Die Jungfrau und der Ritter

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Joseph von Eichendorff: Die Jungfrau und der Ritter (1839)

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Eine Jungfrau wandert' einsam
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In dem wunderschönen Frankreich,
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Gen Paris sie wollte ziehen,
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Wo die Eltern ihrer harrten;
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Von den Ihren abgekommen,
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Hatt sie sich verirrt im Walde,
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Lehnte sich an eine Eiche,
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Andre Wandrer abzuwarten.

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Kam ein Ritter da geritten,
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Gleichfalls gen Paris er trabte.
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»wenn es Euch beliebt, Herr Ritter,
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Nehmt mich mit aus diesem Walde. –«
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»herzlich gerne, schöne Herrin!«
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Und, ihr höflich aufzuwarten,
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Sprang der Ritter von dem Rosse,
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Hob hinauf sie, in den Sattel
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Drauf sich selber zu ihr schwingend.

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Aber als sie so im Walde
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Einsam ritten, da begann er
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Ihr verliebt den Hof zu machen.
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»hüt dich, Ritter, sei nicht schändlich,
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Ein Todkranker war mein Vater
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Und verpestet meine Mutter,
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Siech und elend müßt verschmachten,
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Wer mich frevelhaft berührte. –«
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Und der Ritter schwieg erblassend.
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Aber in Paris am Tore
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Still in sich die Jungfrau lachte.
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»warum lacht Ihr, schöne Herrin?« –
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ȟber den feigen Ritter lach ich,
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Der sein Mädchen hat im Freien
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Und nichts macht als Redensarten!«

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Voller Scham sprach da der Ritter:
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»kehrt noch einmal um zum Walde,
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Habe draußen was vergessen.«
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Doch die schlaue Jungfrau sagte:
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»nimmer kehr ich um, und tät ich's,
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Keiner doch wagt's, mir zu nahen,
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Denn ich bin die Tochter Frankreichs,
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Und der König ist mein Vater,
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Und wer meinen Leib berührte,
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Müßt's mit seinem Kopf bezahlen.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph von Eichendorff
(17881857)

* 10.03.1788 in Ratibor, Oberschlesien, † 26.11.1857 in Neisse, Oberschlesien

männlich, geb. Eichendorff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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