Die Welt stund noch in erster Jugend

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Johann Christoph Gottsched: Die Welt stund noch in erster Jugend Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Die Welt stund noch in erster Jugend,
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Die Weisheit ward noch nicht gelehrt;
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Als schon Verstand und wahre Tugend
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Von allen Menschen ward verehrt.
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Als schon die Sterblichen empfanden:
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Verstand und Geist sey ehrenwerth;
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Als man für Götter die erklärt,
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Die was zum Nutz der Welt erfanden;
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Sie oft der Tempel werth geschätzt,
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Ja gar den Sternen eingeätzt.

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So prangen an des Himmels Bühnen
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Die Helden der verstrichnen Zeit;
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Die bloß den Menschen recht zu dienen,
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Ihr Leben und ihr Thun geweiht.
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Der Sieger vieler Ungeheuer,
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Die er der Welt zu gut erschlug;
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Das Schiff, das
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Und selbst des
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Und
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Wird noch bey heller Nacht geschaut.

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So ward dieß blaue Feld der Sterne
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Mit hundert Bildern angefüllt;
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Wo noch in der gewölbten Ferne
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Der Nachruhm alter Tugend gilt.
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Den spätern Helden neuer Zeiten
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Ward zwar des Himmels Raum zu schmal:
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Doch fand die Tugend überall
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Ein Denkmaal ihrer Seltenheiten:
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Denn Seulen, Gräber, Erz und Stein
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Die mußten ihnen dienstbar seyn.

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Aegypten baute Pyramiden,
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Athen hub Seulen in die Höh;
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Damit, wenn wo ein Held verschieden,
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Sein Bildniß noch vor Augen steh.
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Auch Rom entwarf verdiente Männer,
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In Erz und Marmor und Porphyr;
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Ihr Ruhm ist noch der Münzen Zier,
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Und lebt im Urtheil aller Kenner;
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Die, was die Ehrfurcht sonst geprägt,
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Mit Einsicht zu erklären pflegt.

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So ehrt die Welt erhabne Leute,
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Nach mehr als tausend Jahren noch.
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Allein womit belohnt man heute
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Verdienste, Werth und Tugend doch?
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Die treue Feder der Geschichte
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Erhebt verdienter Männer Preis:
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Und selbst der Musen Lorberreis
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Bekrönt sie oft durch Lobgedichte;
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So sieht die Nachwelt später Zeit
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Das Zeugniß großer Würdigkeit.

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Zum Diener Seines Staats bestimmt;
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Und der mit redlichem Gemüthe
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Stets Theil an beyder Wohlfahrt nimmt:
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Verdienste sieht man Dich erheben,
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Kein blindes Glück hat Dich im Schooß:
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Des Königs Weisheit macht Dich groß,
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Und wird Dir noch ein mehrers geben;
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Denn Deine Treue kann allein
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Des fernern Wachsthums Bürge seyn.

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Ersteigst Du nicht die jähen Stufen
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Der sonst so steilen Ehrenbahn?
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Die Tugend selbst hat Dich gerufen
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Auf ihres Tempels hohen Plan.
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Kein fremder Glanz hat Dich bestralet,
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Was man an Deinem Schild erblickt,
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Hat Dein Verdienst hinein gemalet:
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Das einst durch das, was Du erstrebt,
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Auch Deinen Stamm nach Dir erhebt.

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Dein
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Des großen Vaters edle Spur;
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Des Pöbels Trägheit zu vermeiden,
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Dazu erschuff Ihn die Natur.
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Mit Deinen neuverjüngten Kräften
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Dient Er bereits, mit Rath und That,
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Dem Könige, so wie dem Staat,
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Mit ruhmerfüllten Landsgeschäfften:
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Und wird dereinst, auf späte Zeit,
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Das Nachbild Deiner Trefflichkeit.

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Der Höchste laß in hohen Jahren
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Dich,
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Er schenke Deinen Silberhaaren
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Ein unverbrüchlich Wohlergehn!
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Es wachse, durch des Himmels Fügen,
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Dein festes wohlerworbnes Glück;
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Und dieser Tag kehr oft zurück,
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In unverwelklichem Vergnügen:
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So wird auch Deines Dieners Brust
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Ein Aufenthalt der treusten Lust.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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