Das deines Bruders Hand mir eingeliefert hat

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christoph Gottsched: Das deines Bruders Hand mir eingeliefert hat Titel entspricht 1. Vers(1733)

1
Das deines Bruders Hand mir eingeliefert hat.
2
Nun bin ich wieder froh, daß sich dein Kiel bequemet,
3
Und sich der deutschen Art im Schreiben nicht geschämet.
4
Die Worte fließen dir so sanft, so zart und rein,
5
So munter, deutlich, voll, so schön und ungemein,
6
Als hätte
7
In
8
Die Franzen werden stolz, wenn du französisch schreibst,
9
Und zu der Missethat auch deinen Diener treibst,
10
Der doch auch deutsch versteht. Verspare doch dein Wissen
11
Für jene, die vieleicht, wie Hunde, bellen müssen,
12
Wenn man sich nicht bequemt und ihre Mundart spricht:
13
Bey Deutschen schimpfe nur durchaus das Deutsche nicht.
14
Ich selber hab es schon dem Himmel abgebethen,
15
Daß ich

16
Allein,
17
Den sonst geführten Krieg, und giebest dich zur Ruh?
18
Du bist ja stark genug, an Muth und Kraft zu schätzen,
19
Was dir so wohl gelung, noch ferner fortzusetzen.
20
Ich bin der Gegner nicht, der dich besiegen kann,
21
Du triffst fürwahr so leicht nicht deinesgleichen an:
22
An Schönheit bist du leicht den Schönen überlegen,
23
Und Männer scheuen dich, um deines Geistes wegen.
24
Von beyden hat mich längst die volle Kraft gerührt:
25
Wie schnell war ich besiegt! Wie bald hab ich gespürt,
26
Daß auch ein starkes Herz, das nicht so leicht verzaget,
27
Sich niemals ungestraft an deine Größe waget.

28
Was
29
Daß sie mir selbst durch dich die Antwort schreiben ließ.
30
Sie lebt ja noch in dir, an Geist, Gestalt und Gaben,
31
Der Stand gebricht dir nur: den darfst du auch nicht haben;
32
Ja du verlangst ihn nicht, seit dem du mit Verstand,
33
Nach Philosophenart, der Stände Werth erkannt.
34
Du hast ja eingesehn, daß sonder Witz und Tugend
35
Auch Fürsten Sclaven sind; und deine weise Jugend,
36
Durch Zucht und Artigkeit und vieler Gaben Pracht,
37
Weit mehr, als edel ist, ja Fürsten schamroth macht.
38
Doch hab ich mit Bedacht, was du befahlst, gelesen:
39
Und wie beschämte mich dein witzerfülltes Wesen,
40
Womit du mich berückt! Indessen, wie mich deucht,
41
Fällt dir die Antwort selbst, in meinem Namen leicht.
42
Ich bin kein
43
(vom Höcker sag ich nichts) und hab es oft erfahren,
44
Daß eine weise Frau auch einen klugen Mann,
45
Durch Lieb und Ehestand, recht glücklich machen kann.
46
Das schönste Beyspiel schwebt dir täglich vor den Augen:
47
Warum soll

48
Ich bin im übrigen sehr wohl damit vergnügt,
49
Daß dein vollbrachtes Werk so wohl verwahret liegt;
50
Und werde mich gewiß ohn Unterlaß befleißen,
51
Die arme Prinzeßinn dem Kloster zu entreißen.
52
Sie hat sich ja verjüngt: was soll das arme Kind
53
Noch in der Finsterniß, wo Geist und Lust verschwindt?
54
Und willst du mir erzürnt den edlen Raub verwehren:
55
So will ich dich auf Treu und Redlichkeit beschwören,
56
Die dir gewiß befiehlt, die Misgunst zu verschmähn,
57
Auf deiner Schwestern Nutz und deinen Ruhm zu sehn;
58
Ja, müßt ich, dich zu sehn, nach
59
Mir selbst den

60
Ich schließe. Lebe wohl und so vergnügt, als ich!
61
Doch denke, wenn du kannst, zuweilen auch an mich!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.