Auf ein wohlgetroffenes Hochzeitfest in Stade

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Johann Christoph Gottsched: Auf ein wohlgetroffenes Hochzeitfest in Stade (1733)

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Der Sommer weicht, der Herbst fällt ein,
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Die gelbe
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Selbst
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Und will den frischen Most nicht schonen,
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Die Blätter werden welk und fahl,
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Und fallen von den starren Zweigen;
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Die sich zum Theil schon nackt und kahl
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Auf den entlaubten Gipfeln zeigen.

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Was lehrt euch dieß, verlobtes Paar!
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Was gilts, ihr habt es wohl verstanden?
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Rufft nicht das abgelebte Jahr:
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Die Zeit zum Freyen sey vorhanden!
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Die Sonne brennt nicht mehr so scharf,
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Drum kömmt des Menschen Leib zu Kräften,
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Und wird geschickter, als er darf,
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Zu Amors zärtlichen Geschäfften.

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Zwar pflegt der Frühling auch der Welt
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Zum Lieben Trieb und Kraft zu geben;
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Wenn
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Durch
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Es lacht manch buntes Tulpenbeet,
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Ein Wald von silbernen Narcissen:
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Wer da gepaart spazieren geht,
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Bekömmt ohnfehlbar Lust zum küssen.

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Man leugnet solches freylich nicht;
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Doch wie? wenn angenehme Wangen,
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Im Herbste, durch ein stärker Licht,
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Als alle Frühlingskinder, prangen?
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Wo ist ein Herz so wild und hart,
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Das hier nicht gleiche Regung fühlte?
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Als dort in
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Wo

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Man siehts an dir, o Bräutigam!
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Kann ich es schon entfernt nicht sehen:
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Denn bin ich gleich der Lügen gram,
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So glaub ich doch, es sey geschehen.
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Dich rührt die Schönheit deiner Braut,
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Ihr süßer Scherz, ihr holdes Lachen,
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Weit mehr, als alles, was man schaut,
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Wenn Wild und Vögel Hochzeit machen.

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Du liebest sie, und das mit Recht;
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Sie ist es werth, und liebt dich wieder:
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Die Blödigkeit ist schon geschwächt,
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Sie schlägt nicht mehr die Augen nieder.
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Sie reicht dir willig Mund und Hand,
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Die Herbstluft kann sie gar nicht stören:
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Und würd es kalt: der Liebe Brand
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Wird euch die Geister schon vermehren.

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Wird Sturm und Regen, Reif und Schnee
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Allmählich Wald und Feld bestreiten;
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So wird dir Amor Laub und Klee,
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Ja Rosenblätter gnug bereiten.
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Der Liebsten Arm und Brust und Schooß
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Wird jenen Mangel leicht ersetzen:
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Was achtest du des Winters groß,
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Wenn dich die Liebe kann ergetzen?

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Du wirst, mit doppelt großer Lust,
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Das Pfeifen rauher Winde hören:
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Doch wird es nie in deiner Brust
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Die Funken zarter Liebe stören.
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Sie fachen sich noch stärker an,
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Wenn
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Denn weder Frost noch Rohrreif kann
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Der Fackeln

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So liebe denn, verbundnes Zwey!
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Der Himmel segne deine Flammen!
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Denn deine Zärtlichkeit und Treu
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Kann auch kein Lästermaul verdammen.
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Ja, liebe, daß von deinem Kuß,
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Von deinem keuschentbrannten Herzen;
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Auch bald ein kleiner = = muß
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In seiner Mutter Armen scherzen!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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