Ach Freund! so war für dich kein später Ziel zu hoffen?

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Johann Christoph Gottsched: Ach Freund! so war für dich kein später Ziel zu hoffen? Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Ach Freund! so war für dich kein später Ziel zu hoffen?
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O unverhoffter Schmerz, der unsre Brust betroffen!
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Fünf Tage sahen dich gesund und krank und blaß,
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Und auf der Baare stehn. Ach! wer gedachte das,
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Als du vor kurzer Zeit bey guten Freunden saßest,
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Und in erlaubter Lust die letzte Mahlzeit aßest?
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Die letzte, wo du dich in dieser Welt ergetzt,
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Und wo der Traurigste den Gram beyseite setzt;
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Die letzte, wo dein Mund gelachet und gescherzet,
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Und keiner das besorgt, was uns nunmehro schmerzet.

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Was thut der Pöbel nun, den sonst dein Geist gestört?
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Er lacht und freuet sich, wenn er uns klagen hört;
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Und glaubt, nun sey es Zeit, da deine Lippen schweigen,
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Den alten Groll einmal ganz ungescheut zu zeigen.
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Wie sonst der kühne Leu, der ganze Wälder schreckt,
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Nach welchem, weil er lebt, kein Thier die Klauen streckt,
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Wenn er erstarrt und stirbt und seine Kräfte scheiden,
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Auch feiger Hasen Spott und Uebermuth muß leiden.
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So lang er lebend war, schien auch der Wiederhall
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Von seiner Stimme, schon ein harter Donnerknall:
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Doch itzt hat alles Herz, sich frech an ihn zu wagen,
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Itzt will kein fauler Hund an seiner Kraft verzagen.

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Allein, wie geht es zu, Freund! der du uns ergetzt,
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Daß man im Leben dich so fürchterlich geschätzt?
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Und daß der Pöbel sich nicht länger kann enthalten,
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In unser Klagelied sein Lästern einzuschalten?
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Sein schwarzes Thun hat Schuld, daß er die Billigkeit,
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Die deinen Mund belebt, so wie das Licht gescheut.
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Daher entstund die Furcht, du möchtest Maal und Flecken,
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Die er zu sehr geliebt, durch deinen Witz entdecken.
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Dein Blick durchdrang die Nacht, darinn die Thorheit wohnt,
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Die tausend Laster heckt, und gern im Dunkeln thront.
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Umsonst war sie bedacht, ihr lächerlich Bemühen,
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Das sie für Klugheit hält, dir gänzlich zu entziehen.
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Dein allzuscharfer Sinn erforschte bald den Grund:
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Und ein gesalznes Wort that oft dein Urtheil kund,
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Und wußte mit Vernunft, in ungereimten Werken,
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Den Tadel, der sie traf, recht sinnreich anzumerken.

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Das war dein Fehler, Freund! dieß scheute mancher Thor,
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Dieß rückte dir der Schwarm der Lasterhaften vor;
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Der selbst so witzig ist, da ihn doch Balken drücken,
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Dem Nächsten, der ihn straft, auch Splitter vorzurücken.
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Durchgeht, dafern ihr wollt, die Gassen unsrer Stadt,
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Und fraget jedermann, der nur zwo Lippen hat,
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Wie dieser Nachbar heißt? was er für Titel führet?
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Womit er sich erhält? wie er sein Haus regieret?
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Ob ihn sein Weib auch ehrt? wie Sohn und Tochter lebt?
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Was er bereits erlangt? wornach er künftig strebt?
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Und was dergleichen mehr für Fragen fallen können;
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Wenn man der Lästerung ein offnes Ohr will gönnen.
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Da wird der größte Thor, der noch sich selbst nicht kennt,
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Kaum seinen Namen weis, recht ausspricht, oder nennt,
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Doch seines Nachbars Thun, Stand, Wesen und Bemühen
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Aufs unbarmherzigste durch seine Hechel ziehen.

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Dieß ist die alte Pest, die alles angesteckt;
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Die durch ihr Schmähen oft die Großmuth selbst erschreckt;
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Und wenn sie gar nichts weis, der Tugend Schuld zu geben,
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Die gröbsten Lügen speyt, ihr etwas anzukleben.
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Was einer ausgeheckt und hämisch vorgebracht,
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Wird in der ganzen Stadt viel tausendmal belacht,
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Vergrößert, umgekehrt, vergiftet und vergället:
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Wie sonst ein Schneeball wächst, der vom Gebirge fället.
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So klein er anfangs ist, so gräulich wächst er an,
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Indem er tiefer rollt, und nirgends ruhen kann;
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Bis endlich solch ein Klump, der Mensch und Thiere schrecket,
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Ein ganzes Thal erfüllt, und Feld und Dorf bedecket.

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Beschämte, durch ein Bild von sonderbarer Art,
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Die schwarze Lästerung, die sich an ihm gerieben:
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Denn anders dacht er nicht die Rach an ihr zu üben.
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Er malte rechter Hand den dummen
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An dem das Eselsohr den ungeschliffnen Sinn
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Und schnöden Vorwitz wies; zwey Weiber ihm zur Seiten,
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Dadurch den Unverstand und Argwohn anzudeuten.
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Zu diesem eilte nun die schnöde Lästersucht,
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Ein schön geschmücktes Weib; die sonder Scham und Zucht
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Halbrasend vorwärts strebt, und zornig im Gesichte
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Die ihre Linke trägt; indem die wilde Glut
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Sie ganz verschmelzt und frißt, und ihr fast Schaden thut.
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Die Rechte schleppt das Haupt der Unschuld bey den Haaren;
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Die einem Jüngling gleicht, der ihren Grimm erfahren.
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Er streckt der Arme Paar, so hoch er immer kann,
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Und rufft des Himmels Schutz um Hülf und Beystand an.
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Es geht ein Mann vorher, mit eingefallnen Wangen,
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Ganz blaß und abgezehrt, wie die, so was begangen.
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Sein Namen heißt der Neid. Er dürstet recht nach Schmach.
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Von hinten treten ihm zwey andre Weiber nach,
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Als Arglist und Betrug, die Lästerung zu schmücken.
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Am Ende läßt sich nur die Reue noch erblicken;
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Sie trägt ein Trauerkleid, sieht thränend hinterwärts,
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Und klaget voller Scham der Wahrheit ihren Schmerz,
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Die ganz von weitem folgt. So war das Bild erfunden,
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Womit

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O! stünd er wieder auf, und käm in unsre Stadt,
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Wo seines Pinsels noch so mancher nöthig hat:
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Was würd' er nicht auch hier der armen Unschuld dienen,
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Die von der Lästersucht oft unterdrückt geschienen!
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Gleichwohl, da jeder Thor sich selbst zum Richter setzt,
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Den Nächsten nicht einmal verhörungswürdig schätzt,
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Und hinterrücks verdammt, will man sich noch beklagen,
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Wenn Kluge hier und dar die trockne Wahrheit sagen;
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Wenn Männer, deren Wort mit Salz gewürzet ist,
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Von deren Lippen nur Vernunft und Wahrheit fließt,
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Die Thorheit ihrer Zeit zuweilen mit belachen,
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Doch nie, wie andre thun, aus Lügen Wahrheit machen.

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So war nun
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Nichts anders, als die Frucht von Wahrheit und Verstand.
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Wer hat ihn je gehört der wahren Tugend spotten?
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Wer ist so unverschämt, daß er ihn zu den Rotten
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Der Glaubensspötter zählt, die Gott und Schrift verschmähn?
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Wer hat ihn in der Zahl der Schmäuchler je gesehn,
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Die um ein fettes Maul, um Hoffnung, Gunst und Gaben,
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Der Thoren schnödes Thun so oft vergöttert haben?
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O nein! er that es nicht! von solcher Sclaverey
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War sein erhabner Geist und edler Griffel frey;
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Sein Griffel, der auch oft der Großen nicht geschonet,
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Und ihre Fehler nie mit falschem Ruhm belohnet.
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Sein Griffel, der so schön, so rein, so lebhaft schrieb,
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Daß er der deutschen Welt ein deutlich Muster blieb,
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Wie man recht schreiben soll, wenn man mit Witz will schreiben,
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Und unsrer Sprache Schmuck bis auf das Höchste treiben.
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Der große
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Und
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Daß ihn die späte Zeit, die dieses Buch wird kennen,
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Den deutschen

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Dieß ist dein wahres Lob, zu früh erblaßter Freund!
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Ein Lob, das dir vieleicht zu hoch getrieben scheint,
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Doch mir zu klein bedünkt. Dein aufgewecktes Wesen,
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Das uns dein Umgang wies, war edel und erlesen.
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Dein witzerfüllter Mund schien Frankreich, Rom, Athen
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An Artigkeit und Salz und Anmuth gleich zu gehn.
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Ihr Freunde! sammlet doch sein Scherzen und sein Lachen:
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So wird noch
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Und Leipzig rühmlich seyn: das seiner Kinder Preis,
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Aus Neid, nicht allemal nach Werth zu schätzen weis;
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Und oft bey Wälschen sucht, bey Franzen und bey Britten,
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Worinn es ihnen selbst den Vorzug abgestritten.

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Wo bleibet noch dein Tod, dem dein gesetzter Muth
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Getrost entgegen gieng; als dir dein eignes Blut,
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Der edle Lebenssaft, des Lebens Ende dräute?
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Wer sah, daß hier dein Geist sein nahes Sterben scheute?
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Du stelltest deinen Sinn in Gottes Herz und Sinn!
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Darauf entwich dein Geist; und zweifelsfrey dahin,
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Wo die Gerechten stehn, die so, wie du hiernieden,
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In fester Zuversicht auf Gottes Huld verschieden.
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Geneuß der Herrlichkeit, die dir bestimmet ist,
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Und glaube, daß du hier ganz unvergeßlich bist;
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So lange man nicht wird von klugen Federn schweigen,
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Und deine Schriften noch von deinem Geiste zeugen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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