Der Unbekannte

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Joseph von Eichendorff: Der Unbekannte (1822)

1
Vom Dorfe schon die Abendglocken klangen,
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Die müden Vöglein gingen auch zur Ruh,
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Nur auf den Wiesen noch die Heimchen sangen
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Und von den Bergen rauscht' der Wald dazu;
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Da kam ein Wandrer durch die Ährenwogen,
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Aus fernen Landen schien er hergezogen.

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Vor seinem Hause, unter blühnden Lauben
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Lud ihn ein Mann zum fröhl'chen Rasten ein,
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Die junge Frau bracht Wein und Brot und Trauben,
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Setzt dann, umspielt vom letzten Abendschein,
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Sich neben ihn und blickt halb scheu, halb lose,
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Ein lockig Knäblein lächelnd auf dem Schoße.

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Ihr dünkt, er wär schon einst im Dorf gewesen,
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Und doch so fremd und seltsam war die Tracht,
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In seinen Mienen feur'ge Schrift zu lesen
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Gleich Wetterleuchten fern bei stiller Nacht,
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Und traf sein Auge sie, wollt ihr fast grauen,
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Denn 's war, wie in den Himmelsgrund zu schauen.

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Und wie sich kühler nun die Schatten breiten:
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Vom Berg Vesuv, der über Trümmern raucht,
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Vom blauen Meer, wo Schwäne singend gleiten,
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Kristallnen Inseln, blühend draus getaucht,
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Und Glocken, die im Meeresgrunde schlagen,
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Wußt wunderbar der schöne Gast zu sagen.

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»hast viel erfahren, willst du ewig wandern?«
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Sprach drauf sein Wirt mit herzlichem Vertraun,
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»hier kannst du froh genießen wie die andern,
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Am eignen Herd dein kleines Gärtchen baun,
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Des Nachbars Töchter haben reiche Truhen,
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Ruh endlich aus, brauchst nicht allein zu ruhen.«

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Da stand der Wandrer auf, es blühten Sterne
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Schon aus dem Dunkel überm stillen Land,
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»gesegn euch Gott! mein Heimatland liegt ferne. –«
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Und als er von den beiden sich gewandt,
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Kam himmlisch Klingen von der Waldeswiese –
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So sternklar war noch keine Nacht wie diese.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph von Eichendorff
(17881857)

* 10.03.1788 in Ratibor, Oberschlesien, † 26.11.1857 in Neisse, Oberschlesien

männlich, geb. Eichendorff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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