Schönste Muse deiner Zeit

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Johann Christoph Gottsched: Schönste Muse deiner Zeit Titel entspricht 1. Vers(1733)

1
Schönste Muse deiner Zeit,
2
Unvergleichliche Louise!
3
Hilf doch meiner Schüchternheit,
4
Die dich itzt so gerne priese,
5
Lehre du mich selber dichten,
6
Hilf mein schlechtes Rohr erhöhn;
7
Denn dein Lob so rein und schön,
8
Als du singest, einzurichten,
9
Muß mein Lied so ungemein,
10
Als dein ganzes Wesen seyn.

11
Wahrlich! ein so edler Geist
12
Wird nicht überall gefunden,
13
Der, was Witz und Tugend heißt,
14
Durch ein festes Band verbunden.
15
Selbst bey Männern sieht man selten
16
Solcher Güter Zahl vereint;
17
Als in deinem Thun erscheint;
18
Wo sie wahrlich zwiefach gelten:
19
Weil man niemals mehr Verstand
20
Bey so zarter Jugend fand.

21
Kann doch weder Stolz noch Geiz
22
In dein starkes Herze dringen,
23
Noch der Eitelkeiten Reiz
24
Deine große Seele zwingen!
25
Deiner Mutter Witz und Tugend,
26
Einsicht und Belesenheit
27
Führt dich zur Gelehrsamkeit,
28
Und vergöttert deine Jugend;
29
Welche so schon, wie du bist,
30
Englisch mehr, als menschlich ist.

31
In der Künste Feld gedrungen,
32
Als es dir, der Weisheit Kern
33
Gründlich einzusehn, gelungen.
34
So viel Frauenzimmerspiele
35
Man bisher bey uns vernahm,
36
Klingen schlecht, ja matt und lahm
37
Gegen deinem Dichterkiele;
38
Welcher nicht nur sie verlacht,
39
Nein! auch Männer neidisch macht.

40
Künftig darf sich dein Geschlecht
41
Seiner Schwachheit nicht mehr schämen;
42
Und der Dichtkunst Meisterrecht
43
Gleich den stärksten Dichtern nehmen.
44
Adelgunde wird mit Ruhme
45
Unsers Preußens
46
Ja dieß Lob ist dir zu klein,
47
Deutschland trotzt dem Alterthume;
48
Denn du fängst viel stärker an,
49
Als es Sappho enden kann.

50
Wird die kluge
51
Nächst, durch dich, auch deutsch gelesen,
52
Kömmt man leichtlich auf die Spur,
53
Welch ein Geist dabey gewesen.
54
Doch wer weis, obs jemand glaubet?
55
Der, wenn ihn die Schrift ergetzt,
56
Dich, die du sie übersetzt,
57
Des verdienten Ruhms beraubet:
58
Weil er solcher Schreibart Preis
59
Noch von keiner Schönen weis.

60
Dieses Geistes seltne Pracht,
61
Dieser edlen Seele Gaben,
62
Würden mich entzückt gemacht,
63
Würden mich bezaubert haben;
64
Hätt ich gleich am Weichselstrande
65
Deine Schönheit nie erblickt:
66
Denn dadurch ist mirs geglückt,
67
Daß ich meinem Vaterlande;
68
Welch ein herrlicher Gewinn!
69
Nun nicht mehr gehäßig bin.

70
Selig seyst du, süßes Licht!
71
Das du sie zur Welt gebohren!
72
O was hätte Deutschland nicht,
73
Ohne dich an ihr verlohren!
74
Seyd gegrüßt, ihr schönen Stunden!
75
Eurer Morgenröthe Schein
76
Soll mein liebster Anblick seyn,
77
Der sich jemals eingefunden:
78
Kommt noch oft, und stellt sie mir,
79
So wie jüngst, im Traume für.

80
Lies dieß Blatt, Victoria,
81
Als ein treues Ehrfurchtszeichen.
82
O wär ich dir itzt so nah!
83
Was könnt mir an Freude gleichen;
84
Doch der Himmel kann es fügen,
85
Daß mein Wunsch sich bald erfüllt:
86
Und indessen soll dein Bild
87
In Gedanken mich vergnügen;
88
Bis ich, (wenns doch bald geschäh!)
89
Dich persönlich wieder seh.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Johann Christoph Gottsched
(17001766)

* 02.02.1700 in Königsberg, † 12.12.1766 in Leipzig

männlich, geb. Q116207795

deutscher Gelehrter, Sprachforscher und Schriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.