Fürstinn! deren Geist und Pracht

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Johann Christoph Gottsched: Fürstinn! deren Geist und Pracht Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Fürstinn! deren Geist und Pracht
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Auch Göttinnen schamroth macht;
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Die du itzt die Schmerzensstunden
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Deines Kindbetts überwunden;
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Fürstinn! dich und deinen Sohn
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Heute würdig zu besingen,
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Müßte mir der schönste Ton,
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Nächst den Musen selbst, gelingen.

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Gleichwohl wag ichs, da mirs glückt,
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Daß ich dich gesund erblickt,
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Und was öffentlich geschehen,
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Mit Vergnügen angesehen;
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Gleichwohl wag ichs, durch dieß Lied,
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Dich und deinen Sohn zu ehren:
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Wenn nur das, was andre zieht,
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Mir nicht wird die Reime stören.

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Deine Schönheit, dein Verstand
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Sind der halben Welt bekannt,
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Und dein männlich muntres Wesen
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Nennt der ganze Hof erlesen.
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Deine reizende Gestalt,
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Sammt der schlanken Glieder Länge,
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Hemmen jede Zunge bald,
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Wenn sie noch so fertig sänge.

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Zarter Prinz, wo bist denn du?
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Deckt dich Gold und Sammet zu?
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Nein, ich seh dich, statt der Wiegen,
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In den schönsten Armen liegen.
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Dieser Anblick stört mich auch:
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Hier darf niemand Lieder bringen,
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Dich, nach andrer Kinder Brauch,
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Recht zur Unzeit einzusingen.

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Schlafe nicht, und sieh sie an,
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Die so zärtlich küssen kann;
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Wenn sie dich mit Mutterblicken
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Weis an Mund und Brust zu drücken.
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Sieh sie an, und lächle nur,
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Wenn der Fürst mit dir will scherzen;
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Denn der Vaterliebe Spur
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Regt sich schon in seinem Herzen.

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Carl hat dir den tapfern Muth,
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So, wie Hollsteins Heldenblut,
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Das so rein in ihn geflossen,
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In die Adern eingegossen.
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Folge seinem Beyspiel nach,
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Lerne bald den Degen führen;
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Doch, nach manchem Ungemach,
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Auch im Lieben triumphiren.

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Schlinge dich um seinen Hals;
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Laß die Mutter ebenfalls
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Deiner kleinen Arme Spielen
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Um die weißen Schultern fühlen.
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Fürstinn! sieh, wie buhlt er schon!
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Sollte dich ein Heyde kennen,
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Würd er dich und deinen Sohn
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Venus und Cupido nennen.

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Henkt ihm Amors Köcher um!
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Ey! ich gebe was darum,
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Wenn er so mit Pfeil und Bogen
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Zur Redoute kömmt gezogen.
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Da wird dieß vermummte Kind
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Tausend Herzen an sich ziehen,
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Und was nicht der Sohn entzündt,
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Doch der Mutter nicht entfliehen.

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O wie wohl bist du vermählt!
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Dieses hat dir noch gefehlt.
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Schönste Fürstinn! dein Vergnügen
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Ist bisher noch stets gestiegen:
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Da du nun schon Mutter bist,
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Mußt du, nebst dem muntern Knaben,
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Der dem Vater ähnlich ist,
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Etwas, das dir gleichet, haben.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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