An Se. Hochfürstl. Durchl. den Herzog zu Schleßwig-Holstein, Herrn Friedrich Ludewig, des schw. Adlerordens Rittern, Königl. Preuß. Generalfeldmarschall und Statthaltern zu Königsberg

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Johann Christoph Gottsched: An Se. Hochfürstl. Durchl. den Herzog zu Schleßwig-Holstein, Herrn Friedrich Ludewig, des schw. Adlerordens Rittern, Königl. Preuß. Generalfeldmarschall und Statthaltern zu Königsberg (1733)

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Held! dessen Scheitel kaum von so viel Myrthen glänzt,
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Als Lorberzweige sonst dein fürstlich Haupt umkränzt;
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Und dessen Arm sowohl die Feder, als den Degen,
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Zu dieses Reiches Wohl bemüht ist anzulegen;
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O Held! wenn mich bisher die Ehrfurcht schweigen hieß,
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Wenn ich zu deinem Ruhm kein Lied erschallen ließ:
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So wollte sich dein Knecht nicht zweifelhaft bedenken,
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Ob er auch schuldig sey, dieß Opfer dir zu schenken?
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Ach nein! das war der Grund des langen Schweigens nicht.
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Ich fand mich noch zu schwach zu einem Lobgedicht;
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Und mußte mich noch stets bey deinem Glanze scheuen,
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Durch rauher Seyten Klang dein Jauchzen zu entweihen.

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So schränkte sich mein Trieb, nach meinen Kräften, ein,
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So ließ ich meinen Schwung den Flügeln ähnlich seyn:
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Weit klüger, als wenn sich Verwegne unterwinden,
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Dir, Herr! an Weihrauchs statt, Wacholdern anzuzünden.
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Denn da ich selbst bisher, in der gekrönten Schaar
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Der Musen Königsbergs ein junger Lehrling war:
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Vertrieb ich mir die Zeit mit kleinen Nebenwerken,
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In Hoffnung, daß die Kunst sich mit den Jahren stärken,
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Und höher steigen würd', als bis anher geschehn.
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Indessen, wenn man dich, o Fürstenhaupt! gesehn,
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In unsers Königs Dienst, des Abends, wie am Morgen,
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Bey Tage, wie bey Nacht, der Preußen Heil besorgen;
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So, daß dich auch dein Feind darum nicht schelten kann;
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Dann hub ich oftermals die heißen Seufzer an:
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Ach! könnte doch die Kunst den hohen Grad erreichen,
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Und meine Poesie des Herzogs Thaten gleichen:
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So sollte künftighin mein Dichten ganz allein
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Zu dieses Helden Lob von mir gewidmet seyn.
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Ich brannte gleich vor Lust den schlechten Reim zu adeln,
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Ich fieng bald dieß, bald das, an andern an zu tadeln,
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Und besserte dabey der eignen Zither Klang;
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Indem ich viel und oft geringe Lieder sang,
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Mein ungeübtes Rohr, durch wiederhohltes Singen,
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In der belobten Kunst zur Fertigkeit zu bringen.
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Zuletzt besann ich mich auf ein geschicktes Blatt,
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Das deinen Ruhm, o Held! zu seinem Endzweck hat.
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Wiewohl der Vorsatz fängt mich plötzlich an zu reuen:
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Mein Räuchwerk taugt noch nicht, auf dein Altar zu streuen.

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Ja, Herr! ich hätte dieß wohl nimmermehr gethan,
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Ich bliebe, wie zuvor, auf der gemeinen Bahn;
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Wo heische Sänger sich mit lahmen Stimmen wagen,
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Und doch voll Hoffnung sind, ein Lob davon zu tragen.
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Allein, was war zu thun? Dein Haar ist längst beschneyt,
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Dein hohes Alter wächst, und reifet mit der Zeit;
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Und möchte mir vieleicht ins künftige verwehren,
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Den demuthvollen Blick auf deinen Glanz zu kehren.
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Wer allzulange harrt versäumt zuletzt die Pflicht:
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Drum wagte sich dein Knecht, (mein Herzog zürne nicht!
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Viel andre thun es ja, die nicht viel besser singen)
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Dieß Lied, so hart es klingt, vor dein Gehör zu bringen.

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Doch allzuviel gewagt! es reut mich abermal,
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Was dringt mein kühner Fuß in deinen Hochzeitsaal?
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Mein finstres Auge starrt, wo tausend Lampen brennen,
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Und kann vor Glanz und Licht und Schimmer nichts erkennen.
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Was greift mein heisrer Mund, der dich kaum nennen kann,
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Dein Lob, das rechte Werk der größten Dichter, an?
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Wie kann mein matter Arm die stumpfe Feder schärfen,
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Der Anmuth seltne Pracht, der Fürstinn zu entwerfen,
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Die noch itzund die Spur des Wesens blicken läßt,
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Das sie vor langer Zeit, am ersten Hochzeitfest,
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Göttinnen gleich gemacht. Wie könnt ich wohl des Helden,
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Des großen Fürstensohns erworbnen Ruhm vermelden;
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Des Sohns, in dem der Geist des tapfern Vaters sitzt,
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Auf den mein König selbst mit Gnadenstralen blitzt.
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Wie weis mein blöder Blick mit unverwandten Sinnen,
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Das sternengleiche Licht erlauchter Prinzeßinnen
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Von nahem anzusehn? Nein, nein! das ist zu schwer,
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Wo nähme wohl mein Geist dergleichen Kräfte her?
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Drum, Herr! verzeihe mir, ich habe mich vergangen,
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Ich will mich niemals mehr ein gleiches unterfangen.

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Dein allzuschweres Lob ersetzt dieß Wunschgedicht:
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Gott trenne noch das Band der festen Ehe nicht!
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Ein immerwährend Glück muß Hollsteins Haus vergnügen!
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Mehr kann, mehr darf ich nicht zu diesen Zeilen fügen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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