Als der Verfasser sein Funfzigstes Jahr zurücklegte

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christoph Gottsched: Als der Verfasser sein Funfzigstes Jahr zurücklegte (1733)

1
Erhabner Schöpfer aller Welt!
2
Die so viel Wunder in sich hält,
3
Als auf dem Erdball Thiere leben;
4
Als Sterne glänzen in der Höh;
5
Als Körner hegt der Strand der See;
6
Als Stäubchen in den Lüften schweben.
7
Wie ungemein hat deine Macht
8
Dieß Meisterstück hervor gebracht!

9
Wo wären Erde, Luft und Meer,
10
Wo aller Himmelslichter Heer,
11
Dafern sie nicht von Dir entsprungen?
12
Wer rief sie aus dem alten Nichts?
13
Wer schuff den Glanz des ersten Lichts,
14
Das durch die längste Nacht gedrungen?
15
Hast Du, o Gott! durch Deine Macht
16
Dieß alles nicht hervor gebracht?

17
Du warst ja schon von Ewigkeit,
18
Viel älter, als Natur und Zeit,
19
Ein unumschränkt beglücktes Wesen.
20
Du warst ja selig, auch allein!
21
Was brauchtest Du der Dinge Seyn,
22
Die Deine Weisheit sich erlesen?
23
Gebrach Dir was, als Dein Verstand
24
Den Weltbau schaffenswürdig fand?

25
O nein! o nein! aus Güte bloß,
26
Hast Du die Welt, so schön, so groß,
27
So unermeßlich dargestellet;
28
Wer zählt der hellen Kugeln Zahl,
29
Daraus des regen Lichtes Stral,
30
Bey Nacht das Firmament erhellet?
31
Sie glänzen stets: wie wohl den Tag
32
Ihr Glanz nicht überwinden mag.

33
Wer hing der Wandelsterne Lauf
34
In ungleich großen Höhen auf,
35
Und hieß sie um die Sonne fließen?
36
Wer wies doch jedem seinen Kreis,
37
So kräftig, daß sie Bahn und Gleis
38
Im Schwunge nicht verlassen müssen?
39
Da sonst, was sich mit Schleudern regt,
40
Den Mittelpunct zu fliehen pflegt.
41
Wer wies doch allen Achsen an,
42
Um die ihr Körper wirbeln kann,
43
Wie sich der Erdball selbst beweget?
44
Wer zeichnete den Angelstern
45
Dem einen nah, dem andern fern,
46
Von dem, der unsern Erdpol träget?
47
Der uns die Zeit von Tag und Nacht,
48
Zwar ungleich, doch beständig macht.

49
O Schöpfer! Deine Weisheit bloß
50
Gab dort und hier den ersten Stoß,
51
Davon die Kugeln seitwärts rollten;
52
Das machts, wenn sich der Erdball dreht,
53
Daß Lenz und Sommer erst entsteht,
54
Dann Herbst und Winter folgen sollten;
55
Indem die Nord- und Süderwelt,
56
Sich wechselnd nach der Sonne stellt.

57
Der heiße Weltstrich nicht allein,
58
Sollt reich an Thier und Pflanzen seyn,
59
Und stets von heißen Stralen schmelzen.
60
Nein! auch das Nord- und Süderland
61
War eignen Bürgern zuerkannt;
62
Drum muß die Erde so sich wälzen;
63
Daß jeder Theil zu seiner Zeit,
64
Durch größrer Wärme Kraft gedeiht.

65
Nicht kleiner ist der Kugeln Werth,
66
Die unsre Sonne noch verklärt,
67
So nah und weit sie immer schweben!
68
Sie wärmen sich an ihrem Licht,
69
Dem auch der Wechsel nicht gebricht;
70
Wie sollte kein Geschöpf da leben?
71
Wie sollte nur die Erd allein,
72
An Thier und Menschen fruchtbar seyn?

73
Nein nein! umsonst ließ Gott gewiß
74
Fünf Kugeln, Licht und Finsterniß,
75
In festgesetzter Zeit nicht fühlen:
76
Umsonst schuff Er nicht Wärm und Frost,
77
Für Länder wo Er keine Kost,
78
Für Thier und Menschen, wollt erzielen!
79
Wo Winter, Lenz, und Sommer ist,
80
Wird was beseeltes nicht vermißt.

81
O! Jupitern muß offenbar,
82
Der schönsten Monden doppelt Paar,
83
Nicht ganz umsonst die Nacht erfreuen!
84
Wo zündet wohl ein kluger Mann
85
In wüsten Feldern Fackeln an,
86
Die Finsternisse zu zerstreuen?
87
O Schöpfer! Deiner Weisheit Pflicht,
88
Thut wahrlich was vergeblichs nicht.

89
Der Erdkreis ist so reich bewohnt,
90
Doch glänzt ihm nur ein kleiner Mond:
91
Dort hast Du viere dran gewendet.
92
Saturn hat kaum an fünfen gnug,
93
Davon der ungleich schnelle Flug
94
Sich in sehr kurzer Zeit vollendet;
95
Wer glaubt nun, daß ihr Silberlicht
96
Umsonst der Nächte Schatten bricht?

97
Und welch ein seltnes Wunderding
98
Ist dieses Irrsterns heller Ring,
99
Der rings umher in Lüften schwebet?
100
Bald selber glänzt, bald dunkel macht;
101
Wenn er der hellen Monden Pracht
102
In seiner Schatten Flor begräbet.
103
Wer hieng ihn zum Saturnus auf?
104
Wie folgt er des Planeten Lauf?

105
O Wunderthäter! Herr und Gott!
106
Wie unbesonnen ist der Spott,
107
Der Thoren, die Dein Thun nicht merken?
108
Des Schwarms, der Deine Hand nicht sieht,
109
Und sich voll Aberwitz bemüht,
110
Des blinden Zufalls Macht zu stärken!
111
Der doch mit aller seiner Kraft,
112
Nur Abscheu und Verwirrung schafft.

113
Sagt! war der Zufall denn so klug,
114
Als er die Bahn des Mondes schlug,
115
Ihm so die feste Spur zu zeigen;
116
Daß er, wenn uns der Winter drückt,
117
Mit vollem Antlitz zu uns rückt,
118
Den Norderhimmel zu besteigen;
119
Bey unsrer längsten Tage Pracht,
120
Am Südpol helle Nächte macht?

121
Geh! schäme dich, verirrte Zunft!
122
Die du mit blinder Unvernunft
123
Im Finstern tappst, wo Sonnen glänzen:
124
Siehst du denn nicht der Allmacht Kraft,
125
Die stets des Erdballs bestes schafft,
126
Wenn Sommer, Winter, Herbst und Lenzen,
127
Das ganze Volk bewohnter Welt,
128
Im Wechsel überall erhält?

129
Und wär auch unser Silbermond
130
Nicht von Geschöpfen reich bewohnt,
131
So müßt er uns beständig leuchten.
132
Warum zeigt uns sein Angesicht,
133
Nicht allemal ein volles Licht,
134
Wenn Thau und Nebel ihn nicht feuchten?
135
Ist auch ein leerer Klump wohl werth,
136
Daß ihn die Sonn ringsum verklärt?

137
Gieb Acht auf ihn! wie kehrt er sich
138
In Monatsfrist so ordentlich,
139
Nach dem beliebten Sonnenlichte!
140
Man sieht, daß er nach Wärme strebt,
141
Und so wird er ringsum belebt;
142
Und nichts geht ihm vor Frost zunichte.
143
Daß auch sein Bürger leben soll;
144
Drum scheint er uns nicht täglich voll.

145
Ein mindrer Grad Geschwindigkeit,
146
Könnt ihn mit uns in gleicher Zeit,
147
Um unsers Kreises Brennpunct führen.
148
So blieb er wohl ein Wandelstern;
149
Und dörfte doch, wie Mars, von fern,
150
Sein rundes Antlitz nie verlieren;
151
Auf unsrer Hälfte voller Schein,
152
Auf jener ewig finster seyn.

153
Genug! die Weisheit schuff die Welt,
154
Die doch viel mehr noch in sich hält,
155
Als lauter Sonnen und Planeten.
156
Wo bleibt die ungemeine Zahl
157
Der durch den blassen Dunst und Stral,
158
Geschwänzt und bärtigen Kometen?
159
Darauf, o Gott! Dein Allmachtruff,
160
Nicht minder Creaturen schuff.
161
Ihr seltner Lauf entrückt sie nur,
162
Auf einer langgestreckten Spur,
163
Viel Jahre durch, dem Blick der Erden.
164
Doch können sie, bald kalt, bald warm,
165
Durch Deiner Güte Vaterarm,
166
Wohl an Geschöpfen fruchtbar werden:
167
Wenn selbst der Dampf, der uns erschreckt,
168
Sie vor der Sonnenhitze deckt.

169
Schon mehr als dreyßig sind gezählt,
170
Wo unsrer Sonne Licht nicht fehlt.
171
Wer weis? ob wir die Hälfte kennen?
172
Wir wissen ja das Zehntheil kaum,
173
Von dem, was in des Himmels Raum,
174
Für flammenreiche Kugeln brennen:
175
Die doch der Ausspruch kluger Welt
176
Schon längst für lauter Sonnen hält.

177
Und wenn nun dieser Sonnen Heer,
178
Nicht mindern Welten dienstbar wär,
179
Als unser Sonnenball belebet?
180
Wie groß wird da die Anzahl seyn,
181
Der Kugeln, die ihr blasser Schein,
182
In tiefer Himmel Nacht begräbet?
183
Ach! in wie vieler Welten Schooß,
184
Bist Du, o Gott! an Wundern groß!

185
Dich lobt der Körper große Zahl,
186
Die Du, mit tadelfreyer Wahl,
187
Aus ihrem alten Nichts gezogen.
188
Dich lobt der Geister freyer Mund;
189
Wird ihm Gesetz und Ordnung kund,
190
Darnach Du alles abgewogen.
191
Dich lobt, o Gott! Dein weites Reich:
192
Ja, Schöpfer, Dir ist niemand gleich!

193
Bey so viel tausend Wundern nun,
194
Was ist der Mensch, und all sein Thun,
195
Daß Du, o Höchster! sein gedenkest?
196
Verdient ers, daß ihm Deine Hand
197
So manche Wohlthat zugewandt,
198
Womit Du stündlich ihn beschenkest?
199
War ers in seinem Nichts wohl werth,
200
Daß Du auch ihn zum Seyn begehrt?

201
Der trefflichsten Geschöpfe Zier,
202
Viel tausend Geister dienen Dir,
203
Die dort in höhern Sphären wohnen.
204
Erhabne Seelen beßrer Kraft,
205
Von ungleich größrer Eigenschaft,
206
Verehren Dich zu Millionen.
207
Wie können wir uns unterstehn,
208
Unendlicher! Dich zu erhöhn?

209
Ist unsers Lebens längste Zeit
210
Vor Dir wohl einer Spanne breit?
211
Währt unser Hauch wohl wenig Stunden?
212
Fährt unser Seyn nicht wie der Wind?
213
Denn eh ein dünner Rauch verschwindt,
214
Ist unser Odem schon verschwunden;
215
Vor Dir, o Gott, dem tausend Jahr
216
Ein Tag ja noch viel minder war.

217
Sind tausend Jahre Dir ein Tag?
218
Wie kömmts, daß man sich schmäucheln mag,
219
Auf dieser Flucht noch alt zu werden?
220
Kaum einer lebt den zehnten Theil!
221
Die größte Meng entflieht in Eil
222
Der Eitelkeit bewohnter Erden.
223
Kaum hat sie funfzig Jahr erstrebt,
224
So hat sie völlig ausgelebt.

225
Dieß Ziel, o Gott, Dem niemand gleicht!
226
Hat meiner Tage Lauf erreicht,
227
Hat itzt Dein Knecht beglückt errungen!
228
Dein Wink hat meine Kraft gestärkt,
229
Daß Seel und Körper unvermerkt
230
Ein halb Jahrhundert durchgedrungen;
231
Bevor, was Geist und Glieder rührt,
232
Der mindsten Schwächung Grad gespürt.

233
Wie manchen Freund hab ich gekannt,
234
Der sich bey gleichen Kräften fand;
235
Und gleichwohl längst vor mir erblichen?
236
In frischer Jugend, voller Saft,
237
Verlohr so mancher Geist und Kraft,
238
Ist mancher schnell der Welt entwichen.
239
Auch manch Geschwister wird vermißt,
240
Das mir sehr jung entrissen ist.

241
Herr! war ichs vor so vielen werth,
242
Daß meine Kraft sich nicht verzehrt,
243
Wie Lampen deren Tocht verglimmet.
244
Hat Deine Vorsicht mich ersehn,
245
Zu Diensten, die noch nicht geschehn,
246
Und die Dein Rathschluß schon bestimmet?
247
Bin ich geschickt dazu erkannt?
248
Sieh, Herr! ich bin in Deiner Hand.

249
Du bist der Töpfer, ich der Thon;
250
Du Herr! der Vater; ich der Sohn;
251
Ich bin das Werkzeug, Du der Meister!
252
Mach alles, was Du willst, mit mir!
253
Nur wirf mich nicht erzürnt von Dir,
254
Du höchstes Gut erschaffner Geister!
255
Laß meinen Dienst nur nicht gemein,
256
Nicht schändlich, nicht verwerflich seyn.

257
Mein Zweck war schon von Kindheit an,
258
So viel ich mich besinnen kann,
259
Mit Ernst der Welt und Dir zu dienen.
260
Du weist, daß meiner jungen Brust,
261
Die Reizung lasterhafter Lust
262
Schon als ein süßes Gift geschienen:
263
Was mancher höchst bemüht gesucht,
264
Davor nahm ich sehr oft die Flucht.

265
Dein Geist hat mich getreu regiert,
266
Und mancher Tugend zugeführt,
267
Die sonst der Jugend Trieb verfehlet.
268
Dem dank ichs, nicht der eignen Kraft,
269
Daß ich den Weg der Wissenschaft
270
Auf meines Vaters Wink erwählet.
271
Die erste Wohlthat Deiner Hand
272
Hat mir den Führer zugewandt.

273
Der lenkte mich von Jugend auf
274
Von jener Bahn, wo sonst der Lauf
275
Durch viele Lasterpfützen leitet:
276
Wenn junger Herzen Lüsternheit
277
In großer Städte Wildigkeit
278
Mehr Böses lernt, als Kunst erbeutet.
279
Gott! vor Gefahren solcher Art,
280
Hat mich des Vaters Fleiß bewahrt.
281
Sein treugemeynter Unterricht,
282
Wies mir der freyen Künste Licht,
283
Und was die alten Sprachen nützen.
284
Er selber legte so den Grund,
285
Er selber that mir spielend kund,
286
Wobey sonst Knaben mühsam schwitzen;
287
Bis ich im dreymal fünften Jahr,
288
Zu höhern Schulen tüchtig war.

289
Hier wiesest du mir Gönner an,
290
Die meines armen Fleißes Bahn
291
Durch Huld und Wohlthun unterstützten.
292
Mein Mangel ward durch Zuschub leicht,
293
Die Lehrer wurden mir geneigt,
294
Indem sie meinen Eifer schützten;
295
Bis ihre Hand mir noch zuletzt
296
Den Hut der Lehrer aufgesetzt.

297
Bisher sah mich mein Preußenland;
298
Als deine weise Vaterhand
299
Mich auch durch Trübsal prüfen wollte.
300
Ein Unfall, welcher mich bedroht,
301
Ward mir ein Ruf, der schnell geboth,
302
Daß ich die Fremde suchen sollte.
303
Woselbst mir doch, kaum auf ein Jahr,
304
Der Unterhalt in Händen war.

305
Herr! der Du auch die Raben hörst,
306
Und oft der Armen Kad vermehrst,
307
Auch mir hat nichts gebrechen müssen!
308
Du reichtest mir so Kleid als Brodt,
309
In Meißen traf mich keine Noth;
310
Hier war ich aller Furcht entrissen!
311
Hier gab der Fleiß durch Mund und Hand
312
Mir fast ein neues Vaterland.

313
Was sag ich? Nein! Wer sonst, als Du,
314
Wandt mir der Großen Neigung zu,
315
Die für der Musen Wohlfahrt wachen?
316
Bald weist
317
Sich auch geneigt, mein Glück zu machen;
318
Sie wiesen mir ein Lehramt an,
319
Das Müh und Fleiß ermuntern kann.

320
Wenn Mund und Kiel sich manches Jahr
321
Bestrebt, die Weisheit recht zu lehren;
322
So ward mein Eifer sehr gestärkt,
323
So oft ich dankbar angemerkt,
324
Daß sich Dein Segen schien zu mehren:
325
Wenn Adel, Graf und Prinz sogar
326
Um meinen Hörsaal eifrig war.

327
Der hohen Schulen Purpurtracht
328
Hast Du mir viermal zugedacht,
329
Das edle
330
Wenn mir der größten Männer Wahl,
331
Der Musen Zepter anbefahl,
332
Die Pindus-Bürger einzuschränken;
333
Die mir doch oft, bey stiller Nacht,
334
Der Seytenspiele Dank gebracht.

335
Wie vieler Großen Huld und Gunst
336
Hat mir nicht Wissenschaft und Kunst,
337
Durch Deine Fügung, zugezogen!
338
Auch Fürsten wurden mir geneigt,
339
Und Habens in der That gezeigt,
340
Und sind mir itzo noch gewogen.
341
Des
342
Hat mir den Zutritt jüngst erlaubt.

343
Was sag ich von der süßen Eh,
344
Darinn ich durch Dein Fügen steh,
345
O Vater! der Du Herzen bindest!
346
Du hast die Gattinn mir ersehn,
347
Die Du in Gram und Wohlergehn
348
Mir treugesinnt und redlich findest;
349
So daß ich ihren edlen Sinn
350
Dir zu verdanken schuldig bin.

351
Zwar hat es mir, nach Art der Welt,
352
Die nichts vollkommnes in sich hält,
353
Auch nicht an Haß und Neid gefehlet.
354
Doch hab ich gegen manchen Feind,
355
Die Brust, die sonst nicht fühllos scheint,
356
Mit Großmuth und Geduld umstählet;
357
Und was die Lästersucht erdacht,
358
Durch sanftes Schweigen stumpf gemacht.

359
Dieß sag ich nicht, als ob ich frey
360
Von Fehlern, Maal und Narben sey,
361
Die diesen mehr, als den, beflecken:
362
Nein Herr! Du kennest Herz und Sinn!
363
Und weist schon, wo ich schuldig bin:
364
Was darf ichs Dir noch erst entdecken?
365
Du weist, daß ichs geduldig trug,
366
So oft mich deine Ruthe schlug.

367
Ich küsse deine Vaterhand,
368
Die ich noch stets geschäfftig fand,
369
Mein unverrücktes Wohl zu bauen.
370
Der will ich ferner was ich bin,
371
Mein Glück und Leben, Leib und Sinn,
372
Kurz, was nur mein ist, anvertrauen.
373
Jedoch, o Gott! was ist wohl mein?
374
Ich, Welt und Himmel sind ja dein.

375
Kann ich hier noch was Gutes thun,
376
So laß mich, Höchster! niemals ruhn,
377
Was Dir gefällt, ins Werk zu setzen!
378
Doch läuft mein Stundenglas bald aus:
379
So führe mich in jenes Haus,
380
Wo Du die Deinen wirst ergetzen!
381
Da will ich mehr, als hier geschehn,
382
Die Wunder Deiner Weisheit sehn.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.