1.

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Joseph von Eichendorff: 1. (1814)

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Was klingt mir so heiter
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Durch Busen und Sinn?
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Zu Wolken und weiter,
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Wo trägt es mich hin?

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Wie auf Bergen hoch bin ich
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So einsam gestellt
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Und grüße herzinnig,
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Was schön auf der Welt.

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Ja, Bacchus, dich seh ich,
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Wie göttlich bist du!
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Dein Glühen versteh ich,
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Die träumende Ruh.

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O rosenbekränztes
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Jünglingsbild,
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Dein Auge, wie glänzt es,
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Die Flammen so mild!

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Ist's Liebe, ist's Andacht,
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Was so dich beglückt?
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Rings Frühling dich anlacht,
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Du sinnest entzückt. –

21
Frau Venus, du Frohe,
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So klingend und weich,
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In Morgenrots Lohe
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Erblick ich dein Reich

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Auf sonnigen Hügeln
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Wie ein Zauberring. –
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Zart' Bübchen mit Flügeln
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Bedienen dich flink,

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Durchsäuseln die Räume
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Und laden, was fein,
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Als goldene Träume
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Zur Königin ein.

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Und Ritter und Frauen
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Im grünen Revier
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Durchschwärmen die Auen
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Wie Blumen zur Zier.

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Und jeglicher hegt sich
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Sein Liebchen im Arm,
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So wirrt und bewegt sich
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Der selige Schwarm. –

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Die Klänge verrinnen,
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Es bleichet das Grün,
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Die Frauen stehn sinnend,
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Die Ritter schaun kühn.

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Und himmlisches Sehnen
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Geht singend durchs Blau,
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Da schimmert von Tränen
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Rings Garten und Au. –

49
Und mitten im Feste
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Erblick ich, wie mild!
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Den stillsten der Gäste. –
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Woher, einsam Bild?

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Mit blühendem Mohne,
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Der träumerisch glänzt,
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Und mit Lilienkrone
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Erscheint er bekränzt.

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Sein Mund schwillt zum Küssen
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So lieblich und bleich,
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Als brächt er ein Grüßen
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Aus himmlischem Reich.

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Eine Fackel wohl trägt er,
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Die wunderbar prangt.
63
»wo ist einer«, frägt er,
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»dem heimwärts verlangt?«

65
Und manchmal da drehet
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Die Fackel er um –
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Tiefschauernd vergehet
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Die Welt und wird stumm.

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Und was hier versunken
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Als Blumen zum Spiel,
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Siehst oben du funkeln
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Als Sterne nun kühl. –

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O Jüngling vom Himmel,
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Wie bist du so schön!
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Ich laß das Gewimmel,
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Mit dir will ich gehn!

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Was will ich noch hoffen?
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Hinauf, ach hinauf!
79
Der Himmel ist offen,
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Nimm, Vater, mich auf!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Joseph von Eichendorff
(17881857)

* 10.03.1788 in Ratibor, Oberschlesien, † 26.11.1857 in Neisse, Oberschlesien

männlich, geb. Eichendorff

natürliche Todesursache | Lungenentzündung

bedeutender Lyriker und Schriftsteller der deutschen Romantik

(Aus: Wikidata.org)

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