,
304
Nach jeder Art gewebt, geziert.
305
Hat sie nicht darum dies Gepränge,
306
So reizend uns zur Lust formirt,
307
Das wir daran erkennen sollen
308
Wie er uns hat vergnügen wollen?

309
O! ja der Schöpfer der uns liebet,
310
Zeigt seine ewge Vater-Güt,
311
Da er uns holde Blumen giebet;
312
Wenn ein betrachtendes Gemüt
313
Die süß empfundne Lust erweget,
314
Die sich bei Anmuhts-vollen Schau
315
In seinen Herzen freudig reget:
316
So merkt es daß der Blumen Bau,
317
Durchs Auge selbst den Geist behage,
318
Der Liebe Zeichen an sich trage.

319
Wie lieblich ist der Dunst den Nasen,
320
Der durchs Gehirn den Geist vergnügt,
321
Wenn durch ein geistig Düften, Blasen,
322
Ein Balsam aus den Blumen fliegt!
323
Wer riecht hier nicht, daß
324
Und seinen Menschen-Kindern hold,
325
Wenn er uns zum erquikten Triebe,
326
So manches frisches Labsal zollt?
327
Kan man nicht das empfundne Rauchen,
328
Zum Zeugnis seiner Güte brauchen?

329
Jhr Blumen scheint mir wie Altäre,
330
Worauf bei stiller Abenszeit,
331
Der Schöpfer sich zu seiner Ehre,
332
Vornemlich Ambra ausgestreut.
333
Wenn wir am Tag uns satt gesehen,
334
An eurer wollgeschmükten Pracht;
335
So müssen eure Düfte wehen,
336
Und uns vergnügen bei der Nacht;
337
Wenn wir uns in der Hizze kühlen,
338
Und eur gewürztes Hauchen fühlen.

339
Jhr Menschen die ihr von den Morgen,
340
Bis zu dem Abend euch stets plagt;
341
Und durch ein schwarzes Heer von Sorgen,
342
In Zweifelung, Furcht das Herze nagt;
343
Kommt her und lernt der
344
An dieser Blumen bunte Tracht;
345
Wie kann der euch nicht auch erhalten
346
Der diese so gewebt, gemacht?
347
O! Zweifler seht der
348
In Blumen aus der Erde steigen.

349
Bedenkt des ewgen Vaters Milde,
350
Verzagte die der Gram besiegt
351
Schaft er euch nicht nach seinen Bilde,
352
Warum seid ihr denn misvergnügt?
353
Jhr glaubt, daß
354
Der sonsten alle Ding ernährt,
355
Und jedem seines Leibes Essen,
356
Und Kleid und Nahrung gnug beschert:
357
Jhr irrt, der Vorsicht würkend Sehen,
358
Muß über alle Dinge gehen.

359
Geht nur in einen Blumen-Garten,
360
Da könnt ihr den Beweisthum sehn,
361
Jhr findet da so manche Arten,
362
Von Blumen schön gekleidet stehn.
363
Wer hat derselben Schmuk gesponnen,
364
Womit sie prächtig angethan;
365
Wo ist die Nahrung hergeronnen,
366
Die sie mit Saft erhalten kan;
367
Wie seht ihr nicht der Vorsicht Spuren,
368
In diesen kleinen Kreaturen?

369
Sie sagen euch mit einen Munde, Wir stammen von der Vorsicht her,
370
D
371
Sehr weislich, nicht von Ohngefehr,
372
Aus unsrer Mutter Schoos gezogen.
373
D
374
Aus Liebe gegen euch bewogen,
375
Uns euch so woll gekleidet dar,
376
D
377
Und dadurch euch im Glauben stärket.

378
Wir sind der Vorsicht Meisterstükke,
379
D
380
Wirft er auf uns sein Aug zurükke,
381
Den doch das edle Leben fehlt;
382
So könnt ihr daraus richtig schliessen,
383
Der Vater der euch Odem giebt,
384
Wird euch auch zu erhalten wissen;
385
D
386
D
387
D

388
Lernt, wenn ihr dieses Heer betrachtet,
389
Das
390
Daß der den Höchsten nur verachtet,
391
Der denkt: er sey durch sich beglükt.
392
Wie viele sind die blindlings meinen,
393
Daß sie vor sich allein bestehn,
394
Und daß ein jeder auf die Seinen
395
Ohn
396
Jhr Tohren! lernet anders denken:

397
So wenig sich die Blumen kleiden;
398
So wenig könnt ihr euch ernährn;
399
Der Höchste muß zu Speis und Freuden,
400
Euch alles mittelbahr beschern.
401
Wär das von jeden selbst erzielet,
402
Was er zum Eigenthum geniest;
403
Womit er herrlich prangt und spielet;
404
So würde das, was wächst und spriest,
405
Auch von sich selbst die Farben haben,
406
Die doch des Höchsten Gnadengaben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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