Daß der Mensch selbst an seiner Verdammung Schuld sey

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Johann Christoph Gottsched: Daß der Mensch selbst an seiner Verdammung Schuld sey (1733)

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So fahrt nur immer fort in eurer Sicherheit!
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Versäumet unverschämt die kurze Gnadenzeit,
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Verkehrte Sterbliche! die ihr den Höchsten hasset,
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Und euer blindes Herz dem Frevel überlasset.
5
Wie läuft doch euer Fuß so hurtig höllenwärts!
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Erweichet doch einmal das felsenharte Herz.
7
Auch euch will Gottes Huld sehr gern zum Himmel bringen,
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Doch keinen mit Gewalt zum frommen Leben zwingen.

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Zween Wege hat uns Gott in Gnaden vorgelegt,
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Wo einer dornicht ist, der andre Rosen trägt.
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Der eine führet uns zum unverwelkten Leben,
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Der andre kann uns nichts, als Tod und Marter, geben.
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Aus Huld verstattet er uns Menschen allzumal
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Die unumschränkte Macht, die mehr als freye Wahl,
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Den Rosen hold zu seyn, die Dornen auszulesen,
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Der Höllen zu zu gehn, und ewig zu genesen.
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Ihr Sünder! ist die Schuld nicht euer ganz allein,
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Wenn ihr so bosheitvoll, so thöricht wollet seyn;
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Daß der verirrte Geist den Himmel von sich schiebet,
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Und nach verkehrter Art die gröbsten Laster liebet.

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Indessen, großer Gott! bist du so liebesvoll,
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Wenn dein ergrimmter Arm die Frevler strafen soll;
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Daß du die Missethat nicht gleich so völlig lohnest,
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Und erst die Leiber strafst, die Seelen noch verschonest.
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Gewiß, es mangelt dir an schweren Strafen nicht;
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Du weist so manche Qual zu deinem Zorngericht.
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Es fehlt dir, Höchster! nie an scharfen Donnerschlägen,
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Ein ungehorsam Volk ins schwarze Grab zu legen.
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Seht! wie der lichte Blitz der Wolken Dampf durchdringt;
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Hört! wie der laute Knall in dicken Lüften klingt;
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Und schließt: wie groß der sey, der euch mit seinen Wettern,
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Der Mauren und Gewölb und Thürme kann zerschmettern.

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Verwegne! denkt dabey, was ihr für Gräuel thut!
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O! macht den Glauben rein, und euren Wandel gut;
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Sonst möchte Gott dereinst, mit gleichen Schwefelkeilen,
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Zum wohlverdienten Lohn begangner Sünden eilen:
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Ja schont die Langmuth hier; so wird doch jene Pein,
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Die unaufhörlich währt, der Laster Strafe seyn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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