Ein Thor, der sich der Schaar der Spötter beygesellt

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Johann Christoph Gottsched: Ein Thor, der sich der Schaar der Spötter beygesellt Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Ein Thor, der sich der Schaar der Spötter beygesellt,
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Der den
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Der vom
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Und allen Gottesdienst des Christenvolks verlachet;
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Ein Lästrer, der von nichts, als Aberglauben, schreyt,
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Und unsern Glaubensbau herum zu stoßen dräut,
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Wird heute, da er sieht acht Glaubenslehrer krönen,
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In seiner Phantasey, das ganze Werk verhöhnen.

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Ich höre, wie mich dünkt, der frechen Mäuler Wort,
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Sie ruffen: Blinde Welt! was willst du fort und fort
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Dem matten Christenthum mehr neue Seulen schnitzen,
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Und das geschwächte Reich des Unverstandes stützen?
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Ach! warum willst du stets mit Maulwurfsaugen sehn?
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Laß doch den freyen Blick zur Wahrheitsonne drehn,
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Und deine Kinder nicht, auf hundert hohen Schulen,
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So eifrig um das Bild des Aberglaubens buhlen.
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So bald der Doctorhut die schwachen Häupter drückt,
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So bald das Mantelkleid die stolzen Schultern schmückt,
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Wird auch der blöde Geist mit dunklem Flor verhangen:
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Denn der verhaßte Schmuck nimmt allen Witz gefangen.
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Wer die Vernunft erhebt, der wird ihr ärgster Feind,
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Sie lieben nichts, als das, was unbegreiflich scheint:
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Und will man nicht den Tand verlachter Fabeln glauben;
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So wird man uns gar bald Stand, Gut und Leben rauben.
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So rufft das tolle Volk in seiner Raserey,
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Und setzet sich hernach den starken Geistern bey,
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Die sich an Thorheit zwar, als ungeheure Riesen,
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Doch am Verstande selbst noch viel zu schwach erwiesen.

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Wiewohl
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Der eiteln Spötterzunft nur mit Erbarmen an.
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Sie seufzet, sie beginnt die Stimme zu erheben,
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Und will, voll Sanftmuth, dieß zur klugen Antwort geben:
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Wie jammert mich, o Mensch! dein grober Unverstand?
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Hat unser Glaube nicht den Aberwitz verbannt?
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Ein Christ muß die Vernunft und Offenbarung lieben,
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Denn beydes hat ihm Gott zur Richtschnur vorgeschrieben.
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Die Wahrheit ist ihm lieb, erlogne Fabeln nicht;
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Er flieht, was der Natur der Seele widerspricht:
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Das ganze Christenthum läßt nur gesunde Lehren,
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Hingegen nicht ein Wort vom Aberglauben hören.
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Vergebens ist also die freche Lästerung,
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Des Christenglaubens Grund ist fest und sicher gnung:
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Man darf die Spötterey und das vergebne Dräuen
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Verwegner Lästerer in Ewigkeit nicht scheuen.
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Wenn mancher
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Verstummt der feige Schwarm besiegter Atheisten.
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Wie kömmt das? Die Vernunft ficht selber für die Christen.

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Kein Wunder, daß man itzt der Helden Zahl vermehrt,
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Wodurch die Christenheit der Spötter Heer zerstört,
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Die Gläubigen beschützt, den kühnen Feind bestreitet,
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Und das verirrte Volk auf beßre Wege leitet.
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Weg dann! mit eurer Wuth aus unserm Freudensaal,
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Verberget oder hemmt des argen Herzens Qual:
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Die Männer, die ihr seht zu größern Würden steigen,
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Die sollen euch gar bald den schnöden Irrthum zeigen.

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Drum auf! mein
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Die dein Verdienst dir giebt. Was soll der blöde Muth,
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Der dir bisher geraubt, was dir vorlängst gebühret,
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Wenn dein gelehrter Fleiß die Lindenstadt gezieret?
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Man frage nur die Schaar, die deine Lehren kennt,
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Und itzt bey deinem Glück von Lust und Freude brennt:
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Ich weis, ich weis gewiß, sie wird sogleich gestehen,
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Daß nichts, als dein Verdienst und Tugend dich erhöhen.
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Noch mehr, ganz Leipzig hat den Eifer längst gespürt,
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Der manches Felsenherz, dem Donner gleich, gerührt,
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Wenn du mit Muth und Kraft, zu jedermanns Vergnügen,
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Den hohen Predigtstuhl im Tempel oft bestiegen.
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Dein Vortrag ist sehr weit von jenem Wahn entfernt;
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Der manchen Mund bethört, daß er nur künsteln lernt.
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Du suchest keinen Ruhm, du wünschest zu erbauen,
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Und lässest, was du lehrst, in deinem Wandel schauen.

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Glück zu, belobter Mann! zu deiner neuen Tracht!
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Der Himmel, der dir selbst die Würde zugedacht,
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Wird ferner seine Gunst, wird ferner seinen Segen,
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Zu deinem Lehreramt, zu deiner Arbeit legen.
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Dein Namen zeiget schon dein großes Wesen an;
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Man weis, was vormals hier ein Pfeifer schon gethan.
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Jedoch man prophezeiht aus hundert guten Zeichen:
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Der erste

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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