3. An Schiller

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Gotthold Friedrich Stäudlin: 3. An Schiller (1777)

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Jüngsthin log das Gerücht! dich habe die Rechte des Todes
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Mitten auf herrlicher Bahn niedergeworfen ins Grab –
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Frühe habe des Genius Flamme das schwächere Leben
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Deiner Hülle verzehrt und sie gewandelt in Staub!
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Ach da rang um den Sohn Germania weinend die Hände,
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Und wehklagte: So früh gehst du zu Lessingen schon –
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Du mein Liebling wie er, in dem ich mit Mutterentzücken
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Shakespeare und Hume zugleich keimen und reifen mir sah;
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Des gepries'nes Verdienst als einen rächenden Stachel
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Schon dem britischen Stolz stolzer entgegen ich hielt!
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Sprach's und blickte voll Schmerz auf die unvollendeten Male
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Deines Geistes – so schön in der Entstehung – herab!
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Da ertönte mit einmal die Kund': Es habe Genesung
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Ihren Balsam dir sanft über die Schläfe geträuft!
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Siehe! da jubelten wieder die Tausende, welche dich ehren,
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Thränte Freude, das Weib, Schillern zu lieben so wert –
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Und dein zärtlicher Vater! – Mir sagte die fröhliche Kunde
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Sein helleuchtender, sein himmelaufstrebender Blick!
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Hättest du ihn gesehen den Blick! Er hätte zu einem
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Meisterwerke, wie du keines noch schufst, dich entflammt!
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»meines Daseins Wonne ist mein Einziger! Lächelnd entschlaf' ich
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Mit dem Gedanken an ihn,« sagt der leuchtende Blick ....
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O noch lange – so rufet dein Freund vom Neckargestade –
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Bleibe des Redlichen Lust! Bleibe du Sueviens Stolz,
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Die den höhnenden Schwestern entgegen die ewigen Namen:
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Wieland und Schiller! ruft und zum Verstummen sie zwingt!
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Mit dem Himmelgefühl der Gesundheit in Ader und Nerve
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Wandle mutig du fort auf der Unsterblichkeit Bahn,
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Wunderbarer Proteus! und werd' in vollendeter Größe
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Deinem glücklichen Volk Shakespeare und Hume zumal.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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