33.

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Gerhard Tersteegen: 33. (1733)

1
Siehe, du bist schön, meine Freundin! Hoheslied 1, 15

2
Siehe, mein Freund, du bist schön! V. 16

3
Den Spiegel lassen wir, mein Gott, mein Lieb', nur dar,
4
Ich spiegle mich in deiner Klarheit,
5
Ich will nur dich sehn, höchste Wahrheit,
6
Mich selbst vergessen und ohn' Rückblick leben gar.

7
Daß ich mich selbst noch find', ist unerträglich mir,
8
Ich will sehn meinen Gott alleine;
9
Du, den ich lieb', anbet' und meine,
10
Ei, warum bin ich noch, warum find' ich mich hier?

11
Vernichtige du mich, leb in dir selbst allein,
12
Man finde
13
Soll, großer Gott, die Lieb' im höchsten Grade stehen,
14
Dann muß man sie verliern; was kann wohl süßer sein!

15
Sich selbst sehn, sich beschaun und, daß man dich liebt, schätzen,
16
Ist Selbstbetrug und nimmer wahr;
17
Man muß sich selbst vergessen gar,
18
Sonst will man ohne Grund sich selber nur beschwätzen.

19
Ein Selbstliebhaber spricht, er liebe meinen Meister,
20
Ich glaub's nicht, wär' er auch noch dreister;
21
Liebst du ihn, zeige deine Treu,
22
Daß er dein Gut allein und ganze Stütze sei!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gerhard Tersteegen
(16971769)

* 25.11.1697 in Moers, † 03.04.1769 in Mühlheim an der Ruhr

männlich, geb. Tersteegen

deutscher Laienprediger und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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