An die berühmte Königl. Hofmalerinn Frau A.M. Wernerinn in Dresden

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Johann Christoph Gottsched: An die berühmte Königl. Hofmalerinn Frau A.M. Wernerinn in Dresden (1733)

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Nach so viel trefflichen Geschenken,
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Verwundre dich nur nicht, gepriesne Wernerinn,
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Daß, ob ich gleich entfernet bin,
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Doch Herz und Sinne sich noch eifrigst nach dir lenken.
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Ich kann mir, auch hier an der Pleißen,
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Dein witzerfüllt und gütig Haus
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Noch nicht aus den Gedanken reißen,
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Und drücke meinen Dank durch diese Zeilen aus.

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Du hast mich gar zu sehr verbunden;
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Denn was bewog doch wohl die werthe Meisterhand,
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Daß sie so viel auf mich verwandt?
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Wie hab ich so viel Theil an deiner Huld gefunden?
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Dein Pinsel soll nur Königskronen,
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Nur hohen Häuptern heilig seyn;
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Nicht Schäfern, die in Hütten wohnen:
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Wie stimmt nun deine Kunst mit deiner Demuth ein?

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Ich kann es wahrlich nicht ermessen:
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Ich bin von dir beschämt, und steh in tiefster Schuld.
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Doch habe nur mit mir Geduld:
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Mein Herz soll nichts von dem, was du gethan, vergessen.
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Ach! klängen meine Cyther Seyten
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So lieblich, als dein Pinsel malt:
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So würde bis auf späte Zeiten
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Mein Dank durch manches Lob von deiner Kunst bezahlt.

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Vieleicht verstärken sich die Lieder,
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Wenn ein so würdig Lob den matten Kiel belebt;
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Vielleicht, wenn dich mein Reim erhebt,
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Schallt selbst der
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Die Musen werdens leicht vergönnen,
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Daß mich ein frischer Lorber krönt,
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Weil sie nichts schönes fodern können,
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Als daß ein Dichter sich an deinen Ruhm gewöhnt.

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Dein redlich Herz, dein frommes Wesen,
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Ist so, wie deine Kunst, das ist ganz ungemein;
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Von jedem Stücke ganz allein
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Soll billig einst die Welt ganz eigne Lieder lesen.
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Auch die, der ich ganz eigen lebe,
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Vereinigt ihren Kiel mit mir:
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Wenn ich dich nun nicht gnug erhebe,
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So hoffe doch das Lob, das dir gebührt, von ihr.
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Sie schreibet, wie dein Pinsel malet,
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Ihr beyde ziert zugleich die große Weichselstadt;
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Dein Danzig, das zwo Töchter hat,
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Mit welchen es fürwahr aus gutem Grunde pralet.
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Wird sie nun durch der Musen Künste
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Dereinst der späten Welt bekannt:
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So hast du Theil an dem Gewinnste,
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Denn so verewigt sie auch deine Meisterhand.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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