Aeltern, die der Himmel mir

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Johann Christoph Gottsched: Aeltern, die der Himmel mir Titel entspricht 1. Vers(1733)

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Aeltern, die der Himmel mir
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Aus besondrer Gunst verliehen,
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Laßt mich itzt aus Dankbegier
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Seyten auf die Laute ziehen.
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Laßt mich in den fernen Auen,
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Wo die kleine Pleiße rauscht,
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Auf die fetten Fluren schauen,
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Die ich zwar vorlängst vertauscht;
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Aber gleichwohl unterdessen
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Noch zur Zeit nicht ganz vergessen.

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Nein, geliebtes Vaterland!
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Die sind noch bey dir am Leben,
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Die mir, nächst des Himmels Hand,
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Athem, Geist und Leib gegeben;
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Die mich aus den dunkeln Schätzen
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Der Natur ans Licht gebracht,
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Und, mit innigstem Ergetzen,
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Nach und nach geschickt gemacht,
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Das, was wir die Weisheit nennen,
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Gott, die Welt, und mich zu kennen.

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Theurer Vater! dessen Huld
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Mich von Jugend auf belebet,
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Daß die Größe meiner Schuld
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Mir noch stets vor Augen schwebet;
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Dein erhöhtes Alter dringet
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Durch das große Stuffenjahr,
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Und dein graues Haupt bezwinget
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Frisch und munter die Gefahr,
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Die Gefahr, die mancher scheuet,
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Weil sie Sarg und Baare dräuet.

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Liebste Mutter, deren Hand
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Ich schon lange nicht geküsset,
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Nimm dieß treue Demuthpfand,
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Womit dich dein Sohn begrüßet.
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Da dein Namensfest erschienen,
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Das mich schon so oft erfreut:
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So verehr ich auch
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Der ich dieses Lied geweiht;
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Um die treuen Kindespflichten
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Dir mit Freuden zu entrichten.

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Beydes fällt auf einmal ein,
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Und verdoppelt mir die Freude;
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Sonst besang ich eins allein,
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Jetzt verehr ich alle Beide.
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Beyde hat das höchste Wesen,
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Dessen Wink die Welt regiert,
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Mir zu Aeltern auserlesen:
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Beyde hat er so geführt,
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Daß sich Zeit und Ort gefunden,
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Da der Ehstand sie verbunden.

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Lehrt mich beyder zarten Sinn,
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Musen! lehrt mich Gottscheds Liebe,
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Gottscheds, und der Biemanninn,
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Als ein Muster reiner Triebe.
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Denn ich weis, ihr könnt es wissen,
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Weil ihr selbst sein Rohr benetzt,
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Wenn er sonst ans Pindus Flüssen
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Oft ein deutsches Lied gesetzt,
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Ja ihr wißt von seinen Tönen,
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Auf den Jahrstag seiner Schönen.

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Ihre Tugend, ihr Verstand,
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Ihrer Jugend frische Blüthe,
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War das anmuthreiche Band
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Für sein redliches Gemüthe.
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Sein gelehrt und frommes Wesen
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War, was ihrer Brust gefiel:
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Ja dieß Paar war auserlesen,
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Wie der keuschen Triebe Ziel;
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So nach beyder Wunsch und Hoffen
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Durch die Hochzeit eingetroffen.

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Sey gegrüßt, beliebter Wald!
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Grüner Berg, an dessen Grunde
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Dieses Paar den Aufenthalt,
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Ja sein andres Eden funde.
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Sey gegrüßt, o mein Juditten!
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Wo ich einst das Licht erblickt.
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Wo in frommen Schäferhütten
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Mich der Mutter Brust erquickt;
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Wo ihr mühsames Erziehen
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Mir zu lauter Heil gediehen.

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Mir zum Heil, und dir zur Lust,
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Werthe! die du meinetwegen
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Oft von keiner Ruh gewußt,
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Nächte sonder Schlaf gelegen.
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Deine Sorgfalt und dein Wachen
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Stund der schwachen Kindheit bey,
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Machte mich wohl gar vom Rachen
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Des besorgten Todes frey;
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Wenn die Seufzer deiner Zungen
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Mich dem Himmel abgedrungen.

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Und wie rühm ich deinen Fleiß,
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Theurer Vater! dein Bestreben,
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Mir von allem, was ich weis,
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Selbst den ersten Grund zu geben?
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Wie der Deutsche, Griech, Lateiner
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Und Hebräer schreibt und spricht,
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Dieses wies mir sonsten keiner,
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Als dein treuster Unterricht;
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Den ich, falls ich wechseln sollte,
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Gegen nichts vertauschen wollte.

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Selbst der Redner edle Kunst
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Hast du mir zuerst gewiesen,
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Und der Musen süße Gunst
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Durch dein Beyspiel angepriesen.
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Und so wuchsen mir die Flügel
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Unter deiner Vaterzucht,
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Bis ich selbst den Königshügel,
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Wo, nebst
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Markgraf

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Hier empfand ich erst die Kraft
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Deiner väterlichen Lehren;
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Hier konnt ich die Wissenschaft
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In erwünschter Freyheit hören.
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Und was war es dir für Freude,
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Wenn dein Sohn die Proben wies,
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Und im langen Priesterkleide
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Sich mit Beyfall hören ließ;
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Ja mit herzlicherm Vergnügen
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Die Kathedern oft bestiegen.

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Durch den blauen Hut der Weisen;
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Als die deutlichste Gefahr
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Mir befahl, davon zu reisen.
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Damals gab ich deinen Gassen,
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Doch ich kann dich noch nicht hassen,
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Nein! ich habe stets gedacht,
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Daß, wenn ich kein Leipzig wüßte,
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Ich dich noch betrauren müßte.

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Hier gedenk ich an den Gram,
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Liebsten Aeltern! an die Zähren;
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Die mir, als ich Abschied nahm,
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Fast den Aufbruch wollten wehren.
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Doch der wohlgemeynte Segen
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Folgte mir auf jedem Schritt,
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Gieng, auf unbekannten Wegen,
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Bis ins edle Meißen mit;
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Wo ich nun, seit sieben Jahren,
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Täglich seine Kraft erfahren.

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O wie fröhlich und vergnügt
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War die Zeit vor zweyen Jahren,
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Als es sich so schön gefügt,
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Daß wir an der Weichsel waren!
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Danzig sah in seinen Wällen
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Sohn und Aeltern ganz entzückt,
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Die einander, ohn Verstellen,
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Oft an Mund und Brust gedrückt;
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Endlich aber ganz zufrieden
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Sich getrennet und geschieden.

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Lebt denn glücklich, theure Zwey!
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Werdet alt bey guten Tagen,
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Machet euch von Sorgen frey,
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Laßt euch keinen Kummer nagen.
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Euren Söhnen wirds nicht fehlen,
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Wenn sie nur in allem Thun
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Euch zum Tugendmuster wählen,
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Und in Gottes Fügung ruhn;
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Der, wie man an euch gespüret,
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Stets die Seinen wohl geführet.

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Ja! des Vaters Redlichkeit,
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Sammt der Mutter Menschenliebe,
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Gaben mir, seit langer Zeit,
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Ein Exempel edler Triebe.
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Müßt ihr aber endlich sterben,
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Werthe, folgt ihr der Natur;
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O so laßt mich eins nur erben,
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Laßt mir eure Tugend nur!
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Laß ich diese bey mir wohnen,
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Hab ich mehr, als Millionen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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