570. Dunkle Glaubensüberlassung

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Gerhard Tersteegen: 570. Dunkle Glaubensüberlassung (1733)

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Jetzt hält mein Freund sich auf im Kabinett inwendig,
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Ich nicht zu sehn und nicht zu wissen tracht';
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Mein Sehn macht mich zum Sehn untüchtig und elendig,
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Ich kann nicht gehn hinein, ich muß am Türlein wachen,
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Mit seinem Tun vergnügt, laß ich ihn immer machen.
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Doch in mir bin ich arm und bloß,
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Die Dürr- und Dunkelheit ist groß,
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Ich soll dennoch nicht weinen und nicht klagen,
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Nicht sehen um, nicht fürchten und nicht fragen:
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»wo bin ich hier, Ist dies der rechte Pfad?«
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Ich leb' so hin auf Gottes Gnad',
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Das Ruder ist nicht mehr in meiner Hand,
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Gott weiß, wo noch mein Schifflein findet Land;
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Ich bin zufrieden doch in dieser meiner Pein,
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Die Überlassung muß jetzt ohne Schranken sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gerhard Tersteegen
(16971769)

* 25.11.1697 in Moers, † 03.04.1769 in Mühlheim an der Ruhr

männlich, geb. Tersteegen

deutscher Laienprediger und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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