An die übelsehende Lupina, da sie sich be- schlaffen lassen

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Johann Georg Gressel: An die übelsehende Lupina, da sie sich be- schlaffen lassen (1716)

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Lupina brich den Brief/ den eine fremde Hand
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Als einen Glückes-Wunsch zu deiner Wohnung schicket/
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Weil dich der
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Und du als Jungfer mehrst mit Leuten unser Land.
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Es ist die gantze Stadt mit Lästern zwar erfüllt/
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Den guten Leumuth will ein schwartzer Kyehn-Ruß färben;
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Und daß du ungefreyt die Jungfer lassen sterben/
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Verursacht/ daß man dich vor eine H - - schillt.
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Doch dieses schimpffet nicht/ weil man die Jungfer nennt
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Die schon zum fünfften mahl die Welt als Jungfer mehren.
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Wie solt
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Er wird ein schadhafft Glas auch vor ein Glas erkennt.
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Weil nun ein schadhafft Glas so wie ein gutes heist/
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So muß ich gleich als du das allbern Thun verlachen/
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Daß dich der Neidhard will zu einer H - - machen
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Da man die H - - liebt/ und in die Jungfer schmeist.
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Da man in
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Was redt der Herre da? was soll der Schimpff bedeuten
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Man zieh die Pfeiffen ein von so verhaßten Leuten/
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Mein Mädgen will nicht mahl als Jungfer seyn geehrt.
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Was wunder ist es dann/ daß auch
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Nicht mehr gescholten seyn/ daß sie den Nahmen hasset
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Worauf ein Knittel-Dirn nicht in Gedancken passet/
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Und daß sie ferner nicht wil seyn des Neides Ziel.
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Denn wozu nutzet es/ daß man die Jungferschafft/
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Die so beschwerlich ist/ muß bis ins Eh-Bett tragen?
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Daß man mit Keusch-seyn sich muß alle Tage plagen?
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Das zehn mahl bittrer ist als scharffer Wermuths-Safft.
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Viel besser ists/ daß man auch sonder Ehe schmeckt/
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Was das beschworne Band der vesten Treue schencket/
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Daß man den freyen Leib zur
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Und unbejocht den Hals zu ihrem Wagen streckt.
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Die Nessel brennet schon eh sie zum Busch gedeyt/
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Und was ein Hacke wird das krümmet sich bey Zeiten/
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So machts
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Und lernt als Jungfer an des Ehstands Süssigkeit.
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Die Bohne düngt das Land/ so sie hervor gebr
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Die schön gezierte Blum/ die man
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Macht/ daß die Fettigkeit ihr Lust Bett nie verkennet
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So hat
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Doch alles weggelegt/ und nur auf dis gesehn/
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So läst sich deine That mit Lobe noch beblümen/
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Sie ist nicht Scheltens werth/ sie ist vielmehr zu rühmen/
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Denn weil dir dein Gesicht durch Unfall will entgehn/
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So hast du wol gedacht/ daß/ da vier Augen mehr
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Als zweene können sehen/ und dich dazu bequehmet/
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Daß man mit zwenen dich zu deinen noch besämet
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Damit dein Mangel sich im Uberfluß verkehr.
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Drum lache nur mit mir die tummen Leute aus/
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Die wegen deinen Nutz/ und höchstbedürfftgen Sachen/
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Dich wollen mit Gewalt zu einer H - - machen
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Und reithe stattlich zu auf einen Pahten-Schmaus.

(Celander [i. e. Gressel, Johann Georg]: Verliebte-Galante/ Sinn-Vermischte und Grab-Gedichte. Hamburg u. a., 1716.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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