Die Nacht ist hin, der Tag bricht an!

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Johann Christoph Gottsched: Die Nacht ist hin, der Tag bricht an! Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Die Nacht ist hin, der Tag bricht an!
2
O Sachsen, auf aus deinem Schlummer!
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Vergiß, was dich betrüben kann,
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Und fasse dich nunmehr nach herbem Gram und Kummer.
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Was weinst du doch um deinen Held,
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Den du, so wie es schien, vor kurzer Zeit verlohren?
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Getrost! du irrst. Er lebet noch!
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Er lebt! ach jauchze, jauchze doch!
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Und zeigt sich nur verjüngt und gleichsam neu gebohren.

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Wie eine zarte Braut erwacht,
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Wenn sie des Liebsten Stimme höret,
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Nachdem der Hochzeitkerzen Pracht
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Ein trauriges Gerücht von seiner Gruft gestöret;
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Sie rafft sich auf, und sieht umher,
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Und horcht bestürzt, und zweifelt sehr,
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Ob irgend sie dabey ein süßer Traum betrogen;
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Doch endlich glaubt sie, was sie sieht,
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Und weil ihr Glück nun wieder blüht,
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So wird im Augenblick der Brautschmuck angezogen:

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So seh ich Sachsens matten Blick
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Auf einmal hell und munter werden.
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Der bloße Ruf von solchem Glück,
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Gesetzt, er wäre falsch, erweckt es aus der Erden.
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Wie? heißt sein Wort: Was? lebt
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Lebt
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Wer spottet meines Grams, und tröstet mich zum Hohne?
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Es ist unmöglich! – – Sachsen, nein!
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Man täuscht dich nicht; dein Wunsch trifft ein:
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Denn

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Dort kömmt ja dein erwünschtes Haupt,
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Dein
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Was hat dir nun der Tod geraubt?
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Und warum gehst du noch, so wie bisher, im Leide?
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Sieh doch sein holdes Angesicht!
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Sieh, seiner Augen heitres Licht
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Erweckt ja jeder Brust ein wallendes Vergnügen.
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Ein jeder dringt vor seinen Thron,
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Und will dem großen Königssohn,
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Wie seinem Vater sonst, entzückt zu Füßen liegen.

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Doch nein! das ließ
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Der wollte nichts von Sklaven wissen:
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Ein gleiches,
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Du reichest bloß die Hand, nur diese darf man küssen.
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So sieht mans, wem du ähnlich bist;
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So braucht es weder Kunst noch List,
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Des großen Vaters Art in deinem Thun zu finden.
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Du bist ihm fast in allem gleich;
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War er an Gnad und Weisheit reich,
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So weist du beydes auch vollkommen zu verbinden.

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Kaum legtest du die Kindheit hin,
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So stund dein Herz nach edlen Sachen:
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Denn Frankfurt lockte deinen Sinn,
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Der deutschen Kaiser Wahl dir recht bekannt zu machen.
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Du sahst sie an; doch da Paris
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In seinem
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Was Fürsten vor der Welt zum höchsten Ruhm erhebet:
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So war der Weg dir nicht zu weit,
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Vielmehr hat deine Munterkeit
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Dem Gipfel wahrer Höh begierig nachgestrebet.

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Du sahst auch ferner Rom und Wien,
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Das alt und neue Haupt der Erden:
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Und alles das, mit dem Bemühn,
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Durch das, was du gesehn, ein weiser Fürst zu werden.
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Nicht fremder Völker Eitelkeit,
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Nein, Staatskunst und Erfahrenheit
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War, andrer
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Drum spürten auch die Länder schon,
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Es würde dieser Königssohn
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Der Welt einmal ein Bild vollkommner Fürsten weisen.

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Das Schrecken
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Karl, welcher Temeswar bezwungen,
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Und gar, dem Muselmann zu Trutz,
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Bis in des Reiches Herz nach Belgrad eingedrungen;
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Dieß große Haupt der Christenheit
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Erblickte bald die Trefflichkeit,
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Die
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Er fand, und hat es oft erklärt:
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Ein solcher Prinz sey Kronen werth,
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Der jedes Herz gewann, und alles zu sich neigte.

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Doch dir ward auch dein Hers entführt,
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O
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Des Kaiserstammes Schmuck, dein einziges Verlangen.
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Du zogst nach Sachsen zwar zurück;
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Doch drehte sich dein kluger Blick
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Noch stets nach Oesterreichs und Wiens verlaßnen Gränzen.
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So kehrt sich jener Wunderstein
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Nach des entfernten Nordsterns Schein;
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Gesetzt, er sieht ihn nicht bey hellem Tage glänzen.

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Ihr Musen, denen nichts entfällt,
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Was auch vor grauer Zeit geschehen:
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O sagt, wie froh war unser Held,
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Als seine Liebe drauf den Wunsch erfüllt gesehen?
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Beschreibt mir doch
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Und lehrt mich, was ihr Herz gedacht,
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Als
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Als sie aus Gassen, Volk und Stadt,
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Aus Burg und Hof geschlossen hat,
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Sie sey in Dresden fast zum Kaiserthron gekommen.

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So war das große Band nun fest,
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Das Sachsenland und Wien verbunden;
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Das keine Zeit veralten läßt,
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Und das noch unverrückt des Himmels Huld empfunden.
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Wie manchen Segen keuscher Brunst
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Hat dir des Schicksals höchste Gunst,
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In deinem Ehbett,
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Noch itzo grünt die Hoffnung schön:
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Wie kann dein Stamm denn untergehn,
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Da so viel Zweige schon vor deinen Augen blühen!

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Was zeigt sich für ein Wunderbau?
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Hat mich denn Phöbus gar entzücket?
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Was stellt sich für ein Schloß zur Schau,
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Dergleichen wahrlich Rom und Wälschland kaum erblicket?
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Wer zählt der Fenster Menge hier?
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Wer schätzt der stolzen Thore Zier?
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Wer kann der Dächer Pracht, der Flügel Größe nennen?
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Wer lehrt mich alle Symmetrie,
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Und was wir nach der Eurythmie,
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Im Bauen, für ein Werk der größten Kunst erkennen?

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O Hubertsburg! bist du es nicht
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In deinen schattigten Gebüschen?
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Ja ja, du bists, und mein Gesicht
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Kann leichtlich deinen Bau mit Wälschlands Pracht vermischen.
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Ich seh dich zwischen Berg und Thal,
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Mit stolzen Tannen ohne Zahl,
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Mit Eichen edler Art und anderm Holz umringet.
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Hier ist Dianens Reich und Sitz!
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Allhier wohnt Echo, deren Witz
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Dem Jäger, wenn er bläst, die Antwort zehnfach bringet.

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Verliert sich doch das Auge ganz
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In meilenlang durchschnittnen Wäldern!
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Da sieht man deiner Fenster Glanz,
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Wenn Phöbus sie bestralt, in weitentlegnen Feldern.
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Man rückt hinzu, man nähert sich,
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Und jeder Schritt vergrößert dich,
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Bis dich die Gegenwart in voller Schönheit weiset;
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Bis dich durch den gespaltnen Wald,
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Des Wildes grünen Aufenthalt,
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Ein ferner Blick zuletzt auf langen Wegen preiset.

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Mein Churfürst, dieß hat dein Verstand,
140
Dein großer Geist allein erfunden:
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Allhier hat deine Meisterhand
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Die Schönheit der Natur und jeder Kunst verbunden.
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Dein Lustschloß ist der Jagd geweiht;
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Doch deines Volkes Aemsigkeit
145
Hat seinen Fleiß und Witz hier überall gewiesen:
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Hier hat kein Künstler was versehn,
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Und dadurch ist es längst geschehn,
148
Daß alle den Geschmack, womit du baust, gepriesen.

149
So bist du denn dem Vater gleich,
150
Der dir auch darinn vorgegangen:
151
Denn Bauen macht den Bürger reich,
152
Und lockt die Fremden hin, wo solche Schlösser prangen:
153
O
154
Es kostet dich ein einzig Wort,
155
Dein Sachsen ganz und gar zum Wunderwerk zu machen.
156
Vollführe der Gebäude Pracht,
157
Die selbst dein Vater ausgedacht,
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So wird der Held in dir vor aller Welt erwachen.

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Man eilt zur Jagd; dein Roß ist stolz,
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Dich, Herr, ins freye Feld zu tragen;
161
Ein weites Garn umspannt das Holz,
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Da will es Preis und Ruhm durch seinen Lauf erjagen.
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Das Waldhorn tönt, das Windspiel bellt,
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Das Rohr geht los, das Wildpret fällt,
165
Oft sinkt ein matter Hirsch ganz athemlos zur Erden.
166
O
167
Muß billig deiner Fürstenbrust
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Der beste Zeitvertreib, nach Müh und Sorgfalt, werden.

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Dieß war der alten Helden Brauch,
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Die dämpften Hydren und Chimären!
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So hetzte sonst Ulysses auch,
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Im Jagen so geübt, als in der Weisheit Lehren.
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So hat dort der
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Carthago, durch dein flaches Feld,
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Auf einem schnellen Gaul des Wildes Spur entdecket;
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So ward auch
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Manch aufgespürtes Wild zu Theil,
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Bevor er Troja noch in lichten Brand gestecket.

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O! wären diese Helden doch
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Bey solcher Fürstenlust geblieben:
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So stünden Priams Mauren noch;
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So hätte Griechenland sich selbst nicht aufgerieben!
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Was half sie ein so langer Krieg,
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In dem der theurerkaufte Sieg,
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Durch ganze Ströme Bluts, ein geiles Weib errungen?
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Weit besser ists, ein Thier bekämpft,
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Ein erimantisch Schwein gedämpft;
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Als voller Mordbegier ein feindlich Heer bezwungen.

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Wenn wird das menschliche Geschlecht
190
Doch endlich seiner Wuth vergessen,
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Und sich nach Billigkeit und Recht
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Nicht nach der blinden Macht gestählter Fäuste messen?
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Zurück, ihr Furien, zurück!
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Verbergt nur euren finstern Blick
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In des Avernus Pfuhl, und räumt den Kreis der Erden:
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Irenens Gottheit zeigt sich schon,
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Sie pflanzt sich unter uns den Thron,
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Und ganz Europa soll ein Friedenstempel werden.

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Sie bricht schon an, die güldne Zeit,
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Da wir aus Schwertern Sicheln schmieden;
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Wo keine Macht der andern dräut,
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Seit dem die Feder mehr, als sonst der Stahl entschieden.
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Es weicht der Völker Barbarey;
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Man liebt kein rohes Feldgeschrey,
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Seit die Vernunft den Platz der Dummheit eingenommen.
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So scheint es, daß dem Occident,
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Der Gott den Gott des Friedens nennt,
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Vor allem Blutdurst schon ein Ekel angekommen.

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Zwar Waffen blinken überall,
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Doch nur zur Lust der Potentaten:
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Man hört der Stucke Donnerknall,
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Doch nur aus Fröhlichkeit im Glück vergnügter Staaten.
213
So wurdest du, o
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Als Leipzig, dessen Lust du bist,
215
Dich, als sein neues Haupt, mit reger Brust empfangen;
216
So hat des Bürgers Rohr gekracht,
217
Als du ihn gnädig angelacht,
218
Und ihm vor Zärtlichkeit die Augen übergangen.

219
Sey,
220
So wie dein Wesen längst geschienen;
221
Denn Sachsens Glück entspringt davon,
222
Wenn seine Kinder dir in Ruh und Friede dienen.
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Irene macht die Völker groß,
224
Wenn Stadt und Land, dem Glück im Schooß,
225
Den fetten Acker baut, den Handel eifrig treibet:
226
Indessen daß ein rüstig Heer,
227
Bereit zu tapfrer Gegenwehr,
228
Zu voller Sicherheit in steter Uebung bleibet.

229
Wie ist mir denn? Und welch ein Ton
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Entzückt mich hier von ganzen Chören!
231
Läßt irgend sich
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Mit den gelehrten Schwestern hören?
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Ist
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Ich irre nicht; sie sind es, ja!
235
Mann nennt sie nur nicht mehr mit den verjährten Namen.
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O süsse Zauberharmonie!
237
Ach wüßte dich die Poesie,
238
Ach wüßte dich mein Mund in etwas nachzuahmen!

239
Ich bin in Dresden, ist mir recht,
240
In
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Hier kläng
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Hier fänd auch
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Was sag ich viel? Man fühle nur,
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Wie mir der Ton ins Herze fuhr;
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Wie der mich bald erquickt, bald wieder halb entgeistert;
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Wie der bald froh, bald traurig macht,
247
Den einen rasend aufgebracht,
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Des andern reger Wuth sich durch den Schlaf bemeistert.

249
Hier,
250
Des reifen Urtheils Stärke spüren:
251
Nur solch ein auserlesnes Chor
252
Kann deinen edlen Geist durch Kunst und Anmuth rühren.
253
So wie dort ein
254
Früh morgens auf den Bergen saß.
255
Entzücket durch den Ton bewegter Himmelssphären:
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So mag auch deine weise Brust,
257
Im Gottesdienst und bey der Lust,
258
Nur das vollkommenste, des Himmels Vorschmack hören.

259
Ein gleiches liebt auch dein Gemahl,
260
Die Krone deutscher Prinzeßinnen;
261
Vor ihres Urtheils kluger Wahl
262
Weis nichts verwerfliches den Beyfall zu gewinnen.
263
O
264
Ist dieses, daß
265
Durch ihre Gegenwart, dein Leipzig auch beglücket:
266
Daß dieser Kaiserstochter Pracht,
267
Uns nicht in unsers Traurens Nacht,
268
Durch einen Gnadenblick vollkommner Huld erquicket.

269
Laß uns, o Vater! nächstens hier
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Des Landes theure Mutter sehen!
271
Wir alle wollen mit Begier,
272
Für sie und ihre Frucht des Himmels Huld erflehen.
273
Sie schmücket Sachsens Heldenhaus
274
Durch schöne Prinzeßinnen aus,
275
Durch ein erwünschtes Paar von Gott erbethner Prinzen.
276
Sie fahre fort! so wünscht das Land,
277
Und nennt dich,
278
Des allgemeinen Heils der sächsischen Provinzen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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