Ihr Forscher tiefer Dunkelheiten

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Johann Christoph Gottsched: Ihr Forscher tiefer Dunkelheiten Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Ihr Forscher tiefer Dunkelheiten,
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Darinn die Klugheit grauer Zeiten
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Der Weisheit reines Gold der Thoren Blick entzog;
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Ihr Meister in der Kunst zu finden,
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Was aus der Alterthümer Gründen
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So mancher edle Geist für süße Nahrung sog:
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Der, wenn er kaum die Schale brach,
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Von lauter Süßigkeit der Götterspeisen sprach.

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Erheitert mir die weisen Schatten,
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Worinn sich Witz und Wahrheit gatten,
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In Stellen, wo
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Wann er der Tugend Wuchs zu stärken,
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Den Lohn von loberfüllten Werken
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Im selgen Aufenthalt beglückter Inseln pries:
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Elysiens erwünschtes Land,
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Wo, mit der Sterblichkeit, auch alle Noth verschwand.

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Des weisen Greises scharfe Blicke,
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O Mensch! sahn tiefer ins Geschicke,
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Das deiner Dauer längst der Vorsicht Hand gesteckt;
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Als jener Schwarm von Epikuren,
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Der dir auf der Verwesung Fluren
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So Leib als Geist zugleich mit ewgem Staube deckt;
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Und, wenn man ihrem Wahnwitz glaubt,
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Dir mit dem letzten Hauch das ganze Daseyn raubt.

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Der fernen Zukunft Seligkeiten,
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Belobten Seelen vorzudeuten,
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War aller Weisheit werth, die sein Gedicht belebt:
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Sein Held verwest nicht ganz in Grüften,
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Er lebt noch, wo in heitern Lüften
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Manch glücklich Eyland sich aus tiefer See erhebt;
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Wo ungestört der Lenz regiert,
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Und Ewigkeiten durch nur Glück und Lust gebiehrt.

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Allein, wo sind, so wird man sprechen,
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Auf aller Meere blauen Flächen,
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Die Inseln voller Heil, davon der Dichter singt?
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Wo ist ein Eyland auszuspüren,
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Darauf nur Glück und Lust regieren,
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Und wo den Seligen die Tugend Palmen bringt?
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Die Palmen, die der Unschuld Stand,
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Im stillen Urthelsspruch des innern Richters fand.
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Seit dem
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Sich wagte, Länder aufzuklären,
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Davon uns
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Seit dem
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Die bloß ihr Gold ins Joch gebunden,
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Traf noch kein spähend Boot dergleichen Eyland an;
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Hat noch kein Mast das Land erblickt,
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Wo ungekränkte Ruh der Menschen Herz erquickt.

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Ists jenes Land vieleicht gewesen,
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Davon wir
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Das vormals westlich lag,
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Das durch die Macht verborgner Gluthen,
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Wo nicht im Toben wilder Fluthen,
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Sich unsrer Welt entzog und in der See verschwand?
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Vieleicht wars
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Und Küsten noch kein Kahn der Sterblichen befuhr.

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Umsonst! in Deutschlands hoher Mitten,
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Wo Rom und
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Zeigt sich der Fabel Reich in heller Wahrheit Licht,
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In
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Wo
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Fällt mir ein fruchtbar Thal entzückend ins Gesicht:
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Das keiner Stürme Wuth erschreckt,
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Weil grüner Berge Wall es vor den Wettern deckt.

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O
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Du Kleinod glücklicher Provinzen,
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Die
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An deines Stromes flachem Rande,
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Stolziert das Bild von jenem Lande,
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Wohin der Dichter Witz die Seligen geführt.
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Die
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Auch in der Oberwelt Elyserfelder macht.

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Was Oberwelt? Von deinen Höhen,
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Wo so viel Fürstenhäuser stehen,
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Steig ich, o
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Hier geh ich, wie der Thrazerdichter,
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Zur Wohnung der gerechten Richter,
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In deren Sorgfalt
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Hier steht, hier steht der Themis Thron!
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Hier ist der Tugend Sitz, der Unschuld edler Lohn.

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Bey nimmer welken Lorbersträuchen,
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Wo Kraft und Wachsthum nie entweichen,
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Seh ich den Wunderstamm des hohen Lorbers leicht.
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Der Musen Hand zurecht gebogen,
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Und zu der Höh gebracht, darinn er Cedern gleicht:
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Darunter, wenn die Wolke thaut,
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Ihr ganzes Chor nebst ihm, sich völlig sicher schaut.

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Nein! nirgends hat er gleiche Brüder!
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O Deutschland! nirgends siehst du wieder,
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Was dieser Aue Raum für Wunder liefern kann.
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Was seh ich? Pomeranzenwälder,
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Dergleichen auch Arkaderfelder,
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Ja
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Weil Umfang, Menge, Blüth und Frucht,
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Den Wettkampf trotzig heischt, vergebens Streiter sucht.
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Wie weit erstreckt auf beyden Seiten
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Der Lustbau seiner Flügel Breiten;
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Davon der Aue Grund des
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Von drey empor gehabnen Zinnen
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Läßt sich so mancher Gang gewinnen,
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Den hoher Linden Wand in kühle Schatten setzt;
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Und deren Länge würdig ist,
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Daß sie der Künstler Hand auch durch Feldweges mißt.

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Was sieht man da zur Rechten liegen?
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Ein Tempel ists, auf dessen Stiegen
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Die Ehrfurcht zum Altar der höchsten Gottheit trat!
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Doch nein! in kunsterfüllten Wänden,
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Daran Geschmack und Marmor blenden,
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Erblickt mein Auge nur ein kostbar Fürstenbad;
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Daran der Schnitzkunst Witz und Fleiß
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Durch Meisterstücke sich empor zu heben weis.

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O C
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Du, dem der Aufenthalt gefallen,
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Du, dessen Heldengeist manch großes Werk gebahr.
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Dort steht auf dem entlegnen Berge,
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Dein
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Der in der Nähe doch Kolossen ähnlich war;
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Wo Wasserfall und Grott und Stein,
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Das achte Wunderwerk der Erden scheint zu seyn.

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Ists nicht die Arbeit jener Riesen,
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Die vormals sich geschäfftig wiesen,
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Als ihr bemühter Arm des Himmels Burg bestürmt?
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Sie trugen Berg auf Berg zusammen;
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Bis Jupiter mit Blitz und Flammen,
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Den großen Bau zerschlug, den sie empor gethürmt.
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Fürwahr! was hier das Auge schaut,
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Hat ein

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Wer kann die Wunder alle nennnen,
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Die Kennerblicke hier erkennen?
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Wer zählt, was
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Wie groß
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Kann man aus
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Denn
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Im Kriege streng, im Frieden mild;
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Das, das, o

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Durch Tapferkeit und sanfte Künste
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Ward dir der Lobspruch zum Gewinnste,
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Womit Europa längst
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Des Fremden Auge wird entzücket,
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Wenn er die Wunderkraft erblicket,
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Die
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Und die auch jüngst durch einen Ruff,
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Das stolze

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Bey Berg und Wald und dunklen Gründen
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Lehrt Er den Regen Bäche finden,
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Der sonst das ganze Thal zur weiten See gemacht.
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Der
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Läßt Hügel in die Tiefe tragen,
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Heißt Grott und Springbrunn seyn, und Bäcken voller Pracht.
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Ein wilder Irrgang ziert das Holz,
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Und auf des Gartens Schmuck wär auch ein König stolz.
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Was dort in Thraziens Gefilden,
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Gott für Geflügel pflegt zu bilden,
154
Wo Mahomeths Geboth den stolzen Tulband lenkt.
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Was Asien auf seinen Höhen,
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Sieht schwimmend durch die Fluthen gehen,
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Das hat der
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Und China selbst sah nie so schön,
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Als längst dem Ufer hin, Chineserhütten stehn.

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Nun steigt aus dem bewährten Grunde,
161
Mit jedem Tag und jeder Stunde,
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Das neue Fürstenhaus recht sichtbarlich empor.
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Die Königstochter edler Britten,
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Setzt selbst den ersten Stein, weil
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In kurzem zeigt sich der Palast,
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Davon der bloße Riß schon Wunder in sich faßt.

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Vergöttert nur mit Witz und Schriften,
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Was
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Ihr Schmäuchler zu Paris, die Stolz und Sold erhob;
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Hier regt ein
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Zwingt die Natur, versetzet Hügel,
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Und bläht sich gleichwohl nicht auf ein erkauftes Lob.
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Die freye Muse nur gesteht,
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Daß

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Der Kenner Auge zu erfreuen,
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Von redender Natur für Meisterstücke ließ;
177
Was
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Die oft den Preis der Kunst gewonnen,
179
Wenn selbst
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Das liebt der
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Dem widmet sein Geschmack den neuvollführten Saal.

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Was macht
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So großer Muster, schmückt er Fluren;
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Pflanzt Gärten neuer Art, die Deutschland nie gekannt:
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Ein jäher Berg wird ihm zur Fläche:
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Er stärkt des rauhen Bodens Schwäche,
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Zeugt Hayne wilder Zucht, so klug als Engelland.
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Sein Irrgang zeiget
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Und mitten in der Kunst herrscht gleichwohl die Natur.

190
Dort, wo aus den verborgnen Schätzen,
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Der Menschen Kräfte zu ersetzen,
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Der Abgrund tiefer Kluft ein heilsam Wasser quillt:
193
In
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Da sieht man andrer Bäder Blöße,
195
Wenn
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Indem den Ort, der Heil gebracht,

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Was seh ich? Sind es Thuillerien,
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Wo tausend dichte Linden blühen,
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Und Gänge sonder Schluß den schärfsten Blick erfreun?
200
Sind es
201
O nein! auch
202
Hat ihres gleichen nicht, und muß ein Wunder seyn.
203
Und gieng ihr nicht die Aue vor,
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Was gliche wohl dem Raum um Cassels schönstes Thor?
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Könnt ich Geschmack und Anstalt zeigen,
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Womit so Dein Pallast, als edler Garten prangt!
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Nach Thaten, so die Welt verehret,
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Hast Du die Ruh, die Dir gehöret,
209
Als zweyter
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Wo Dich ein kluges Buch ergetzt,
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Wenn Dich das Spiel der Welt oft in Verwundrung setzt.

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Und du, o
213
Sich schöner kaum gedenken lassen,
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Du bestes Musterbild von neuer Städte Bau!
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Kann eine Schnur wohl gleicher gehen,
216
Als Häuser und Palläste stehen?
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Sogar dein Tempel folgt dem Ebenmaaß genau.
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Der Straßen Durchschnitt stellt ihn dar,
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Und hoher Linden Kreis umschließt den Vorhoff gar.

220
Ob ihrer Baukunst Seltenheiten
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Dieß Kleinod Hessens nicht, der Mängel wegen, schilt?
222
An Größe kann
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An Ordnung muß es unterliegen:
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Weil Schnur und Winkelmaaß hier sonder Ausnahm gilt;
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Und seiner lichten Straßen Pracht,
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Kein eingeschränkter Wall das Wachsthum schwierig macht.

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Ihr Musen! soll ich weiter singen?
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Laßt künftig mir ein Lied gelingen;
229
Daß
230
Sein Büchersaal, und hundert Stücke
231
Von Kunst und Witz, ziehn eure Blicke
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Schon längst auf das Gebäu, wo
233
Hier wird einst, stimmt
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Von jeder Wissenschaft ein ewger Wohnplatz seyn.

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Gesellschaft! die du bey den Siegen
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Des rächenden
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Der so gerecht als klug Europens Wage lenkt;
238
Versammlung, reich an edlen Geistern,
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Laß dich die rege Glut bemeistern,
240
Die Dank und Ehrfurcht längst in deine Brust gesenkt;
241
Und stimme solche Lieder an,
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Daß selbst der Britte sie nicht schöner opfern kann.

243
Und unsrer Zeit von Gott beschieden,
244
Der deutschen Freyheit Schutz, der
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Bey Detting kann er Lorbern brechen,
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Der Feinde Wuth und Hochmuth schwächen;
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Zu Hause läßt Sein Arm den Musen Tempel weihn.
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O! dieß besinge, theures Chor;
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Und stell Ihn später Zeit zum Heldenmuster vor.

250
Zwar
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Folg ihr in feurigen Gedichten;
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Davon der laute Ton in alle Gränzen dringt.
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Und diese That nach Werth zu loben,
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Ist ein erhabnes Werk, das Dichtern Ehre bringt.
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Auf! Seine Großmuth ganz allein,
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Muß künftighin der Stoff zu deinen Liedern seyn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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